Von der Vaterrolle erfüllt: Woody Harrelson mit Isabella Amara (links) und Laura Dern. Foto: 2017 Twentieth Century Fox/dpa
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„Wilson - Der Weltverbesserer“ Ein Misanthrop im Melodram

Gisela Ostwald
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Die Comicverfilmung „Wilson - Der Weltverbesserer“ ist seicht geraten, Woody Harrelson überzeugt jedoch als skurriler Kauz.

Wer ist dieser Wilson? Ein verschrobener Typ in mittleren Jahren, ein Weltverbesserer, der die Welt nicht mehr versteht. Seinen Unmut gibt Wilson kund, ungefragt und ungefiltert, ob auf der Straße oder am Urinal einer öffentlichen Toilette. Der amerikanische Comiczeichner Daniel Clowes („Ghost World“) schuf die Figur 2010 in seinem Comic-Roman „Wilson“. US-Regisseur Craig Johnson adaptierte das Buch nun zum Komödiendrama mit einem hochkarätigen Woody Harrelson als Protagonisten.

Clowes grafischer Roman besticht mit seinem scharfen, oft dunklen Humor. Der Film ist dagegen seichter. Er startet als Satire, verliert sich dann aber in Melodramatik. Dabei schrieb Clowes auch das Drehbuch und arbeitete mit Johnson an der Umsetzung seiner Cartoons für die Leinwand. Dass „Wilson“ den Erfolg von „Ghost World“ wiederholt, Clowes erstem Comic-Roman im Kino, ist unwahrscheinlich.

Sympathie für den Außenseiter

Allerdings landete Johnson mit seiner Besetzung der Hauptrolle einen Volltreffer. Woody Harrelson, der als Haymitch Abernathy in „Die Tribute von Panem“ punktete, dann US-Präsident Lyndon B. Johnson in „LBJ“ verkörperte und Anfang 2017 das Live-Experiment „Lost in London“, seinen ersten eigenen Film, vorstellte, überzeugt als skurriler Außenseiter Wilson. Ihm gelingt es, Sympathie für den Kauz zu wecken.

Skurriler Außenseiter: Woody Harrelson als Wilson. Foto: 2017 Twentieth Century Fox/dpa
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Die erste Hälfte des Films zeigt Wilson, von Büchern umgeben und mit seinem geliebten Terrier Pepper an der Seite, in einer Stadt von Minnesota im Norden der USA. Er ist allein nach dem Tod des Vaters und dem Umzug des letzten ihm noch verbliebenen Freundes. Einsam und frustriert verschafft er sich Luft mit verbalen Attacken auf Fremde. Zu denen, die wir kennenlernen, zählt ein junger Mann im Bus. Er ist neben Wilson der einzige Passagier an Bord. Ungeachtet von Dutzenden freier Sitze nimmt Wilson neben ihm Platz und drängt dem Mann eine lange Busfahrt lang seine Meinungen auf.

Torturen nimmt er mit einem Teflon-Lächeln hin

Action bringt Wilsons Ex, genannt Pippi, ins Spiel. Sie wird von Laura Dern brillant dargestellt. Ihre Pippi arbeitet in einem Restaurant, fest entschlossen, einen Schlussstrich unter Jahre des Drogenkonsums und offenbar auch der Prostitution zu ziehen.

Mit der Rückkehr in ein ruhiges Fahrwasser ist es vorbei, als sie ihrem Ex ein Geheimnis verrät: Wilson ist der Vater einer 17-Jährigen. Statt die Schwangerschaft am Ende ihrer Ehe abzubrechen, hatte Pippi die gemeinsame Tochter geboren und zur Adoption freigegeben. Wilson ist über sich vor Freude; ein Kind gibt seinem Leben einen Sinn. Er träumt von einer Familie, Pippi, er und die Tochter.

Ärgerlich ist, dass Regisseur Johnson den Film dann bald in Melodramatik absickern lässt. Wilson ist so von der Vaterrolle erfüllt, dass er alle Torturen mit einem Teflon-Lächeln hinnimmt. Vergessen ist die Streitlust vergangener Tage. Das i-Tüpfelchen dieser Seichtheit liefern schließlich die Schlussszenen: Statt die Scherben seines Handelns aufsammeln zu müssen, endet der Film für Wilson äußerst sanft. (dpa)

Mehr über den Comic „Wilson“ lesen Sie hier, eine Rezension von Daniel Clowes' aktuellem Buch „Patience“ finden Sie hier.

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