King Krule Locker bleiben in der Hölle: King Krule Konzert

0 Kommentare

Konfirmanden-Schick und betörende Gitarren-Kapriolen: King Krule gibt mit seiner Band im ausverkauften Berliner Magnet ein starkes Konzert.

Diese vier Jungs haben die Ruhe weg. Schon im ersten Lied geht die Snare-Drum kaputt, etwas später reißt dem Gitarristen eine Saite. Doch die Musiker machen einfach weiter, bis der Roadie – mitten im Song – einen guten Zeitpunkt für den Materialwechsel findet. Es ist eine junge, aber sehr souveräne Band, die im ausverkauften Kreuzberger Magnet Club den britischen Shootingstar Archy Marshall alias King Krule begleitet. Der ist selbst erst 19 und ebenfalls schon irre abgezockt.

Sticht auf seinem kürzlich erschienenen und vielfach hymnisch besprochenen Debütalbum „6 Feet Beneath The Moon“ vor allem seine Großmaulstimme heraus, geht sie live meist im Sound unter. Nur gelegentlich sind King Krules Texte über herzbrechende Frauen, die tägliche Hölle oder das Leben unter dem Ozean zu verstehen. Da er kaum mal etwas wiederholt und seine Songs fast alle ohne Refrains auskommen müssen, wirkt sein monoton vorgetragener Gesang fast schon spoken word-haft. So ist der wahre Star an diesem Abend King Krules Gitarre. Ihr überlässt er seine schönsten Melodieeinfälle und die betörendsten Kapriolen. Sein flirrend-jazziges Spiel auf der weißen Telecaster kommt ohne große Effekte aus, etwas Verzerrung und Hall müssen reichen. Der äußerst sachdienliche zweite Gitarrist doppelt seine Linien, führt die ihm zugeworfenen Motive fort und fügt sich in die Begleitakkordarbeit. An Dialogen zeigt der Chef allerdings kein Interesse.

Die Band trägt Anzug und Schlips, King Krule einen Konfirmanden-Schick, bestehend aus übergroßem Sakko, Hochwasserhosen und weißen Wollsocken. Gemessen an der Süd-Londoner Rotzigkeit seiner Platte tritt der rothaarige Jüngling im Magnet überraschend zurückhaltend auf. Nicht mal eine Zigarette steckt er sich an. Der Abend ist von einer großen Ernsthaftigkeit geprägt, die aber nicht angestrengt wirkt. Dabei blendet die Band die elektronischen Aspekte des King-Krule-Sounds größtenteils aus und konzentriert sich darauf, die Laut-leise-Kontraste der Songs herauszuarbeiten. Ein besonders anrührender Moment gelingt ihr mit der Ballade „Baby Blue“. Den Hit „Easy Easy“ schleudern sie hingegen wie eine Aufwärmübung heraus. Mehr Spaß hat sie mit dem neuen Stück „La Luna“ in der Zugabe, bei dem sie beweist dass sie auch grooven kann. Ein starker Auftritt.

Zur Startseite