Aus Verwunderung werden Angst und Ablehnung: Eine Seite aus "Die Hoodies". Foto: Parallelalleep

"Die Hoodies" von PoinT Mysteriöse Kapuzenträger

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Wie Hitchcock, aber ohne Todeskampf: Die Berliner Autorin und Zeichnerin PoinT führt in ihrer Bilderzählung "Die Hoodies" vor, wie rätselhafter Besuch von außen eine Dorfgemeinschaft in Unruhe versetzt.

In einem abgelegenen Brandenburger Dorf geschehen merkwürdige Dinge: Eines Tages taucht eine Gruppe Jugendlicher in Kapuzenpullis auf, lässt sich auf dem örtlichen Spielplatz nieder, und keiner weiß, wieso. Erst drei, dann 30, dann so viele, dass die Dörfler sie gar nicht mehr zählen können.

Das Szenario der jetzt im Kleinverlag "Parallelallee" veröffentlichten Bilderzählung "Die Hoodies" erinnert an Hitchcocks "Die Vögel", wozu auch die grauen, latent bedrohlich wirkenden Bilder der in Berlin lebenden Autorin und Comiczeichnerin Tina Brenneisen alias PoinT beitragen. Doch anders als bei Hitchcock steigert sich der Plot in dieser illustrierten, mit Comic-Elementen angereicherten Kurzgeschichte nicht in einen apokalyptischen Todeskampf. Sondern es passiert einfach: gar nichts. Keiner kann sich erklären, was die geheimnisvollen Fremden hier wollen. Und so schlägt Verwunderung in Angst und Ablehnung um.

"Die Hoodies" ist eine subtile, klug angelegte Erzählung über den Umgang mit dem Fremden in einer etablierten Ordnung. Die jugendlichen Kapuzenträger kann der Leser nach Belieben durch Asylbewerber, Homosexuelle, einer für Ältere undurchschaubaren Jugendbewegung oder politisch Andersdenkende ersetzen. Die Autorin gibt keine Interpretation vor, zum einen durch die zurückhaltende Erzählweise, zum anderen durch die stimmungsvollen, vieles nur andeutenden Zeichnungen.

Mit feinem Strich und leicht karikierender Überzeichnung bringt Brenneisen ihre Figuren aufs Papier, aquarellierte Schattierungen geben den Bildern Tiefe. Der Text ist direkt, stellenweise kunstvoll, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. So hören die Kapuzenträger ihre Musik mit MP3-Spielern, „als trügen sie Stethoskope und horchten direkt ins Herz der Musik“.

Vielschichtig deutbar: Das Cover des besprochenen Buches. Foto: Parallelalleep

Die Autorin, 1977 in Dresden geboren und ausgebildete Psychologin, hat sich bereits in ihren früheren Büchern und Kurzgeschichten als Expertin für mysteriöse, vielschichtig deutbare Bilderzählungen erwiesen. So handelt ihr Comic "Die Traumfabrik" von den Verheißungen und Gefahren, die eine wissenschaftliche Kontrolle der menschlichen Träume in einer nicht allzu fernen Zukunft mit sich bringt. Und das Märchen "Das letzte Geheimnis" begleitet ein kleines Mädchen auf einer Traumreise, während derer sie mit ihren tiefsten Ängsten und Sehnsüchten konfrontiert wird.

PoinT: Die Hoodies, 88 Seiten, Parallelallee, 19,95 EUR, ISBN 978-3-9816235-1-2, im Fachhandel sowie beim Verlag unter www.parallelallee.de

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