Szene aus „Pursuit of Happiness“ Foto: Andrej Lamut / HAU
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Nature Theater of Oklahoma im HAU Bullen in Bagdad

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Überbordende Selbstironie: Die Produktion „Pursuit of Happiness“ des Nature Theater of Oklahoma im HAU.

In den ersten Minuten fällt kein einziges Wort. Nur das Whiskyglas wird auf dem Tresen hin-und hergeschoben vom in sich versunkenen Cowgirl zum mexikanischen Barkeeper mit Sombrero und angeklebtem Schnauzbart. Schweigen und Trinken, daraus entsteht eine kleine Choreografie. Ansonsten sind alle in dem Western-Saloon, den das Nature Theater of Oklahoma unter Verwendung von viel Kunstholz auf die Bühne des HAU 2 gebaut hat, in völliger Lethargie versunken.

Für ihre neue Produktion „Pursuit of Happiness“ hat das New Yorker Künstlerpaar Kelly Copper und Pavol Liska mit der EnKnapGroup, der einzigen festen Compagnie für zeitgenössischen Tanz in Slowenien, zusammengearbeitet. Es beginnt als zähe Western-Persiflage. Die sechs Tänzer, die als Cowboy oder Cowgirl kostümiert sind und dazu noch mit Augenklappe und Zahnlücken versehen wurden, ähneln ramponierten Schießbudenfiguren. Raufen und sich besaufen scheint aber keineswegs das einzige Lebensziel der Yankees zu sein.

Einer der Raufbolde verstrickt seinen Widersacher plötzlich in ein Gespräch über ein sehr amerikanisches Thema: das Streben nach Glück. Die philosophische Meditation sprengt natürlich bald den Horizont gewöhnlicher Kuhhirten. Jeder ist seines Glückes Schmied, aber alle schieben Frust. „Mein Job als Museumswächter ist absurd, in philosophischem Sinne“, lamentiert einer. „Die meisten Menschen leben ein Leben in stiller Verzweiflung“, zitiert ein anderer den amerikanischen Schriftsteller Thoreau.

Tanzen für den Weltfrieden

Was die slowenischen Tänzer in einem breiten, wie Kaugummi auseinandergezogenen Kunst-Amerikanisch vortragen, ist die Sinnkrise heutiger Künstler-Existenzen. Der mexikanische Barkeeper, der sich als Chef der Tanztruppe zu erkennen gibt, hat plötzlich eine tollkühne Idee. Er verordnet seinem Ensemble einen Trip nach Bagdad. Für nichts Geringerers als den Weltfrieden wollen sie tanzen. In die Kampfzone, wo sich UNO-Truppen und irakische Rebellen gegenüberstehen, gelangen sie mit einem Red-Bull-Mobil. Das wird nicht beschossen, weil die verfeindeten Kämpfer alle süchtig sind nach dem Energydrink, der hier in einer nicht-zivilen Rezeptur verteilt wird.

Der Abend ist streckenweise recht amüsant dank der überbordenden Selbstironie. Copper und Liska machen sich lustig über das Sendungsbewusstsein von Künstlern und nehmen den geschwollenen Diskurs der Performerszene auf die Schippe. Auch ein paar Seitenhiebe auf die ignoranten Amerikaner, die nicht wahrnehmen, was sonst noch in der Welt geschieht, fehlen nicht. Doch die Geschichte verdreht sich immer abstruser, das Pointen-Bombardement wird zum Selbstzweck.

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