Steve Carell (Bobby Riggs) und Emma Stone (Billie Jean King) liefern sich 1973 in Houston den legendären "Battle of the Sexes". Foto: dpa/Fox
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Im Kino: "Battle of the Sexes" Aufschlag der Frauen

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Amerika und der Sexismus: „Battle of the Sexes“ erinnert an das legendäre Tennismatch zwischen Billie Jean King und Bobby Riggs - ein Meilenstein der Frauenbewegung.

Der gönnerhafte Blick des Topfunktionärs auf diese Mädels, die nicht mehr mitspielen wollen: Schimpft nur, besagt dieser Blick, bestimmt kommt ihr bald wieder angekrochen. Oder die joviale Art, mit der der Sportmoderator sich zu seiner Ko-Moderatorin herablässt und sie beim Gespräch vor der Kamera mit festem Griff am Nacken packt. Die kleine, zwischen Fürsorge und Übergriffigkeit changierende Geste sagt alles über das Machtgefälle zwischen Männern und Frauen.

Wir schreiben das Jahr 1973. Vietnam, Flowerpower, Watergate, die Gleichberechtigung ist frisch in der Verfassung verankert. Was soll’s. Bei den US Open verdienen die männlichen Tennisspieler 12 000 Dollar, die Frauen mit 1500 Dollar gerade mal ein Achtel davon. Weil sie weniger Zuschauer anlockten, erklärt besagter Topfunktionär Jack Kramer (Bill Pullman). Falsch, kontert Billie Jean King, die amtierende Weltranglistenbeste. Weil sie weniger Kraft haben, eine Frage der Biologie, beharrt Jack Kramer mit der Selbstgewissheit eines Alphamannes, der an der Überlegenheit seines Geschlechts nie auch nur den geringsten Zweifel hegen würde.

Worauf Billie mit einigen Kolleginnen aus der Association of Tennis austritt, ihre eigene Vereinigung gründet und eigene Turniere veranstaltet, mit Riesenerfolg. Das wiederum bringt den wettsüchtigen Ex-Wimbledonsieger Bobby Riggs auf die Idee, gegen Billie anzutreten, aus Lust am Spektakel – und in der Hoffnung auf hohe Wettgewinne. King verweigert sich dem Schaukampf zunächst und lässt sich erst nach dem „Muttertagsmassaker“ darauf ein, als Bobby mit Margaret Court die neue Nummer eins vernichtend schlägt. Das Match King/Riggs am 20. September findet vor 30 000 Stadionbesuchern in Houston statt – und vor 90 Millionen TV-Zuschauern, den meisten seit der Mondlandung. Billie Jean King, 29, gewann in drei Sätzen mit 6:4, 6:3 und 6:3, Bobby Riggs, 55, gestand, er habe sie unterschätzt. Spätere Gerüchte, er habe absichtlich verloren, dementierte er.

„Battle of the Sexes“, eine wahre Geschichte. Tennisgeschichte, Politisierung des Sports, US-Historie, Meilenstein der Emanzipatio. Die beiden wurden übrigens Freunde fürs Leben. Drehbuchautor Simon Beaufoy hat sich für den dritten Film des Regiepaars Valerie Faris und Jonathan Dayton („Little Miss Sunshine“) von der realen Billie Jean King in vielen Detailfragen beraten lassen. Heute lebt die Aktivistin und Tennismeisterin, die am Mittwoch ihren 74. Geburtstag feierte, mit ihrer Partnerin in New York und Chicago.

In Zeiten von #MeToo und Quotendebatten lohnt sich der Rückblick auf die jüngere Vergangenheit, auf den Kampf der Frauen um Ebenbürtigkeit, der anders als das Match von 1973 noch lange nicht gewonnen ist. Bei aller komödiantischen Zuspitzung des Duells Macho gegen Emanze macht das Feel-Good-Movie schnell klar, warum das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern so schwer aus der Welt zu schaffen ist. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, Männer wie Frauen. Die Gewissheit der männlichen Überlegenheit war trotz Women’s Lib quasi in Beton gemeißelt. Auch hierzulande ist es ja keine Ewigkeit her, dass Frauen ihren Mann um Erlaubnis bitten mussten, wenn sie arbeiten gehen wollten. Oder dass Gewalt in der Ehe straffrei war. Und das Einkommensgefälle existiert bekanntlich bis heute, nicht nur im Sport.

"Frauen beim Tennis? Klar, wer soll sonst die Bälle einsammeln!"

Emma Stone ist Billie Jean King. Feinrandige Brille, rundes Gesicht, glattes Haar, man erkennt den Star aus „La La Land“ kaum wieder. Sie spielt mit einer Mischung aus Entschlossenheit und Verletzlichkeit, die der Mainstream-Dramaturgie eine feine Aura von Authentizität verleiht. Diese Frau kämpft auf dem Platz wie im permanenten verbalen Schlagabtausch gegen das chauvinistische Establishment und um die eigene sexuelle Identität, um Selbstbefreiung: Trotz ihres liebevollen, sie unterstützenden Ehemanns liebt Billie eine andere Frau, Marilyn (Andrea Riseborough).

Sieg in drei Sätzen: Hollywoodstar Emma Stone verkörpert die Tennis-Ikone und Aktivistin Billie Jean King. Foto: Twentieth Century Fox
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Steve Carell versieht seinen Bobby Riggs ebenfalls mit schillernden Zügen. Hinter der Showbiz-Fassade kommt eine vereinsamte Spielernatur zum Vorschein, ein gewitzter Lebemann, der sich zum Affen macht und Machosprüche raushaut („Frauen auf dem Tennisplatz? Klar, wer soll sonst die Bälle einsammeln“) – womöglich nur, um den Machismo kenntlich zu machen. Auch der schwule Modedesigner Ted (Alan Cumming), der für Billie und Co. gewagte Tennisoutfits schneidert, verkörpert eine traurige Wahrheit: Homosexuelle wurden nur als Exoten geduldet. Auch das ist nicht passé.

Topverdienerin Emma Stone hat eine weit niedrigere Gage als männliche Stars

Laut „Forbes“-Magazin ist Emma Stone die derzeit bestbezahlte HollywoodSchauspielerin. Aber mit einer Jahresgage von rund 26 Millionen Dollar verdient sie nicht einmal halb so viel wie Mark Wahlberg, dem aktuellen männlichen Topverdiener mit 68 Millionen. Wie sagt Ted nach dem Match zu Billie: „Die Zeiten ändern sich und du hast sie gerade verändert.“ So ganz hat sich das bis heute nicht bewahrheitet.

Ab Donnerstag in 10 Berliner Kinos. OmU: Central Hackescher Markt, Kino in der Kulturbrauerei, Rollberg, OV: Cinestar Sony-Center

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