Tintin und seine Helden: Ein Panel aus dem Album „Der Fall E. P. Jacobs“. Foto: Carlsen
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„Blake und Mortimer“ von E. P. Jacobs Die Mumie hinter Tim und Struppi

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Mit „Blake und Mortimer“ prägte Edgar Pierre Jacobs den europäischen Comic - und hinterließ auch seine Spuren in einem anderen frankobelgischen Klassiker. Jetzt ehren ihn zwei neue Alben.

Als 1944 in Brüssel das Papier knapp wird, bittet Louis Casterman, der Verleger der Tim-und-Struppi-Alben, den Zeichner Hergé, die Seitenumfänge seiner Geschichten zu reduzieren. Hergé fragt Edgar Pierre Jacobs um Hilfe. Jacobs ist ein zeichnerischer Autodidakt, der zwar eine erfolgreiche Karriere als Opernsänger hinter sich hat, aber bisher nur an der Fortsetzung der amerikanische Serie „Flash Gordon“ gearbeitet hat.

Der vierzigjährige Jacobs beginnt Hergés frühe Alben „Tim im Kongo“, „Tim in Amerika“, „König Ottokars Zepter“ und „Der Blaue Lotus“ zu überarbeiten. Das neue Format verlangt eine Verdichtung der Geschichten, auf eine Seite sollen nun vier statt drei Reihen passen und auch die Zahl der Bilder pro Reihe steigt. Jacobs besorgt die Kolorierung, verfeinert mit Leidenschaft fürs Detail die Dekors und hinterlässt nicht nur künstlerisch eine Spur in Hergés Alben. Immer wieder taucht er darin selbst auf: In „Tim im Kongo“ steht Jacobs mit dunklen Haaren und Fliege hinter Hergé in der Menge, die den Reporter am Gleis verabschiedet; in „König Ottokars Zepter“ nimmt er in Gala-Uniform am Empfang für Tim teil.

Nach Jacobs' Tod setzten
andere Zeichner die Serie fort

Die Kooperation der beiden ist äußerst produktiv. Jacobs wirkt an der Realisierung von „Die Sieben Kristallkugeln“ und „Der Sonnentempel“ mit: Er findet in Brüssel das Vorbild für die Villa von Professor Birnbaum und wird dabei fast mit Hergé zusammen von der Gestapo verhaftet, und er recherchiert die Inka-Thematik. Als Jacobs 1946 verlangt, als Zweitautor geführt zu werden, endet die Zusammenarbeit jedoch. Im selben Jahr bereits erscheint Jacobs’ monumentaler Comic „Der Kampf um die Welt“, das erste Abenteuer der Reihe „Blake und Mortimer“. Als Hergé später „Die Zigarren des Pharaos“ überarbeitet, ehrt er seinen ehemaligen Mitarbeiter gleichwohl nachträglich: Er gibt einer der Mumien auf dem Cover, an denen Tim und Struppi entlanglaufen, den Namen „E. P. Jacobini“.

Abschied von Herge: Eine weitere Szene aus „Der Fall E. P. Jacobs“. Foto: Carlsen
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Diese Geschichte, wie aus dem Opernsänger Jacobs einer der klassischen Vertreter der Brüsseler Comic-Schule wird, erzählt das Album „Der Fall E. P. Jacobs“ (Carlsen, 112 Seiten, 19,90 Euro). Der Biografie-Comic von Rodolphe Daniel Jacquette und Louis Alloing setzt dem Erfinder von Blake und Mortimer ein liebevolles Denkmal. Die Dramatik eines Comicabenteuers darf man nicht erwarten, Rodolphe versucht auch nicht, aus Jacobs einen Mortimer zu machen. Das Heft, natürlich selbst im Stil der „Ligne Claire“ gehalten, ist eine opulente Hommage an jene Epoche, unaufdringlich nostalgisch und voller Anspielungen auf die Brüsseler Comicszene und ihre Helden.

Edgar Pierre Jacobs schuf in 25 Jahren zehn Blake-und-Mortimer-Alben, die vor allem wegen ihrer zeichnerischen Genauigkeit und erzählerischen Glaubwürdigkeit zu Klassikern der frankobelgischen Comics wurden. Die Protagonisten sind Francis Blake, der Chef des britischen Geheimdiensts MI5, und sein Freund, der Physiker Philip Mortimer. Als Jacobs 1971 erkrankt, führt Hergés Assistent Bob de Moor das Heft zu Ende. Seitdem wird die Serie in der Tradition der Brüsseler Schule unter anderen von Jean van Hamme und Ted Benoît sowie Yves Sente und André Juillard fortgeführt, so text- und detailbetont wie zu Zeiten von Jacobs, der 1987 in Brüssel starb. Der historische und ästhetische Kontext der Serie blieb stets derselbe: das London der 1950er und 1960er Jahre.

Comic-Biografie: Das Cover des besprochenen Albums. Foto: Carlsen
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Auch der gerade erschienene 19. Band „Die Septimus-Welle“ (Carlsen, 72 Seiten, 12 Euro), den Jean Dufaux geschrieben hat und Antoine Aubin und Étienne Schréder gezeichnet haben, knüpft an das Erbe an: Das Album ist eine erzählerisch aufwendige und zeichnerisch vertraute Fortschreibung von Jacobs’ Abenteuer „Das Gelbe M“ aus dem Jahr 1956, eines der bekanntesten Blake-und-Mortimer-Alben. Es vereint die beiden mit ihrem Lieblingsgegner Colonel Olrik, der schon auf den ersten Seiten von „Der Kampf um die Welt“ aufgetaucht war und in diesem Band zu ihrem Verbündeten wird. In der gelungenen Fortschreibung des alten Science- Fiction-Szenarios gerät Olrik wieder unter die Kontrolle des Telezephaloskops, mit dem ihn Professor Septimus im „Gelben M“ zum kriminellen Automaton gemacht hatte. Und gleichzeitig wird auch Septimus zum Leben erweckt, und das gleich massenhaft.

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