Der Dirigent Marek Janowski ist seit 2002 künstlerischer Leiter des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Foto: Mike Fröhling
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Konzert zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit Du bist Jupiter

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Deutsche Musik im Herzen Europas: Marek Janowski mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Auf die erste musikalische Funkstunde anno 1923 geht das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin zurück, der älteste deutsche Klangkörper aus der Pionierzeit des Rundfunks. Ihm gebührt der Vorzug, den 25. Jahrestag der Deutschen Einheit mit einem Konzert am Vorabend einzuläuten. Nicht allein wegen der Tiefe seiner wechselvollen Existenz, sondern auch, weil es nach allem, was ihm mit dem Lauf deutscher Geschichte widerfahren ist, heute in einer künstlerischen Blüte steht. Das RSB unter Marek Janowski hat sich unaufhaltsam zu einem Gewinner der Wiedervereinigung entwickelt.

Die Nachbarländer Frankreich und Polen sollen deutsche Musik im Herzen Europas repräsentieren: So lautet der zentrale Gedanke des Programms. Wie im Nebel gleiten die Wolkenbilder der „Nocturnes“ von Claude Debussy vorüber, fließende Harmonien zwischen dem Dirigenten und dem Orchester. Im dritten Satz nimmt die Philharmonie selbst als Raum an der Feier teil, weil die Frauenstimmen des MDR-Rundfunkchors Leipzig aus der Höhe der obersten Empore tönen und ihr Sirenengesang sich über dem Wellenspiel aus der Distanz experimentell abspaltet, eine ferne Verlockung.

Wenn die Musik im Finale der vierten Sinfonie von Robert Schumann immer schneller wird und nach gespannten Generalpausen ins Presto gleitet, zeigt sich das Orchester jeder expressiven Steigerung fähig. Eine mitreißende Stretta deutscher Musik.

Das Geheimnis klärt sich in der Nacht

Im Gegensatz dazu verklingt der polnische Beitrag als Mittelstück des Konzerts gänzlich verhalten. Es ist „Das Lied von der Nacht“, mit dem Karol Szymanowski sich aus den Wirrungen des Ersten Weltkriegs zurückzieht in kompositorische Einsamkeit. Er besingt in dieser seiner dritten Sinfonie die Sternenbahn am Firmament mit einem Meisterwerk persischer Lyrik aus dem 13. Jahrhundert.

Das Gedicht von Maulana Dschalal ad-Din Rumi, das hier von Dmitry Korchak mit dem schönen Timbre seines Tenors vorgetragen wird, ist ein Liebeslied: „Schlaf nicht, Gefährte, diese Nacht.“ Berauschend klangsinnlich entfaltet sich der kontrapunktische Satz (darin nun auch der gemischte MDR-Chor) mit einer ekstatischen Klimax, und es scheint, als ob die Solovioline von Rainer Wolters ein Spiegel des schwärmerisch Geliebten sei: „Du bist Jupiter am Himmel.“

Jahrhunderte umspannend vermittelt die polnische Musik, dass dieser persische Mystiker ein wunderbarer Dichter ist: „Das Geheimnis wird sich klären diese Nacht!“

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