Nachschub. Das neue Asterix-Album war einer der Bestseller des vergangenen Jahres - aber war es auch einer der besten Comics? Da haben unsere Leser unterschiedliche Ansichten. Foto: AFPp

Leseraktion Die besten Comics 2015 - das sind die Leserfavoriten

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Auch dieses Jahr wollen wir von unseren Leserinnen und Lesern wieder wissen: Was waren 2015 Ihre Comicfavoriten? Hier die Antworten.

So viele gute Comics, so wenig Zeit: Um den Lesern der Tagesspiegel-Comicseiten die Auswahl zu erleichtern, was die Lektüre lohnt, veranstalten wir auch in diesem Jahr wieder eine doppelte Kür der besten Titel. Zum einen hat eine Fachjury aus Comicschaffenden und Händlern ihre Favoriten der vergangenen zwölf Monate gewählt und darüber abgestimmt - das Ergebnis gibt es unter diesem Link. Zum anderen waren wieder unsere Leser gefragt. Wir wollten wissen: Was waren für Sie die besten Comics des vergangenen Jahres? Das bezieht sich auf gedruckte wie digital veröffentlichte Comics in jeder erdenklichen Form, also Strips, Serien, Alben oder Graphic Novels, wobei natürlich Manga ebenso gemeint sind wie Comics westlicher Prägung. Hier gibt es eine aktualisierte Auswahl der Einsendungen - die Gewinner unserer Buchverlosung werden per Post benachrichtigt:

Mein Comic des Jahres ist "Zuckerschädel", mit dem Charles Burns seine alptraumhafte, mit "X" und "Die Kolonie" begonnene Trilogie zum Abschluss bringt - atmosphärisch dicht, intensiv und verstörend, umgesetzt in einer zeichnerischen Perfektion, die ihresgleichen sucht.
Die beste laufende Serie haben wir aus meiner Sicht Ed Brubaker und Sean Phillips zu verdanken, die mit "The Fade Out" einen Blick hinter die polierte Oberfläche des Hollywood der fünfziger Jahre werfen. Dabei legen sie nicht nur einen idealtypischen Noir-Krimi vor und zeichnen das glaubwürdige Porträt einer häufig verklärten Epoche, sie demonstrieren zugleich auch beispielhaft die Besonderheiten des seriellen Erzählens, indem sie über 12 Hefte die Spannungsschraube kontinuierlich anziehen.
Und eine lobende Erwähnung gibt es für Matt Fraction und David Aya, die mit ihrer Arbeit an "Hawkeye" gezeigt haben, dass man auch heute noch frische, interessante Geschichten im Superheldengenre erzählen kann.
Markus Binder

Mein bisheriger Favorit des Jahres 2015 (ein paar Tage zum Lesen hab ich ja noch) ist "Roses Lächeln" von Sacha Goerg. "Roses Lächeln” ist ein toll gezeichneter Thriller für die kalten Tage des Jahres. Panelrahmen werden durch Goergs Aquarellzeichnungen völlig überflüssig – das ist hier fantastisch gelöst. Zudem wechselt er immer wieder zu freigestellten Szenen, die die dargestellten Personen noch eindringlicher ins Blickfeld rücken. Manchmal sind die Figuren etwas klischeehaft, aber das stört überhaupt nicht, denn ansonsten haben sie ganz nachvollziehbare Ecken und Kanten. Der sehr zu Herzen gehende Graphic-Novel-Thriller war für mich ein wahrer Pageturner!
Christian Lund

Mein Favorit für das Comic des Jahres: "Rat Queens" vom Image Verlag war 2015 die Überraschung für mich. Eine typische, langweilige, Fantasywelt wird durch eine ungewöhnliche und sympathische weibliche Heldengruppe durcheinander gebracht. Nicht durch Slapstick, sondern durch tolle Dialoge (sowohl witzig wie auch hintergründig) und gelungene Wendungen der Story macht es ungemein Spaß, der Geschichte zu folgen. Hinzu tritt in den späteren Ausgaben als Krönung der Serie Stjepan Šejić als Illustrator auf.
Benjamin Böss

Mein absoluter Favorit des Jahres 2015 ist "Rohrkrepierer" von Isabel Kreitz, nach einem Roman von Konrad Lorenz. Ihre großartigen Zeichnungen und eine tolle Erzählstruktur erzeugen (wie immer bei Isabel Kreitz) Spannung bis zum Schluss, ohne reißerisch zu sein. Sie schafft eine Atmosphäre, die den Leser in den Bann zieht und in die Zeit des Geschehens eintauchen lässt.
Großes Kino.
Anne Pfeiffer

Mein Comic-Favorit des Jahres 2015 ist die Science-Fiction-Geschichte „Hans“ von den Zeichnern Rosinski und Kas. Obwohl ich seit Jahrzehnten Comics sammle, war ich von der Gesamtausgabe des Splitter-Verlages positiv überrascht und konnte ein weiteres Highlight in meiner Sammlung aufnehmen. Die Endzeitgeschichte mit den Helden Hans und Orchidee gehört zu den Comic-Klassikern und ist endlich auch in Deutschland erhältlich. Interessant sind neben den eigentlichen Comic-Geschichten auch die vielen Hintergrundinfos im redaktionellen Teil.
Detlef Dorau

Meine Top 3:
Platz 1: Paco Roca: Die Heimatlosen.Wunderbar gezeichnete und ruhig erzählte Geschichte spanischer Anarchisten und Kommunisten, die an der Seite der Résistance im besetzten Frankreich kämpfen. Der Comic hat mich sehr berührt und ist mit Abstand mein Favorit!
Platz 2: Die amerikanische Serie "The Fade Out" von Brubaker und Phillips über Hollywood zur MacCarthy Ära. Gut erzählt. Tolles Layout und Hintergrundmaterial.
Platz 3: Neuausgabe des Klassikers "Corto Maltese" von Hugo Pratt bei Schreiber & Leser. Sozusagen eine der ersten "Graphic Novels".
Bodo Haß

Die beste Neuerscheinung bei den Comics war in diesem Jahr Tobi Dahmens "Fahrradmod". Seit vielen Jahren begleite ich die Entstehung online (kannte die Inhalte daher schon zum großen Teil) und war wirklich außerordentlich begeistert über die Korrespondenz zwischen Inhalt und Produktion. Denn die Verarbeitung des Buches, die Papierauswahl und die Druckqualität entsprechen vollständig den Qualitätsansprüchen der Mods im Buch: kein Weg zu weit für beste Kleidung, Musik oder Parties. Die zeichnerische, dramaturgische und atmosphärische Qualität ist darüberhinaus erstaunlich konstant und konsistent. Und - keine Frage - die Dauer des Lesegenusses bekommt auf der 10er Skala ebenfalls eine klare 10. Lange wurde ich nicht mehr über einen Zeitraum von vielen Stunden durch denselben „Comic“ gefesselt!
Jörg Stauvermann

Mein Favorit des Jahres 2015 ist ein Selfpublishing-Werk namens "Strayer". Zuallererst ist "Strayer" ein Webcomic, gezeichnet und geschrieben von einem Duo deutscher Künstlerinnen unter dem Synonym Tentakelgottheit. Was mich an Strayer fasziniert, sind zum einen die opulenten farbigen Panels, jedes einzelne Panel anmutend wie ein Gemälde, zum anderen die spannende Story, die einen in eine mysteriöse Paralellwelt verschlägt, die unserer zum Greifen nah ist. Nicht zu vergessen natürlich auch das wunderbar breit gefächerte Charakter-Lineup, das so erfrischend wenig mit den stereotypen Helden der meisten heutigen Comics zu tun hat. Der deutschen Comic-Verlagswelt täte es gut, würde sie sich auch mal an derartige Comics wagen, statt immer nur die gleichen Bestsellergaranten en Masse zu produzieren.
Mein zweiter Liebling des Jahres ist "Das UPgrade". Ulf Graupner und Sascha Wüstenfeld haben mit ihrer Comicserie ebenfalls ein kleines Meisterwerk geschaffen. Mit einem Stil zwischen amerikanischen 50ies Cocktail-Illustrationen und DDR-Chiq laden auch sie den Leser in eine abenteuerlich-abstruse Geschichte um einen äußerst ungewöhnlichen und unwahrscheinlichen Helden ein. Ronny Knäusel, der einzige Superheld der DDR ist herrlich überzeichnet und bleibt trotzdem enorm menschlich. Bis ins kleinste Detail versprüht dieser Comic einen enormen Charme und Witz und wird nie altbacken oder langweilig.
Kami Wallner

Mathieus "Richtung" hat mich glänzend unterhalten. Und das ohne Worte. Der Mann ist seiner Zeit weit voraus und interpretiert das Medium Comic immer wieder neu. Dieses Werk im Besonderen habe ich deswegen ausgewählt, da es tatsächlich aus zwei Perspektiven überzeugt: Man kann es inhaltlich mit philosophischem Ansatz deuten, doch auch aus kreativer Sicht ist es wunderbar. Dazu werden wortwörtlich alle verfügbaren Dimensionen genutzt.
Takin Haj Hassani Sohi

Mein Lieblingswerk ist ganz klar "Ghost Tower" von Taro Nogizaka aus dem Carlsen Verlag. Er ist spannend, sexy und sehr gut gezeichnet.
Sören Grenzdörffer

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