H.P. Daniels Foto: Peter-M. Scheibner
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H.P. Daniels The National im Huxley's

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Das Konzert von The National ist nicht nur seit Wochen ausverkauft, es ist "absolut ausverkauft". So verkündet's ein Schild am Eingang zum Huxley's. Zu Recht.

Auch der zweite Auftritt am Folgetag im Astra ist ausverkauft – absolut! Der Saal ist gerammelt voll, The National sind schwer angesagt, spätestens seit ihrem Durchbruch mit dem vierten Album "Boxer" vor drei Jahren. Die Band existiert allerdings schon seit 1999, gegründet in Cincinnati, umgezogen nach New York im Jahr 2001, wo dann auch das Debütalbum erschien. 

Über die Jahre ist das Quintett seinem Stil treu geblieben: dunkler, melancholischer "Indie"-Rock, in dem sich Erinnerungen an Joy Division, Leonard Cohen, Nick Cave und die Tindersticks mit Americana zu etwas eigenem Neuen mischen. Gerade ist das fünfte Album "High Violet" erschienen. Der Sound ist etwas heftiger und kräftiger geworden, die Gitarren verzerrter, dazu Streicher und Bläser. 

Tosender Jubel zum Intro der Musiker: Trompete, Posaune, Keyboards zusätzlich zur Stammbesetzung mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Ein beeindruckend dichter Sound, wo alles traumhaft zusammenpasst und nichts mehr dazwischen. Dazu brummt der warme, tiefe Bariton von Matt Berninger. 

Der steht im grauen Anzug gebeugt hinterm Mikrofon, um das er fest die Hände faltet, die Schultern zusammengezogen, Unterarme angewinkelt. "Mistaken For Strangers" von der "Boxer"-Platte. Und schon nageln heftig geachtelte Stakkato-Gitarren "Anyone's Ghost" vom neuen Album hinterher. 

Die meisten Songs des Abends stammen von den beiden letzten Veröffentlichungen, wobei noch einmal die besonderen Qualitäten der "Boxer"-Stücke hervorstechen. "Slow Show" hat eine betörende ruhige Melodie, während zu abgehacktem Gesang die Wörter einzeln durch die erhitzte Luft wirbeln. "I made a mistake in my life today / everything I love gets lost in drawers / I want to start over, I want to be winning /way out of sync from the beginning". Rätselhaft dramatisches Zeug. Kammerpop, Balladen mit Piano und Viola. Bis es wieder fetzt, fast punkig: "Abel" aus dem Jahr 2005.

Zum Schluss singen die hingerissenen Fans die hübsche Ballade "Fake Emperor", bevor sich die kompakte Band mit vier Zugaben noch einmal richtig verausgabt und Berninger ein ausgiebiges Bad in der Menge nimmt. 

Die eigentliche Überraschung des Abends allerdings war das Vorprogramm: Das Duo "Buke And Gass", ebenfalls aus New York. Nur zu zweit kreieren sie eine mächtige Soundwand aus Folk, Electronica und Heavy-Metal. Wobei sie ihre ungewöhnlichen Instrumente raffiniert durch Looper sowie diverse andere Effekte filtern und mit den Füßen eine Kickdrum und anderes Rhythmusgerät bedienen. 

Arone Dyer zupft und schraddelt auf einer Bariton-Ukulele (Buke) und singt dazu mit eindringlich schöner Stimme, wie eine abgedrehte Joni Mitchell. Aron Sanchez ergänzt dazu energische Melodien, Bass und Rhythmus, alles gleichzeitig und ineinander verzwirbelt auf einem seltsamen Hybrid aus Bass und E-Gitarre (Gass). 

Industrielles Hämmern und Stampfen wechselt mit harmonischen Riffs, Folk-Melodien und dazwischen einem Klang, der verblüffend an die Steel Drums aus Trinidad erinnert. Aber dann denkt man auch sofort wieder an Led Zeppelin und deren vertrackte Rhythmen. Sensationell.

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