Mitglieder von "Label M", einer der Preisträger des „The Power of the Arts“-Preises 2017. Foto: Robert Rieger
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Preisverleihung in der Akademie der Künste Furchtlos in Freital

Nicola Kuhn
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Der mit 200 000 Euro dotierte kulturelle Förderpreis „The Power of the Arts“ geht an vier Initiativen.

Kulturelle Teilhabe, Bildung, Toleranz – diese Stichworte fielen immer wieder bei der erstmaligen Verleihung des Förderpreises „The Power of the Arts“, einer Initiative der Philip Morris GmbH. Zuvor hatte noch das Forum Rauchfrei Protest eingelegt, dass die Akademie der Künste ihre Räume am Pariser Platz für die Zeremonie zur Verfügung stellen würde. Und auch Moderatorin Tina Gadow versuchte am Abend keck die Leiterin der Corporate Responsibility, Elfriede Buben, aus der Reserve zu locken mit der Bemerkung „Klar, Ihr habt ein schlechtes Gewissen!“.

Doch einem mit 200 000 Euro dotierten Preis „für soziale und kulturelle Gleichberechtigung aller Menschen und deren Verständigung“ lässt sich schwerlich etwas entgegensetzen. Er ist damit der höchstdotierte Preis auf diesem Sektor in der Bundesrepublik. Dass ihn sich vier Initiativen zu je 50 000 Euro miteinander teilen, macht ihn nicht kleiner, sondern mehr noch vielfältiger.

Entsprechend divers fiel die Wahl der Jury aus, zu der unter anderem der Volksbühnenintendant Chris Dercon, die Berliner Sammlerin Erika Hoffmann, die Publizistin Kübra Gümüsay, der Kulturchef der Konrad-Adenauer-Stiftung Hans-Jörg Clement und der langjährige Vorstand der Böll-Stiftung, Ralf Fücks, gehörten. Sie entschieden sich unter den 150 Einreichungen für die Foundation Class der Kunsthochschule Weißensee, die Dresdner Brass-Band Banda Internationale, das Saarbrücker Jugend-Projekt label m und die Kölner Performance-Initiative Un-Label.

Musik gegen Pegida bei der Preisübergabe

Für die Foundation Class sichert der Preis überhaupt erst ihr Fortbestehen. Die auf Ulf Aminde zurückgehende Initiative wird ein weiteres Jahr in Weißensee existieren können und erneut 20 Geflüchtete und Asylsuchende, die Kunst studieren wollen, darin unterstützen, eine Bewerbungsmappe zusammenzustellen. Die Aussicht auf Erfolg ist groß, denn 95 Prozent der Teilnehmer des ersten Jahrgangs besuchen heute eine Akademie.

Hilfe zur Selbsthilfe. Die Foundation Class der Kunsthochschule Weißensee. Foto: Robert Rieger
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Um bessere Chancen geht es auch der „Company“ Un-Label, die rund 100 Künstler aus ganz Europa vereint und insbesondere Performern, Schauspielern und Sängern, die durch körperliche oder geistige Behinderung benachteiligt sind, Auftrittsmöglichkeiten bietet. Gerne hätte man von ihnen tatsächlich einen Auftritt gesehen, nicht nur einen filmischen Einspieler, der eine Szene dreier Darsteller im Skulpturengarten des Berliner Kolbe-Museums zeigt. Das galt vor allem für die Brass-Band Banda Internationale, zu der Deutsche wie Migranten gehören. Wie viel Leidenschaft hinter ihrem Engagement steckt, blitzte bei der Vorstellungsrunde vor der Preisübergabe auf. Banda Internationale spielt mutig gegen Pegida an und tritt furchtlos auch im sächsischen Freital auf.

Einfach machen, lautet auch das Konzept von Label m, der Saarbrücker Initiative für Sprayer, Skater, Rapper. Was in einem Problemviertel begann, gilt heute als Vorzeigeprojekt saarländischer Subkultur. „Wir versuchen, Selbstbewusstsein zu geben, das in die Stadtgesellschaft ausstrahlt“, formulierte Thomas Langhammer sein Ziel. Ein Preis strafft dabei den Rücken, eine große Summe Geld hilft, daran weitermachen. NK

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