Mike (Peter Trabner), Claudia (Annette Frier) und Thomas (Kai Wiesinger) gratulieren Tochter Hannah zum 16. Geburtstag. Foto: Neue Schönhauser Filmproduktionp

Im Kino: "Lucky Loser" Camping ist Kacke

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Lakonisch in Brandenburg: Nico Sommers Familienkomödie „Lucky Loser“ mit Annette Frier und Peter Trabner ist charmant, aber absehbar.

Schön gekalauert, dieser Untertitel. „Ein Sommer in der Bredouille“, haha, der erste Lacher sitzt schon mal. Und dass Peter Trabner, der ungekrönte Darstellerkönig des deutschen Mumblecore-Kinos, den außer Regisseur Nico Sommer auch Axel Ranisch und Aron Lehmann gern besetzen, hier an der Seite einer Fernsehberühmtheit wie Annette Frier reüssiert, wird aber auch Zeit. Außerdem spricht die Komödie mit der gleich mehrfach ertönenden Dialogzeile „Camping ist Kacke“ einen notorisch tabuisierten Bereich der Freizeitgesellschaft an.

Und doch sind Nico Sommers Filme packender ausgefallen, als sie noch billig waren und kein Drehbuch hatten. Von Letzterem zeugt beispielsweise seine auf der Berlinale 2014 uraufgeführte schräg- schöne Tragikomödie „Silvi“. Das erste je von ihm verfilmte Buch hat er immerhin selber geschrieben. „Lucky Loser“ ist trotz manchem charmanten Moment vor allem eins: verdammt absehbar.

Der Humor ist furztrocken, die Story absehbar

Trotzdem erfreut die Geschichte von Mike, der geschieden ist, aus dem Leim geht, in einer Autowäscherei jobbt, seine Wohnung verliert und sich aber unverdrossen weiter Hoffnungen auf die glückliche Wiedervereinigung mit seiner Ex-Frau Claudia (Annette Frier) macht. Weil der Humor furztrocken ist und die Episode, in der Mike mit Otto (Elvis Clausen), dem schwarzen Freund seiner Teenie-Tochter Hannah (Emma Bading) zusammentrifft, so bescheuert wie herzlich gerät. Vom bodenständigen Brandenburger Campingplatz-Idyll mit der von Ursula Werner gespielten Chefin und einem philosophierenden Platznachbarn, den vermeintlichen Womanizer gibt, aber eigentlich mit seinen wechselnden Damenbekanntschaften nur Brettspiele spielt, mal ganz zu schweigen.

Dass die Komikerin Annette Frier lakonisches Understatement aus dem Effeff beherrscht, schmückt Nico Sommers Film. Dafür scheitert sie schauspielerisch daran, plausibel darzustellen, warum sich die erfolgreiche Ärztin Claudia beim ihr verhassten Camping doch wieder für ihren seit Langem durch den ansehnlichen Thomas (Kai Wiesinger) ersetzten Loser-Ex erwärmt. Da schießt das männliche Wunschdenken des Nico Sommer dann unverhohlen romantisch ins Kraut. Wenn einer nur ein feiner Kerl und toller Vater ist, dem ist auch das Glück in der Liebe hold.

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