Der Zuschauerraum der Komischen Oper in der Behrenstraße. Foto: Gunnar Geller/Komische Oper
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Neujahrskonzert der Komischen Oper Sektlaune und Champagner-Lob

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Mit Strauss’schen und Offenbachschen Operetten geht es an der Komischen Oper ins neue Jahr. Highlight ist die Rede von Barrie Kosky.

Zugegeben: Man kann ein Neujahrskonzert auch wesentlich festlicher gekleidet moderieren als es Barrie Kosky tut. Doch der nonchalant in der Anrede zwischen „Sie“ und „Ihr“ wechselnde australische Intendant der Komischen Oper setzt mit seinen gefütterten Stiefeln, seinem karierten Hemd und seinem kokettierend geradebrechten Deutsch einen erfrischenden Kontrapunkt zu dem eher konventionellen Programm aus Strauss’schen und Offenbachschen Operetten, mit dem die befrackten Musiker des Hauses das neue Jahr willkommen heißen.

In seiner authentisch nach außen gekehrten und durchaus nicht uneitlen Freude daran, Nachfolger des legendären Walter Felsenstein zu sein, der vor 70 Jahren die Komische Oper gründete, vermag Kosky sogar eine ellenlange, von Schrauben über Scheinwerfer bis hin zu goldenen Schuhen reichende Bedarfsliste vorzutragen, die sein großer Vorgänger vor der Eröffnung des Hauses im Dezember 1947 an die Sowjetische Kommandantur schrieb. Dabei legt sich der Australier mit so viel kindlicher Freude ins Zeug, dass dieser Moment am nächsten Tag für manchen Zuhörer durchaus gleichwertig neben den musikalischen Darbietungen im Gedächtnis bleibt.

Vorfreude auf Koskys unkonventionelles Programm

Dabei machen die Solisten, der neue erste Kapellmeister Jordan de Souza und das Orchester der Komischen Oper ihre Sache durchweg gut: Schon zu Beginn hebt man in Johann Strauss’ Ouvertüre zur „Fledermaus“ mit korkenknallenden Akkorden und witzig beschwipsten Geigenvorhalten die Stimmung auf das dem Anlass entsprechende ausgelassene Niveau, auch wenn die Zuhörer, die sich an klanglicher Transparenz berauschen, dabei noch in Sekt- statt Champagnerlaune bleiben. Klar artikuliert, wenngleich auch ein bisschen affektiert, trägt Mezzosopran Maria Fiselier Prinz Orlowskys „Ich lade gern mir Gäste ein“ vor. Sauber, aber in der Intonation nicht porentief rein ist ihr Duett mit Vera-Lotte Böker in Offenbachs berühmter Barcarole. Einen starken Auftritt legt der Tenor Tansel Akzeybek mit klar verständlicher, sicher und klangsatt durch die Register geführter Stimme als Offenbachs Schönling Paris aus „La Belle Hélène“ hin.

Barrie Kosky, Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper. Foto: Paul Zinken/dpa
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Mit sehr witzig und treffsicher gesetzten Spitzentönen schließlich spielt die Sopranistin Nora Friedrichs in der Arie der Adele aus Strauss“ „Fledermaus“ die lebenshungrige Unschuld vom Lande. Ein in gut gelaunter und blitzblanker Ensembleleistung vorgetragenes, garantiert nebenwirkungsfreies Lob auf König Champagner I. rundet den musikalischen Jahresauftakt ab – und macht Laune auf das programmatisch unkonventionellere Jahresprogramm, für das Barrie Kosky zuvor charmant und ungeniert in einer kleinen Werbeeinlage in eigener Sache aufmerksam gemacht hatte.

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