Die Wüste blüht. Eine Holzfliese aus dem 11. Jahrhundert, die Forscher in Kocho, im heutigen Gaochang in China fanden. Foto: SMB/Jürgen Liepep

Museum für Asiatische Kunst Buddha und die Balken

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Zum Abschied noch einmal nach Dahlem: Das Museum für Asiatische Kunst zeigt die Architektur an der Seidenstraße. Forscher konnten die sensationellen Holzfunde aus der Klosterstadt Kocho erstmals einander zuordnen und aufstellen.

Die sensationellen Holzfunde aus der Klosterstadt Kocho (heute Gaochang) an der Seidenstraße lagerten über 100 Jahre lang sauber nummeriert und katalogisiert in den Schränken des heutigen Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin. Wohl verwahrt, aber nicht wissenschaftlich aufgearbeitet. Von 1903 bis 1914 hatten Forscher des Berliner Museums für Völkerkunde auf vier sogenannten „Turfan-Expeditionen“ an den Rand der Wüste Taklamakan – eines der unwirtlichsten und trockensten Flecken der Erde – die Kultur der alten Seidenstraße erforscht.

Einer Region, in der sich schon im 8. Jahrhundert Araber, Chinesen und Uiguren begegneten und auch bekämpften. Wegen des extrem trockenen Klimas konnten die deutschen Forscher unter dem Indologen Albert Grünwedel und dem Turkologen Albert von Le Coq damals einzigartige Textdokumente auf Papier und Seide sowie Holzobjekte, Skulpturen und Wandmalereien bergen. Denn schon damals war die gigantische Ruinenstadt vom Verfall bedroht.

Kloster Beta in der Ruinenstadt Kocho, Anfang des 20. Jahrhunderts. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Asiatische Kunstp

Jetzt, mehr als 100 Jahre später, präsentieren die Wissenschaftler des Museums für Asiatische Kunst die Ergebnisse ihres Forschungsprojektes von 2014 bis 2015, das von der Gerda-Henkel-Stiftung gefördert wurde. Dazu gehörte auch eine Forschungsreise auf den Spuren von Grünwedel und Le Coq zu drei noch halbwegs erhaltenen Ruinen in Kocho.

Skulpturen und buddhistische Wandmalereien

Gigantische Stadtmauern, große Ecktürme und Tempelbauten erwarteten Grünwedel und seine Mitstreiter. Sie fotografierten die beeindruckenden Ruinen, die Bilder schmücken jetzt in übergroßen Abzügen teilweise die Wände der Ausstellung „Die Ruinen von Kocho – Spuren von Holzarchitektur der alten Seidenstraße“ im Museum für Asiatische Kunst. Rund um eine große Karte der gigantischen Klosterstadt zeugen die Fotos von vergangener Pracht, denn schon damals haben Bauern die Lehmziegel abgebaut, zerrieben und als Düngemittel für ihre Felder benutzt. Erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts hat China die Ruinen unter Denkmalschutz gestellt – eine Sisyphusarbeit in dieser abgelegenen Region.

Kloster Beta in der Ruinenstadt Kocho, Xinjiang, China im Jahr 2015 nach restaurierungsarbeiten. Foto: Lilla Russell-Smith, Museum für Asiatische Kunstp

Zu sehen sind in der Ausstellung Skulpturen und restaurierte buddhistische Wandmalereien mit den dazugehörigen Werkzeugen und wertvolle Textfragmente der damaligen Expedition. Besonders reizvoll ist die Gegenüberstellung der Fotos von damals mit denen von heute. Das Ergebnis ist zum Teil niederschmetternd: Viele der monumentalen Bauten, die die Turfan-Expedition noch dokumentiert hatte, sind verschwunden.

Buddhistische und manichäische Traditionen treffen aufeinander

Dafür ist es den Berliner Forschern des Museums gelungen, nun erstmals die zum Teil bemalten Holzbalken und andere Holzobjekte einander zuzuordnen und auszustellen, so Kuratorin Lilla Russel-Smith. Vermeintliche Kerzenständer etwa habe man als Stützelemente einer Balkenkonstruktion für ein Dach identifiziert, die so nun erstmals rekonstruiert gezeigt und später im Humboldt-Forum 2019 unter der Kuppel dauerhaft ausgestellt wird. Die vergleichenden Fotos und Texte, die in Dahlem nun noch ausgedruckt auf der Wand kleben, werden im Humboldt-Forum digital zur Verfügung stehen und so weitere Informationen über diesen Schmelzpunkt der Kulturen liefern.

Geschnitztes Holzkapitell aus Ruine K in Kocho, Xinjiang, China, 8. Jahrhundert. Auf den ersten Blick wäre die geographische Zuordnung nicht so einfach. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Asiatische Kunst / Jürgen Liepe p

Buddhistische und manichäische Traditionen treffen in Kocho aufeinander, und ein kleines Detail wie etwa eine bemalte Stufenzinne aus Ton zeigt, wie dieses ursprünglich altorientalische Ornament von Palmyra im Westen bis in die Wüste Taklamakan Verbreitung fand. Und der Besucher staunt über die Qualität der perfekt erhaltenen Holzkapitelle mit Akanthusschmuck, die auch eine Verbindung nach Westen beweisen.

Die Kulturen waren in Bewegung – man darf auf die Präsentation im Humboldt-Forum, die neue kulturelle Zusammenhänge erschließen wird, gespannt sein. Die Dahlemer Ausstellung ist dazu ein lohnendes Vorspiel.

Museum für Asiatische Kunst, Lansstraße 8, bis 8. Januar. Di-Fr 11-17 Uhr, Samstag und Sonntag 11-18 Uhr. Mit dieser Ausstellung schließt das Museum für Asiatische Kunst in Dahlem wegen des Umzugs ins Humboldt Forum. Zum Abschied werden die Öffnungszeiten von Freitag, 6. Januar, bis Sonntag, 8. Januar 2017, auf täglich 10 bis 20 Uhr ausgeweitet.

Zur Ausstellung ist jetzt die Dokumentation erschienen: Lilla Russell-Smith; Ines Konczak-Nagel (Hgg.): The Ruins of Kocho - Traces of Wooden Architecture on the Ancient Silk Road. Staatliche Museen zu Berlin, 2016. 160 Seiten. 39,90 €

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