Auf dem Weg zum Glück. Ein Talisman wie der Schornsteiner kommt nur durch Zufälle ans Ziel und kann nur so seinen geheimen Auftrag erfüllen. Illustration: Nikolaus Heidelbach
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Kinderbuch Schornsteiner oder der Weg zum Glück

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Das Glück kann man nicht erzwingen. Der Zufall kann aber helfen, weiß Nikolaus Heidelbach in seinem prächtigen Buch "Schornsteiner"

Schornsteiner hat einen Auftrag. Aber so ganz genau weiß er es nicht, als er in Flandern aus allen Wolken auf den Strand herabstürzt und dort erst einmal unentdeckt liegenbleibt. Schornsteiner ist ein Talisman, ein Glücksbringer. Er sieht aus wie eine Schornsteinkugel mit Borstenkranz, die der Schornsteinfeger durch den Kamin fallen lässt. Schornsteiner kann sprechen und denken und ist ansonsten sehr geschickt, eben ein Glücksbringer. Nikolaus Heidelbach hat sich dieses phantastische Märchen „Schornsteiner“ ausgedacht und illustriert – im unverwechselbaren Heidelbach-Stil.

Dem Künstler gelingt es mit leichter Hand, das Verrückte und Abseitige als das Normalste der Welt darzustellen. „Im Gegensatz zu Tieren, die nichts weitererzählen können, darf kein Mensch merken, dass ein Talisman lebendig ist. Deshalb sagt er nichts, obwohl er natürlich sprechen kann. Was ein Glücksbringer macht, soll man nicht sehen, man soll es glauben“, schreibt Heidelbach.

Nach fünf Tagen beginnt ein Reigen der Begegnungen, ein Hindernislauf zum Glück. Schornsteiner wechselt auf abenteuerliche Weise immer wieder die Besitzer. Und Heidelbach gelingt es, den Leser und Betrachter schon bei der kleinsten Gelegenheit zum Schmunzeln zu bringen, etwa wenn er eine Tante so beschreibt, „als hätte sie einen ganzen Lippenstift gegessen.“ Bei der zweiten Etappe hat Schornsteiner am Pralinenladen Leonidas das Gefühl, ein ganzes Stück weitergekommen zu sein, aber er kann jetzt noch nicht, ebenso wie der Leser, verstehen, warum.

Alles andere als herzallerliebst

Der nicht auf den Mund gefallene Talisman ist oft das Objekt des Streites zwischen Kindern – Eltern sind genervt, und so greifen die Erwachsenen ein, indem etwa ein Vater den Glücksbringer einem Mädchen in das Modellflugzeug stopft – als Pilot – bevor es losfliegt. Schornsteiners Fortkommen zu dem noch unbekannten geheimen Ziel vollzieht sich immer durch Zufälle, nie durch Planung. So ist das mit dem Glück, man kann es nicht zwingen, man hat es eben oder nicht. Alles ist offen. Es besteht aber immer noch immer noch Hoffnung.

Heidelbach hat ein Talent für skurrilen Humor und erweist sich nicht nur als brillanter Zeichner und Illustrator, sondern auch als begnadeter Erzähler mit trockenem Humor und feiner Ironie. Die Illustrationen zu diesem Buch sind kleine Kunstwerke für sich, lustige, kuriose und sogar böse Bilder. Kinder zeigt Heidelbach alles andere als herzallerliebst. Dass er die kleinen Wesen trefflich charakterisieren kann, führt er auf seine genaue Beobachtungsgabe zurück. „Haben Sie sich schon mal auf einem Spielplatz die Kinder ganz genau angeschaut?“, hat er einmal auf eine diesbezügliche Frage süffisant geantwortet. Und so ist auch dieses Buch wieder ein echter Heidelbach, durch und durch, mit einem genialen Ende, das nicht verraten werden soll.

Nikolaus Heidelbach: Schornsteiner. Beltz & Gelberg, Weinheim Basel 2017. 44 Seiten, 14,95 €. Ab fünf Jahren
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