Armer Trump. Auch in Brasilien macht man sich über ihn lustig. Hier wird eine Puppe von ihm angefertigt, die beim Karneval von Olinda zum Einsatz kommen soll. Foto: AFPp

Kolumne von Caroline FetscherFree Trump!

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Donald Trump, ein Opfer seiner Zeit. Caroline Fetscher fordert Erbarmen mit dem US-Präsidenten, der jetzt zum ersten Mal das Wort "Nein" ertragen muss.

Alle reden von Trump und meinen doch nur sich selber. Was heißt das für mich? Wird er mir schaden? Wird sein Treiben unsere Geschäfte stören? So viel Egoismus war selten. Geht es denn niemandem um das Wohl der Hauptperson bei dem ganzen weltweiten Gerede? Schaut denn keiner auf den überforderten Donald selber?

Es ist an der Zeit, Donald Trump als das Opfer dieser Zeit zu erkennen. Alle liberalen Geister müssten dieses Ansinnen teilen: Befreit Trump! Befreit Trump vom Weißen Haus, in das er faktisch schuldlos hineingeraten ist, durch die Ignoranz der Wählenden, die Schlamperei der Zählenden, ein falsches Wahlsystem, eine schläfrige Öffentlichkeit und einen Agenten im eigenen Ego, über das er keine Kontrolle hat. Trotz alledem denkt keiner an den Leidtragenden, an die Trumptragödie hinter den Kulissen.

Pausenlos unter der Beobachtung misslauniger Leute

Niemals hätte dieses Menschenkind so jäh aus seinem Habitat herausgerissen werden dürfen. Hilflos wie ein ins Heim verstoßenes Kind findet Donald sich einer Welt gegenüber, deren Gesetze und Gepflogenheiten ihm so fremd sind wie die Möbel, die Regale, die Flure und Hallen, die ganze einschüchternde Einrichtung namens Staatsapparat.

Seit dem 20. Januar 2017 ist Donald Trump ein Gefangener des Weißen Hauses, dem Ort, an den das Schicksal ihn entführte. In einer Lage wie seiner kann das wirken wie eine Ewigkeit. Wie im Nebel verschwimmt das Zeitbewusstsein, Vergangenes vermischt sich aufs Unheimlichste mit einer überwältigenden Gegenwart. Durfte Donald zuvor mit Bauten spielen wie mit Bauklötzen, die Füße hoch und Frauen neben sich legen, hat sich über Nacht alles gewandelt. Weit, weit weg von seiner Welt muss er ausharren in einem Büro, abgeschnitten von der Realität, wie er sie kannte.

Überdies ist er auf einmal konfrontiert mit „Nein!“, einem Wort, auf das er in allen Castingshows ein Monopol besaß. Nein, heißt es nun. Nicht, Donald! Das nicht anfassen, dort nicht hinrennen, so nicht reden! Nein, nein! Entgeistert wandert er nachts im Bademantel durch das fremde Haus, in seinen Träumen tauchen Wälder aus roten Ampeln auf, Pfade voller Stoppschilder, auf denen Paragrafen leuchten. Er blinzelt in nervös blinkende Alarmanlagen und fürchtet sich vor unsichtbaren Abhörantennen. Pausenlos weiß er sich unter Beobachtung misslauniger Leute, die en passant hingeworfene Worte tausendfach drucken und deuten. Auf den Straßen verfolgen ihn Millionen mit ihren Parolen, auf den Bildschirmen mit Komödien und Kabarettnummern. Es gibt für ihn kein Entkommen. Wer würde da nicht in Wut geraten, ja, in Panik.

So etwas hat niemand verdient

Komplize dieser eklatanten Misshandlung ist die Öffentlichkeit. Sie darf nicht länger wegsehen! Denn so etwas hat niemand verdient. Jegliche Vorbereitung auf die traumatischen Schocks hat gefehlt, nirgends gab es einen Grundkurs „Regieren“. Kaum und mangelhaft hatte das fahrlässige Umfeld den verwirrten Neuling vorbereitet auf die Rolle, die er im weißen Riesenkäfig spielen soll.

Kein Wunder, dass er Brüssel mit Belgien verwechselt, Putin mit einem Kumpel von Amerika, den New-START-Vertrag mit einem Start-up und die Beraterin Kellyanne mit einer Werbeagentin für Produkte aus dem Familienbetrieb. Das empathische Einordnen des Geschehens erfordert nur eines: die Befreiung von Donald Trump. Free Trump Now! Das sollte auf den Plakaten und Transparenten zu lesen sein, auf den T-Shirts, Basecaps und rosa Wollmützen. Free Trump! Gebt ihm seine Welt zurück, habt Erbarmen!