Geschöpf und Schöpfer: Len Wein und ein Fan im Swamp-Thing-Kostüm. Foto: Wikipedia/CC BY-SA 2.0p

Nachruf auf Comicautor Len Wein Der Vater der Mutanten ist tot

Lutz Göllner
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Er schuf Figuren wie Wolverine und Swamp Thing. Jetzt ist der US-Comicautor Len Wein mit 69 Jahren gestorben. Ein Nachruf

Es gibt viele Fotos von Len Wein im Internet. Und auf allen lacht er. Was auch auffällt: In den 70er und 80er Jahren sah Wein immer wie ein Zauselhippie aus: wilde Mähne, Hipsterbart, Basecap, buntes T-Shirt. Und auch wenn die Haare mit der Zeit kürzer und der Bart grau wurden, ist der Mann sich selbst und seinem Stil immer treu geblieben. Jetzt ist er nach langer Krankheit am Sonntagmorgen gestorben. Er wurde 69 Jahre alt.

Leonard Wein, geboren 1948 in New York City, war ein Mann, der als Autor und Redakteur lieber hinter den Kulissen arbeitete, dort aber große Leistungen vollbrachte. Seine beiden größten Schöpfungen, der Mutant Wolverine und das Monster Swamp Thing (geschaffen zusammen mit dem Zeichner Bernie Wrightson, der im Frühjahr gestorben ist), sind auch Menschen geläufig, die keine Comics lesen. Als Redakteur war es Len Wein, der Alan Moores Geniestreich „Watchmen“ betreute, er schrieb und editierte längere Strecken von „Batman“, „Green Lantern“ und „Justice League of America“ für den „Superman“-Verlag DC. In den Marvel-Heften hinterließ er seine Spuren hauptsächlich im „Incredible Hulk“ und den „Fantastic Four“.

Das Rampenlicht überließ er anderen

Seine Karriere begann Len Wein als Autor für Horrorgeschichten, doch sein eigentliches Talent bestand in der Teamarbeit. So war Wolverine wohl eine Ko-Schöpfung zusammen mit den Zeichnern Herb Trimpe und John Romita Sr., den Neuanfang der „X-Men“, der die Serie in ungeahnte Höhen führen sollte, skriptete Wein lediglich; die Ausarbeitung und den Ruhm überließ er gerne dem Zeichner Dave Cockrum und dem Autoren Chris Claremont. Genauso hielt er es, als er im Jahr 1984 den Briten Alan Moore als Autor für seine – Weins – Schöpfung „Swamp Thing“ verpflichtet. Oder dem Zeichner/Autoren George Pérez die Neuinterpretation von „Wonder Woman“ übergab.

Aus dem Comic auf die Leinwand: Hugh Jackman machte Wolverine zu einer international bekannten Figur. Foto: Promop

Seinen eigenen, sehr ironischen Stil findet man etwa im ersten DC/Marvel-Crossover von 1972 (zu finden in den Heften Amazing Adventures #16, Justice League Of America #103 und Thor 207), in das sich die Autoren Gerry Conway, Steve Englehart und eben Wein auch selber porträtierten (Metafiktion, alter Schwede). Oder in der wunderbaren Batman/Peanuts-Hommage aus „Detective Comics“ #500, in der Wein ein Batman-Abenteuer von Snoopy erzählen lässt.

Wein war ein großzügiger, bescheidener, überaus humorvoller Mann, ein Mann der Ideen und des Konzepts, der das Rampenlicht gerne anderen überließ.

Dazu gehört auch seine eigene Frau Christine Valada: 2009 verlor das Paar alles, als ihr Haus abbrannte. Valada bewarb sich daraufhin als Kandidatin bei der Rateshow „Jeopardy“, wurde vier Mal Champion und gewann 60.000 Dollar. Vor zwei Jahren begannen Weins Probleme mit dem Herzen, er musste sich mehreren Bypass-Operationen unterziehen. Das Lachen hat er trotzdem nie verlernt.

Premiere: Wolverine hatte im Herbst 1974 seinen ersten Auftritt in der Comic-Reihe "The Incredible Hulk". Foto: MArvel/Promop
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