Empowerment. Anne Haug und Melanie Schmidt von Projekt Schooriil stellen sich in ihrer Komödie der feministischsten aller Fragen: "To MILF or not to MILF"? Foto: Kai Wido Meyerp

Feministisches Festival „The Future is Female“ Du sollst dir kein Weibsbild machen

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Lust, Spaß und Selbstermächtigung: Das Festival „The Future is Female“ in den Sophiensälen praktiziert einen neuen Feminismus.

Das schönste Publikum haben derzeit wohl die Sophiensäle. Bis zum 23. September läuft hier das Festival „The Future is Female“. Im Foyer können Frauen und Männer sich beim Grand Beauty Salon von einem multiethnischen Schönheitsexpertenteam frisieren, stylen und fotografieren lassen. Das Motto lautet: „Wahre Schönheit kommt von Ihnen!“

Die Glamour-Offensive macht deutlich, dass hier ein neuer Feminismus praktiziert wird: Es geht um Selbstbestimmung, Solidarität und Empowerment, also Selbstermächtigung. Aber auch um Lust und Spaß. Das Performerinnenkollektiv „Henrike Iglesias“ hat eine feministische Academy gegründet. Täglich vor den Shows gibt es zwei bis drei 45-minütige Unterrichtseinheiten, angeleitet von bekannten Künstlerinnen und Aktivistinnen wie Annett Gröschner, Laura Meritt, Vanessa Stern und Cora Frorst. Auf dem Programm stehen Herstory, Performing Femininity, Sextalks und „Beziehungen leben, wie wir sie wünschen“.

Die Berliner Performerin Simone Dede Ayivi träumt in ihrer afrofeministischen Performance „Queens“ nicht etwa davon, Prinzessin zu sein, sondern ernennt sich gleich selbst zur Königin. In einem prächtigen Mantel, der für „jedes politische Klima“ geeignet ist, sitzt sie auf einem Pfauenthron-Sessel und hält Audienz. „Lasst uns erzählen, wo wir herkommen“, fordert sie ihre Schwestern im Publikum auf. In den Bilderrahmen auf der Bühne erscheinen nun lauter schwarze Queens. Eine trägt eine Krone wie die britische Königin, eine einen Pharaoninnen-Kopfschmuck, eine andere Turban und Stammestracht.

Die New Yorkerin Adrienne Truscott bietet eine schrille One-Lady-Show

Simone Dede Ayivi berichtet von den westafrikanischen Yoruba, die nicht nach Geschlecht unterscheiden. Und erörtert ein ebenfalls afrikanisch inspiriertes Familienkonzept, das nicht auf Abhängigkeit, sondern auf Verantwortung basiert. Was geradezu utopisch klingt. Simone Dede Ayivi nimmt mit ihrem Charme und ihrem Wissen ein, tendiert aber als studierte Kulturwissenschaftlerin auch ein wenig zum Dozieren. Und die Queens reden hier plötzlich wie diskurswütige Berliner Afrofeministinnen.

Die New Yorkerin Adrienne Truscott hat sich mit „Stand-up-Comedy unten ohne“ einen Namen gemacht. In ihrer One-Lady-Show „Asking for it“ zitiert sie Vergewaltigungswitze bekannter US-Komiker. Truscott trägt dabei nichts außer einer platinblonden Perücke, High Heels und einem geknoteten Jeanshemd. Besonders irritiert zeigt sich das Publikum davon nicht. Den Männern erteilt Truscott in Rollenspielen eine lahme Lektion: Nein bedeutet nein!

Natürlich bekommen Bill Cosby und Donald Trump ihr Fett ab, doch wer die amerikanische Comedy-Szene und die Diskussion über rape culture nicht kennt, hat Schwierigkeiten, alle Anspielungen zu verstehen. Die Mischung aus Provokation und Publikumsbespaßung, die „Asking for it“ bietet, ist sehr schrill – und sehr amerikanisch.

Das Festival läuft noch bis zum 23.9., weitere Infos: www.sophiensaele.com

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