Käthe Augenstein fotografierte Max Liebermann, um 1930 Foto: Stadtarchiv Bonn / Villa Liebermann
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Käthe Augenstein in der Liebermann-Villa Emanzipation der Fotografie

Anne-Sophie Schmidt
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Weimarer Republik bis Nachkriegszeit: Die Villa Liebermann in Wannsee zeigt Fotografien von Käthe Augenstein.

Fünf Aufnahmen des 80-jährigen Malers bilden den Ausgangspunkt für die Ausstellung in der Liebermann-Villa Wannsee. Käthe Augensteins Porträts spiegeln ein neues Selbstverständnis der Fotografie, geprägt durch die renommierte Agentur Dephot. Die Fotografen sollten den Platz von Journalisten einnehmen, die Kamera den Stift ersetzen. Dephot stand für eine innovative Bildsprache, die Agentur etablierte die neuen Formate des Fotoessays und der Fotoreportage. Sie trug damit zur Emanzipation der Fotografie bei.

Augenstein porträtierte Frauen, die ernst oder herausfordernd blicken. Im „Damenporträt mit Zigarette“ sieht eine Frau gedankenverloren an der Kamera vorbei, mit Anzug, Hemd und Krawatte wirkt sie burschikos, in der Hand eine Zigarette. Augenstein genoss die von bürgerlichen Zwängen gelöste Atmosphäre der goldenen 20er in Berlin. Sie verkörperte den neuen sportlichen, emanzipierten Frauentypus ihrer Porträtierten auch selbst. Viele Künstlerinnen bildete sie in Arbeitspose ab, etwa die Malerin Jack von Reppert Bismarck lässig vor einem Gemälde oder die Bildhauerin Renée Sintenis in ihrer androgynen Anmut im Arbeitskittel. Viele Porträts sind leicht unscharf, Augenstein kam es auf ein psychologisches Moment an.

Die Bildhauerin Renée Sintenis, fotografiert von Käthe Augenstein Foto: Stadtarchiv Boon / Villa Liebermann
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Max Liebermann, um 1930 Präsident der Preußischen Akademie der Künste, lichtet sie mal als Staatsmann im Sessel thronend ab, dann nur die Hände des Künstlers, wie er mit einem Bleistift eine Skizze anfertigt.

Zufallsfund im Bonner Stadtarchiv

1945 brannte Augensteins Wohnung komplett nieder, was sie veranlasste, in ihre Heimatstadt Bonn zurückzukehren. Während die Berliner Arbeiten die Leichtigkeit und Progressivität der Kunstszene der 20er und frühen 30er einfangen, sind die Bonner Bilder ein zeitgeschichtliches Zeugnis des Wiederaufbaus und der Nachkriegszeit. Hier porträtierte sie politische Größen wie Carlo Schmid und den Nobelpreisträger Max Planck.

Eigentlich war das Team der Liebermann-Villa nur auf der Suche nach Fotografien des Malers. Im Bonner Stadtarchiv stieß es auf Augenstein. Mit der Kuratorin Sabine Krell entstand aus dem Fund eine Ausstellung, die den Bogen von der Weimarer Republik in die Nachkriegszeit spannt.

Liebermann-Villa, Colomierstr. 3, bis 12.02.18, Mi bis Mo 11-17 Uhr

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