Wild wie die Zwanziger. So sieht der Delphi-Saal in der Gustav-Adolf-Straße bei Feierlichkeiten aus. Foto: Peter Gesierich/Promo
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Berlins neuer Kulturort Das doppelte Delphi

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In Weißensee haben einst Fritz Lang und Marlene Dietrich gedreht. Das 1929 hier eröffnete Stummfilmkino Delphi fiel Ende der Fünfziger in einen Dämmerschlaf - und wurde jetzt endlich wieder eröffnet.

Beim Happyend wird abjeblendt? Nö, werter Herr Tucholsky jetzt geht’s erst richtig los! Samstagabend bei der Eröffnungsfeier des „Theaters im Delphi“, dem ehemaligen Stummfilmkino am Caligari-Platz in Weißensee, zerstieben alle Mühen und Plagen des Theatermacherduos Brina Stinehelfer und Nikolaus Schneider unter allgemeinem Jubel in einer tränenseligen Wolke aus Rührung, Erschöpfung und Glück. Es ist geschafft! Das 1929 eröffnete Haus, das seit 1959 in zunehmender Baufälligkeit vor sich hin dämmerte und in den letzten Jahren gelegentlich als Bühne für Off-Musiktheaterproduktionen und Stummfilmkonzerte diente, ist als Kulturort zurückgewonnen. Berlin frohlocke, nun hast du zwei Delphis – das Kino im Westen, das Theater im Osten.

Und dass, obwohl das von dem aus New York und Dresden stammende Enthusiastenpaar betriebene Projekt vor wenigen Monaten arg auf der Kippe stand, als bei einem Baustelleneinbruch das technische Equipment gestohlen wurden. Doch weil die Welt auch gut sein kann, haben inzwischen 500 Unterstützer 30 000 Euro für eine neue Anlage gespendet. Und Festredner Klaus Lederer verkündet, dass das Haus bald 50 000 Euro Spielstättenförderung erhält.

Magie der Leere. Und so, wenn außer den Geistern der Vergangenheit keiner drin ist. Foto: Per Aspera/Promo
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Eingebettet in Tanz- und Gesangseinlagen, die einen Vorgeschmack auf den Spielplan geben tritt ein Glückskind aus Politik und Kultur nach dem anderen ans Pult, um die tollkühnen Visionäre zu loben. Der Kultursenator preist Akustik und Magie des auch nach der stilsicheren Sanierung wunderbar abgeschabten Saales. Der ist mit seinem Tonnengewölbe und der von drei Bögen akzentuierten Bühne als Lasterhöhle „Moka Efti“ ein Hauptspielort der Fernsehserie „Babylon Berlin“. Von dem dort tonnenweise verschossenen Goldflitter könnte auch jetzt was niederregnen. Stattdessen packt Jochen Sandig, seines Zeichens Tacheles-, Sophiensäle und Radialsystem- Mitgründer, zwei rasselnde Zaubereier aus. „Swing on“, ruft Sandig in den Saal, „Ihr lebt die zwanziger Jahre des 21. Jahrhunderts!“ Bislang noch exzessfrei, aber schon mit Absinth.

Theater im Delphi, Gustav-Adolf-Str. 2, Berlin-Weißensee, Infos und Programm im Netz unter: www. ehemaliges-stummfilmkino-delphi.de

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