„Na so was! Super! Unglaublich“ Stimmen zum Nobelpreis für Elfriede Jelinek

-
0 Kommentare

Die Vergabe des LiteraturNobelpreises an die österreichische Autorin Elfriede Jelinek hat Zustimmung und vor allem Überraschung ausgelöst. „Ich bin begeistert über die unerwartete Entscheidung des Nobelpreiskomitees. Jelineks Texte sind ein Sprachereignis, eine andauernde Herausforderung und eine gnadenlose Zumutung – im wahrhaftigsten Sinne“, sagte die deutsche Kulturstaatsministerin Christina Weiss . Michael Naumann , früherer Kulturstaatsminister und heute „Zeit“-Herausgeber, reagierte so: „Erstens: sehr überrascht, zweitens: der Preis ist sehr verdient und drittens: für die Österreicher ein schwerer Schock – sie werden jetzt anfangen, sie zu lesen.“ Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki , der nicht zu den größten Jelinek-Fans zählt, erklärte: „Meine Bewunderung für ihr Werk hält sich in Grenzen. Meine Sympathie für ihren Mut, ihre Radikalität, ihre Entschlossenheit und ihre Wut ist enorm. Jelinek ist eine äußerst extreme und radikale Schriftstellerin.“

„Ich empfinde große Freude über den Preis für Elfriede Jelinek, die eine unerhörte Sprache und ein völlig eigenwilliger Stil auszeichnet“, sagte Rowohlt-Verleger Alexander Fest . Bei Rowohlt erscheinen die meisten Jelinek-Bücher.

Auch im Theater schlagen die Emotionen hoch. Frank Baumbauer , Intendant der Münchner Kammerspiele, sagt: „Wir freuen uns riesig, zumal es ja auch sehr überraschend kam. Ich schätze sie nicht nur als Dramatikerin, Elfriede Jelinek hat wunderbare Romane geschrieben.“ Claus Peymann , Intendant des Berliner Ensembles, war „zu Tränen gerührt“. Jelinek sei die „Kassandra der zeitgenössischen Literatur“. Christoph Schlingensief – er hat im Dezember 2003 Elfriede Jelineks „Bambiland“ am Burgtheater in Wien uraufgeführt und probt derzeit an der Berliner Volksbühne sein neues Stück „Die Fick Collection“ – spricht von einer Sensation: „Elfriede Jelinek wird nicht nur für ihre Texte, sondern auch für ihre Haltung belohnt. Denn statt Distanz zu bewahren, lässt sich Elfriede Jelinek ein auf die Welt, fast zwanghaft setzt sie sich der Welt aus, sieht und findet Elemente und formt sie zu etwas Neuem – und fordert andere auf, sich die Welt anzueignen. In unserer Zusammenarbeit hat sie mich aufgefordert, ihre Texte nicht zu verehren, sondern zu benutzen. Wie sie es tut: aus dem Vorhandenen als Katalysator oder Ultrahocherhitzer Neues schaffen. Für Jelinek ist Kunst keine Imitation, sondern ein Elixir. Von ihr habe ich Selbstprovokation gelernt: Denn sie provoziert nie andere, sondern sich selbst, sie arbeitet da weiter, wo andere aufhören, wo es weh tut!“

Jelineks Landsmann, der Schriftsteller Peter Handke , äußerte sich begeistert. „Na so was! Super! Unglaublich! Gewaltig! Da muss ich mich erst einmal setzen.“ Jelinek sei „eine Schriftstellerin von heute – wie sonst fast niemand. Sie bringt alles auf den Punkt.“ Tsp/dpa

Zur Startseite