Sylvia Hoeks als Mutter und Geschäftsfrau in "Whatever happens". Foto: Universum
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Im Kino: „Whatever Happens“ mit Sylvia Hoeks Schöner trennen im Altbau

Stefanie Borowsky
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Kühle Karrierefrau trifft auf planlosen Pantoffelheld: In der romantischen Komödie „Whatever Happens“ spielt Regisseur Niels Laupert mit dem Feelgood-Lifestyle junger Großstädter.

Die Silvesternacht ist die perfekte Gelegenheit, um zwischen Fondue und Feuerwerk mit Altem abzuschließen. Hannah (Sylvia Hoeks) und Julian (Fahri Yardim) treffen sich am Silvesterabend ein letztes Mal in ihrer gemeinsamen Wohnung, bei deren Besichtigung sie sich sieben Jahren zuvor kennengelernt haben. Jetzt ist die Trennung beschlossen, die Umzugskisten sind gepackt, Hannah will mit der gemeinsamen Tochter nach New York ziehen. Ein letztes Mal wollen die beiden zusammen ausgehen und den Polterabend ihrer besten Freunde feiern.

Doch dann kommt in „Whatever Happens“ alles anders. Weil die Maler nicht erscheinen, kann die Wohnung nicht übergeben werden. Der Vermieter besteht darauf, dass Hannah und Julian vor ihrem Auszug die Wände streichen. Also sind die beiden – so will es das Drehbuch – gezwungen, die Silvesternacht in ihrer alten Wohnung zu verbringen. Beim Übermalen der Erinnerungen lässt der Film ihre Beziehung Revue passieren.

Durch Sprünge zwischen den Zeitebenen versucht Regisseur Niels Laupert, die Gründe für die Trennung greifbar zu machen, indem er Wendepunkte in der Beziehung aufgreift. Doch der dramaturgische Kniff des parallelen Erzählens nutzt sich recht schnell ab. Zu lang sind die Rückblicke, um wirklich Dynamik in die Beziehungsgeschichte zu bringen.

Als Handlungsort des Films bekommt die Wohnung Symbolcharakter, sie spiegelt die Stadien der Beziehung, verändert sich im Lauf der Jahre mit den Hauptfiguren: Von der Altbauwohnung im Szenekiez wird sie zur Party-WG, dann zur ruhigeren Paarwohnung und schließlich wieder zum leeren Raum, der Spuren des gemeinsamen Lebens trägt. Dieser Feelgood-Lifestyle junger, gut ausgebildeter und stilbewusster Großstädter war in den letzten Jahren häufiger im deutschen Film zu sehen.

In „Whatever Happens“ wird er in einen banalen Kontrast zur antiseptischen Kanzlei gesetzt, in der Hannah arbeitet. Tochter Pauline möchte am liebsten gar keine Zeit mit ihrer Mutter verbringen, wenn die überhaupt mal zu Hause ist. Karriere-Mutter und Papa-Tochter haben sich emotional voneinander entfernt. Die kühle Karrierefrau wird als egoistische Beziehungskillerin geschildert, während ihr sympathisch-planloser Mann sieben Jahre lang klaglos auf alle beruflichen Chancen verzichtet. Diese Konstellation bricht zwar mit vertrauten Rollenbildern, aber durch die Probleme, die Hannahs Job in der Beziehung verursacht, bleibt die Geschichte letztendlich doch klischeehaft. Zudem macht der Film auch nicht deutlich, warum sich Hannah und Julian jahrelang in diesem Lebensentwurf eingerichtet haben.

Zwischen Wohlfühl-Mainstream und Indiefilm

Wenn Julian und Hannah zu Beginn ihrer Beziehung auf einem malerischen Steg mitten in der Natur miteinander lachen, führen die Bilder von Kameramann Markus Nestroy die Wohlfühlästhetik fort. Der leichtfüßige Feelgood-Soundtrack von Singer/Songwriter Robert Laupert und dem Folktrio St. Beaufort fügt sich passend in die Ästhetik ein, die – verbunden mit der Story einer jungen, hippen Großstadtfamilie – an die Til-Schweiger-Welt erinnert.

Laupert will eine romantische Komödie erzählen, die sich vom Mainstream abhebt und die wahren Probleme junger Großstädter um die 30 offenlegt. Die Niederländerin Sylvia Hoeks, die gerade in „Blade Runner 2049“ an der Seite von Ryan Gosling und Harrison Ford auch international durchstartet, und Fahri Yardim (bekannt aus „Almanya – Willkommen in Deutschland“ und als „Tatort“-Assistent von Til Schweiger) harmonieren miteinander und überzeugen als ungleiches Paar, das sich im Alltag zwischen Fernbeziehung, Job und Kind aus den Augen verliert. Doch „Whatever Happens“ kann sich letztlich nicht zwischen Zweiohrküken-Niedlichkeit und Neuberliner Indiefilm entscheiden.

In 2 Berliner Kinos

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