Amazone. Katniss Foto: dapd
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Einer wird gewinnen

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TV totalitär: „Die Tribute von Panem“.

Die Zukunft sieht aus wie ein Rückfall ins 19. Jahrhundert: In den Randregionen des faschistoiden Überwachungsstaats Panem, der nach Ökokatastrophen und Bürgerkriegen an die Stelle der USA getreten ist, fristen die Bewohner ein erbärmliches Dasein. Der Kontrast zur hypermodernen Hauptstadt könnte nicht größer sein. Dort finden jedes Jahr als landesweit übertragenes Medienspektakel die „Hunger Games“ statt, die von der dekadenten Einwohnerschaft mit sensationsgeiler Anteilnahme verfolgt werden.

Die Spiele sind ein futuristischer Gladiatorenkampf, zu denen die zwölf tributpflichtigen Distrikte von Panem jeweils einen Jungen und ein Mädchen unter 18 abstellen müssen. In einer hermetisch abgeriegelten, von unzähligen Kameras kontrollierten Naturarena müssen sich die 24 Kandidaten bekämpfen, bis ein Überlebender übrig bleibt. Mit der 16-jährigen Katniss (Jennifer Lawrence), die mit Pfeil und Bogen in den Wäldern ihrer Heimat auf Eichhörnchenjagd ging, gilt erstmals eine Bewerberin aus einem der Außenbezirke als Mitfavoritin.

Die Verfilmung des ersten Teils der millionenfach verkauften Romantrilogie der Amerikanerin Suzanne Collins liefert Kulturpessimisten Argumente, werden hier doch lediglich die Auswüchse der zeitgenössischen Fernsehkultur, Stichwort „Dschungelcamp“, zu Ende gedacht: Warum sollte man nicht irgendwann die letzten Tabus brechen, wenn die Einschaltquoten stimmen? Das Thema des inszenierten Tötens hat in Kino und Fernsehen eine Ahnenreihe, die von der Stephen- King-Adaption „Running Man“ (1987) und Wolfgang Menges legendärem TV- Schocker „Das Millionenspiel“ (1970) bis zu Ernest B. Schoedsacks Menschenjagd- Klassiker „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ aus dem Jahr 1932 zurückreicht.

Doch „Die Tribute von Panem“ funktioniert nicht nur als allegorische Dystopie, sondern auch als klassisches Coming-of- Age-Drama, in dessen Verlauf die jugendlichen Protagonisten konträre Impulse wie Solidarität und Eigennutz, Grausamkeit und Mitleid gegeneinander abwägen müssen.

Regisseur Gary Ross kann sich dabei auf eine exzellente Darstellerriege verlassen: Jennifer Lawrence („Winter’s Bone“) beweist, dass sie eine der bemerkenswertesten Schauspielerinnen ihrer Generation ist, Josh Hutcherson („The Kids Are All Right“) hat das Zeug zum Teenieschwarm ohne Machoallüren. Donald Sutherland verleiht dem autokratischen Panem-Herrscher schläfrige Grausamkeit, Woody Harrelson, Stanley Tucci und Lenny Kravitz überzeugen in Nebenrollen. „Die Tribute von Panem“ ist ein furios gefilmter, äußerst spannender, bei aller Grausamkeit in der Gewaltdarstellung (FSK-Freigabe ab 12) angenehm unexpliziter Science-Fiction-Reißer, der Lust auf die folgenden Teile macht.

In 20 Berliner Kinos, Originalversion

im Cinestar SonyCenter

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