Die österreichische Schriftstellerin und Theaterautorin Elfriede Jelinek, hier auf einem Foto von 2004. Foto: dpa/dpawebp

"Der Tod und das Mädchen" von Elfriede Jelinek Polens Regierung und Kirche gegen Jelinek-Stück

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Im Breslauer Theater läuft ein Jelinek-Stück, der Staat und die Kirche laufen Sturm dagegen. Der Theaterchef wirft dem Kulturminister einen "präzedenzlosen Zensurversuch" vor.

Wenige Tage nach ihrem Amtsantritt hat Polens konservative Regierung die Aufführung von Elfriede Jelineks „Der Tod und das Mädchen“ im staatlichen Polnischen Theater in Breslau zu unterbinden versucht. Grund waren angebliche sexuelle Handlungen auf der Bühne. Aus Sicht von Vizeregierungschef und Kulturminister Piotr Glinski verstößt die Inszenierung des Stücks der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin gegen „Prinzipien des gesellschaftlichen Zusammenlebens“. Die Premiere am Samstagabend fand dennoch statt. Vor der Aufführung versuchten rund 20 Demonstranten nach Polizeiangaben, den Zutritt zum Theater zu blockieren. Einige von ihnen wurden vorübergehend festgenommen.

Im Mittelpunkt der Kritik steht eine Szene mit einem kopulierenden Paar; Medienberichten zufolge wurden für das Stück tschechische Schauspieler engagiert. Der Sprecher des Erzbistums Breslau protestierte gegen den Auftritt von „ausländischen Pornodarstellern“. Die Freiheit der Kunst sei nicht grenzenlos, die Würde des Menschen müsse respektiert werden, heißt es in einer Erklärung. Der Chef des Breslauer Theaters, Krzysztof Mieszkowski, der zugleich Abgeordneter des polnischen Parlaments ist, forderte den Rücktritt des Kulturministers. Er warf Glinski einen präzedenzlosen Zensurversuch vor. Der staatliche Fernsehsender TVP suspendierte unterdessen eine Nachrichtenmoderatorin, die dem Minister am Sonntag in einem Interview kritische Fragen gestellt hatte. Beobachter fürchten nach dem Sieg der konservativen PiS einen Rechtsruck mit drastischen Folgen auch für die Kultur des Landes. KNA/Tsp

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