Ihre Fans wählten sie zum besten Pop-Act. Die Sängerin Camila Cabello bei den MTV Europe Music Awards in London. Foto: REUTERS/Dylan Martinez
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MTV Europe Music Awards Verschlingt euch doch selber

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In London hat MTV die European Music Awards verliehen. Taylor Swift ging leer aus, dafür gewinnt Eminem auch ohne neues Album. Eine Glosse.

In schön ermüdender Regelmäßigkeit versorgt der einstige Musiksender MTV, der inzwischen ein Teenie- Doku-Reality-TV-Serienkanal ist, die Pop-Welt Jahr für Jahr mit Preisverleihungen. Gab es diese Awards nicht gerade erst, fragt man sich stets aufs Neue, wenn es wieder einmal so weit war, wie jetzt in der Londoner Wembley Arena. Nach den MTV Movie & TV Awards (im Mai vergeben) und den MTV Video Music Awards (Ende August), ging es am Sonntag um die MTV European Music Awards.

Wer dort gewonnen hat, ist – wie bei den anderen Awards – sehr einerlei. Trotzdem wollen wir der Chronistenpflicht natürlich Genüge tun. Interessant war, wer in London nicht gewonnen hat: Taylor Swift, die mit ihrem neuen Album „Reputation“ gerade Charterfolge feiert und in sechs Kategorien nominiert worden war, konnte keinen der „begehrten“ Preise ergattern. Dafür gewannen in den Kategorien, in denen Swift nominiert war, Kendrick Lamar (Bestes Video), Shawn Mendes (Bester Künstler), Camila Cabello (Bester Pop-Act), Shawn Mendes (Biggest Fans), Zayn (Bester Look) und Fifth Harmony (bester Act USA, regionale Nominierungen).

Prinzip Gießkanne also, wie man schon an den vielen Kategorien merkt, 16 überregionalen und zahlreichen regionalen (bester finnischer: Act Alma, bester ungarischer: Magdi Rúzsa, bester deutscher: Wincent Weiss und so weiter). Wobei in den gewissermaßen wichtigsten Kategorien immer Kendrick Lamar, Coldplay, Eminem, Ed Sherman oder eben dieses Mal Shawn Mendes vielfach gewinnen. Nur: Was bedeutet es, dass sich beispielsweise Coldplay in der Kategorie „Bester Rock-Act“ gegen die Foo Fighters und U2 durchgesetzt haben? Für Coldplay, die Bands, die ihnen unterlegen sind? 

Pflege der Marke MTV

Nichts, klar. Der Erkenntniswert tendiert gegen null, und glamouröse Shows sind die routinierten Preisverleihungen auch nicht mehr. Eminem, als bester Hip-Hop-Künstler ausgezeichnet, brachte die vorherrschende Ratlosigkeit auf den Punkt: „Ich weiß nicht, wie ich gewinnen konnte, ich habe ja seit einigen Jahren kein Album veröffentlicht.“

MTV geht es natürlich um die Pflege der eigenen Marke. Zumal der lange Zeit im Internet und im Bezahlfernsehen verschwundene Sender Anfang des kommenden Jahres ins Free-TV zurückkehren möchte. Gut möglich, dass MTV sich dafür schon bald noch irgendeine neue Award-Show einfallen lässt. Man könnte auch sagen: Pop will eat itself.

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