Nicht zum ersten Mal in der Deutschen Oper zu sehen: Giacomo Meyerbeers „Le Prophète“ feierte am 26. November Premiere. Foto: Bettina Stöß / Deutsche Oper
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„Le Prophète“ an der Deutschen Oper Lob des Lesers

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Von wegen, Leser hätten kein Archiv. Frederik Hanssen lernt etwas über Meyerbeers „Le Prophète“ an der Deutschen Oper.

Der Leser hat kein Archiv, sagt man in Journalistenkreisen gemeinhin, wenn es darum geht, ob im Fall von Skandalen, gesellschaftlichen Debatten oder Gelehrtenstreitigkeiten, die sich über eine längere Zeit hinziehen, bei jedem Text zum Thema sicherheitshalber noch einmal die Vorgeschichte referiert werden sollte. Werch ein Illtum!, möchte man mit Ernst Jandl sagen. Denn, Hut ab, die treuen Abonnenten des Tagesspiegels erinnern sich an viele Details aus der Geschichte unserer Stadt sehr genau.

Zum Beispiel daran, dass es 1966 an der Deutschen Oper eine Inszenierung von Giacomo Meyerbeers „Le Prophète“ gab. Im Vorbericht zur Neuinszenierung des Werkes, die am Sonntag in der Bismarckstraße Premiere feierte, war nur von einer zerfledderten Partitur die Rede gewesen, aus der Eduard Künneke Ende der zwanziger Jahre am Charlottenburger Opernhaus dirigiert hatte. Gleich sechs Zuschriften wiesen nun auf eine weitere Produktion vor 51 Jahren hin.

Von Bohumil Herlischka stammte die 1966er-Inszenierung, auch das wussten die Leserinnen und Leser noch. Heinrich Hollreiser waltete im Graben, Alessandra Warfield war die Fidès, Annabelle Bernard die Berthe, dem Titelhelden lieh James McCracken seinen Tenor. Tagesspiegel-Kritiker Werner Oehlmann war übrigens damals der Meinung, diese Produktion sollte man lieber ganz schnell wieder vergessen: Eine „freche Persiflage“ habe der „halbgebildete“, „zynische“ Regisseur da abgeliefert, schrieb er, „Kitsch“, „selbstgefällige, hohle Provinz-Moderne“. „Übles, trübes, antiquiertes Gewimmel“ spiele sich auf der Bühne ab. Es gab Zeiten, da tauchten Musikkritiker ihre Feder in pure Säure.

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