Finale der 14. Movimentos Festwochen der Autostadt in Wolfsburg: Szene aus der Choreografie "LEGO" der italienischen Tanzkompanie Aterballetto. Foto:obs/Autostadt GmbH/Matthias Leitzkep

Die Zukunft des Tanzfestivals "Movimentos" Wie Wolfsburg tanzt

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Die VW-Autostadt hat viele Probleme, aber zu ihrem Tanzfestival hielt sie bislang. Nach dem Finale des 14. Ausgabe ist unklar, wie es weitergeht

Choreografen wie Akram Khan und Russell Maliphant gehören zur Weltspitze. Beim „Movimentos“-Festival in Wolfsburg sind sie regelmäßig zu Gast, in Berlin hat man sie lange nicht mehr gesehen, wenn überhaupt. Der Tanz in der Hauptstadt – die sich ja gern als Tanzmetropole bezeichnet – leidet an den eigenen Strukturen. Gut läuft es in der freien Szene, die internationale Künstler anzieht, schlecht beim Staatsballett. Dort hat der Senat den Neuanfang verpasst, als Vladimir Malhakov fortgeschickt und Nacho Duato engagiert wurde. Was internationale Tanzcompagnien in Wolfsburg zeigen, hat in Berlin keinen Platz – kaum auch einmal beim „Tanz im August“. Das Festival hat nicht das Geld für die großen Produktionen.

Und es fehlt auch der Wille. Kuratoren überall müssen sich immerzu beweisen, stricken an Konzeptionen, mit denen sie ihr Entdeckertalent erproben. Ein Akram Khan fällt da durch – zu bekannt, zu erfolgreich. In der VW-Austostadt mag man derzeit alle möglichen Probleme haben, vor Popularität und tänzerischer Klasse fürchtet man sich nicht. Soeben ist die 14. Ausgabe der „Movimentos“ zu Ende gegangen. Die Auslastung lag bei 97 Prozent, 24 000 Besucher wurden im Kraftwerk, in der Autostadt, in Kirchen und auf den Bühnen Wolfsburgs und Braunschweigs gezählt, bei den Lesungen, Aufführungen und Konzerten.

Es war ein Jahrgang mit Irritationen und Einsparungen, die Diesel-Krise fordert ihren wenn auch nur symbolischen Tribut, während die VW-Vorstände auf ihre Boni nicht verzichten wollen. Mitten im Festival – sehr ungewöhnlich – gab Maria Schneider, Kreativdirektorin der Autostadt, ihren Rückzug bekannt; die Gründe sind nicht wirklich klar geworden. Die Frage, ob und wie es mit „Movimentos“ weitergeht, beschäftigt Tanzbegeisterte in ganz Deutschland. Denn was sich da in Wolfsburg qualitativ entwickelt hat, ist hierzulande konkurrenzlos. Das Kraftwerk bietet eine einmalige Location: keine aufgelassene Industriekathedrale, sondern nach wie vor in Betrieb. Es scheint auf die Künstler auszustrahlen, dass am Mittelandkanal dort Energie produziert wird.

Etwas kryptisch äußert sich Otto Wachs, der Geschäftsführer der Autostadt, zur Zukunft des Festivals. Er spricht von den „jetzt beginnenden Planungen für das kommende Jahr“. Wie das Programm beschaffen sein soll, ob der Schwerpunkt beim Tanz bleibt, wie der finanzielle Rahmen aussieht, wird nicht verraten. Oder sie wissen es im VW-Reich noch nicht. Da die Planungen sich nicht von selbst erledigen, darf man davon ausgehen, dass Bernd Kauffmann weiterhin die künstlerische Leitung der „Movimentos“-Festwochen innehat. Kauffmann war bisher gemeinsam mit Maria Schneider für das Programm verantwortlich, das dieses Jahr unter dem Motto „Liebe“ stand. Liebe zum Auto, Liebe zum Geld, Liebe zum Tanz, Liebe zum Leben – da fliegen die Gedanken hoch und frei.

„Conceal/Reveal“, so hießen drei Choreografien von Russell Maliphant beim gerade zu Ende gegangene Festival. Derart technisch versierte Tänzer mit poetischer Ausdruckskrankt erlebt man selten. Der Titel bedeutet „verbergen“ und „enthüllen“. Das lässt hoffen für die „Movimentos“ 2017 und das Kulturprogramm der Autostadt, das sich im Augenblick lieber versteckt, als seine besonderen Qualitäten auszuspielen.

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