Schönheit des Baal-Tempels. Der Eingang zur Cella auf einer Radierung von Jean-Baptiste Réville and Pierre Gabriel Berthault nach Louis-François Cassas, 1799. Foto: The Getty Research Institutep

Online-Ausstellung Faszination des frühen Palmyra

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Palmyra ist zum Symbol für die verheerenden Zerstörungen des Syrien-Krieges geworden. Eine Online-Ausstellung lässt die Oasenstadt in altem Glanz auferstehen.

Palmyra ist das Symbol für die Zerstörungen, die der sogenannte Islamische Staat an Kulturgütern begangen hat, wenngleich es noch viele andere Orte in Syrien und Irak gibt, die schwere Verluste hinzunehmen hatten. Palmyra ist seit Anfang März wieder von syrischen Regierungstruppen mit Hilfe der russischen Luftwaffe zurückerobert worden, der IS aus der Stadt vertrieben, aber die Lage östlich von Palmyra bleibt angespannt. Die neuerlichen Schäden an den Altertümern der antiken Stadt halten sich in Grenzen, die vom IS gesprengten Säulen des Tetrapylons zeigen die Armierungseisen einer unsachgemäßen Betonrestaurierung aus den frühen 60er Jahren. Auch der gesprengte Giebel des Theaters aus römischer Zeit geht zum Teil auf die Restaurierungsarbeiten der 60er Jahre zurück.

Warum die multikulturelle Metropole Palmyra immer wieder die Menschen fasziniert hat, zeigt die wunderbare Online-Ausstellung „The Legacy of Ancient Palmyra“ des Getty Research Institutes Los Angeles. Es besitzt einen großen Schatz an frühen Stichen des 18. Jahrhunderts und viele Fotos des frühen 19. Jahrhunderts, die von Anfang an zum Ruhme Palmyras in der Welt beigetragen haben.

Der Künstler und Architekt Louis-Francois Cassas reiste Ende des 19. Jahrhunderts in den östlichen Mittelmeerraum, schuf Hunderte von Zeichnungen, die die Basis seines üppigen Werkes "Voyage pittoresque de la Syrie, de la Phoénicie, de la Palestine, et de la Basse Egypte" bildeten, das heute fünfstellige Summen bei Auktionen erzielt. Allein zu Palmyra sind über 100 Radierungen entstanden, die das Getty Research Institute 1984 in Form von Probedrucken erwerben konnte.

Diese fantastischen Stiche vermitteln einen frühen Eindruck von der Schönheit der antiken Ruinenstadt. Mit seinen Radierungen, die er nach den Zeichnungen schuf, beeinflusste er nicht wenige Maler und Künstler seiner Zeit.

Gut hundert Jahre später heuert der französische Adelige und Hobby-Archäologe Honoré Théodore Paul Joseph d'Albert, Duc de Luynes (1802-1867), den Kapitän und Fotografen Louis Vigne (1831-96) wegen seiner Ortskenntnisse an, ihn auf einer Reise ins Jordantal und nach Petra zu begleiten, um Altertümer zu fotografieren. Luynes engagiert den Fotografen und Künstler Louis Nègres, um Vigne an der Kamera auszubilden. 1867 starb Luynes, und so konnte der Auftrag, die Fotos als Fotogravüren zu vervielfältigen, nicht fortgesetzt werden. Die wenigen Abzüge der Fotos wurden 2015 vom Getty Research Institute von der Familie Luynes erworben. Es sind absolute Raritäten, dank derer wir wertvolle Informationen über Palmyra erhalten. Mit der Online-Ausstellung können die einmaligen Schätze Palmyras nun weltweit betrachtet werden.

Die Ausstellung im Internet: http://www.getty.edu/research/exhibitions_events/exhibitions/palmyra/

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