Weltweit gefragt: Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin im Januar 2017 in der Carnegie Hall in New York. Foto: Benjamin Petit/dpa
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Daniel Barenboim zum 75. Vom Wunderkind zum Bühnenstar

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Der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim hat musikalisch wie kulturpolitisch eine glückliche Hand. Heute wird er 75 Jahre alt. Eine Würdigung.

Mit dem Friedensnobelpreis hat es dann leider doch nicht geklappt diesmal, aber sonst ist in seinem 75. Lebensjahr, das er heute vollendet, für Daniel Barenboim alles bestens gelaufen. Nicht nur wegen der enormen Erfolge als Pianist wie Dirigent im In- und Ausland – die ist er seit Jahrzehnten gewohnt –, sondern weil er sich zwei Herzenswünsche erfüllen konnte.

Seine Staatsoper durfte nach komplexen, langwierigen Sanierungsarbeiten am 3. Oktober endlich wieder ihr Stammhaus Unter den Linden beziehen. Und nebenan, im ehemaligen Kulissenlager des Hauses, wurde im Frühjahr der Pierre Boulez Saal eingeweiht, entworfen vom Doyen der Stararchitekten, Frank Gehry. Ein architektonisches Kleinod, das durch die im Oval angeordneten Sitzreihen und die ebenerdige Bühne in der Mitte Musiker wie Publikum fasziniert.

Weltweit wird auch die im selben Haus untergebrachte Barenboim-Said-Akademie bewundert, ein mit viel mäzenatischem Geld und großzügiger Unterstützung durch die Bundesregierung realisiertes humanistisches Projekt. Hier lernen auf neutralem deutschen Boden junge Menschen aus Israel und den arabischen Ländern, sich gegenseitig zuzuhören – beim Musiziere wie Diskutieren.

Barenboims stilistische Bandbreite ist enorm

Damit hat sich die utopische Idee des 1999 gegründeten West-Eastern Diwan Orchestra tatsächlich in einer Institution materialisiert, die den Ruhm des Sozialpolitikers Barenboim auch dann noch mehren wird, wenn das Alter den Live-Künstler irgendwann in den Ruhestand zwingt.

Am heutigen Geburtstag allerdings denkt Daniel Barenboim nicht ans Aufhören. Im Gegenteil: Er hat große Pläne, für die Oper wie für sein Orchester, die Staatskapelle. Außerdem will er sein Konzept des Musikkindergartens baldmöglichst weitertreiben und eine private Grundschule gründen. Zwar ist jedes Neugeborene ein Wunder, aber eben kein musikalisches Wunderkind. So einer wie Daniel Barenboim, der mit fünf Jahren zum ersten Mal die Tasten eines Klaviers berührte und mit sieben schon öffentlich in Buenos Aires auftrat. Mit zehn Jahren gab der Jungpianist seine Debüts in London und Wien.

Die eigenen Eltern waren bis dahin seine einzigen Lehrer gewesen, anschließend arbeitete er nur noch mit Weltstars, mit Wilhelm Furtwängler, Igor Markewitsch, Nadia Boulanger, Sir John Barbirolli. Letzterer brachte Barenboim den Komponisten Edward Elgar nahe, mit dem er sich in Berlin in jüngster Zeit wieder viel beschäftigt hat. Vor 45 Jahren aber hat der Musiker bereits Werke des Briten eingespielt, wie man jetzt staunend einer Box mit 43 CDs und drei DVDs aus der Zeit zwischen 1967 und 1989 entnehmen kann, die das Label Sony als Geburtstagsgruß an ihn herausgebracht hat.

Enorm ist die stilistische Bandbreite Daniel Barenboims von Anfang an gewesen, ob Schönbergs „Pierrot Lunaire“ oder Joaquin Rodrigos „Concierto de Aranjuez“, ob Tschaikowsky oder Richard Strauss, der junge Maestro wollte das alles und noch viel mehr. Jede Menge Französisches ist dabei, von Berlioz bis Debussy, dazu der Schubert-Sinfonien-Zyklus mit den Berliner Philharmonikern, Mozarts Violinkonzerte mit Pinchas Zukerman, Beethovens Klavierkonzerte mit dem 88-jährigen (!) Arthur Rubinstein.

Barenboim ist übrigens der jiddische Ausdruck für Birnbaum. Der in Argentinien geborene Künstler hat sein eigenes CD-Label darum nach dem spanischen Namen für den Obstbaum „Peral“ benannt. Als Berliner denkt man natürlich sofort an Fontanes berühmtes Gedicht vom Ribbeck auf Ribbeck. Anders als der Herr aus dem Havelland allerdings hat Daniel Barenboim lobesam klug dafür gesorgt, dass er schon jetzt, in der goldenen Herbsteszeit seiner Karriere, reiche Ernte einfahren kann.

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