Barenboim mit der Berliner Staatskapelle in der New Yorker Carnegie Hall. Foto: Victoria Dietrichp

Berliner Staatskapelle in der Carnegie Hall Barenboims Botschaft an New York

Ulrich Amling
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Die Berliner Staatskapelle spielt in der Carnegie Hall den ersten kompletten Zyklus aller nummerierten Sinfonien Anton Bruckners - und Maestro Barenboim spricht eine Warnung aus.

Wenn dieser Tage in den USA Geschichte geschrieben wird, dann fügen Daniel Barenboim und seine Staatskapelle Berlin einen neuen kulturellen Absatz hinzu: Bis zum 29. Januar führen sie den ersten kompletten Zyklus aller nummerierten Symphonien Anton Bruckners auf, den es jemals in den USA gegeben hat. Neun gewaltige Werke, gespielt an elf Tagen in der legendären New Yorker Carnegie Hall. Hier feierte Daniel Barenboim just am 20. Januar sein 60. Bühnenjubiläum: 1957 trat er als 14-Jähriger unter Leopold Stokowski zum ersten Mal in dem Klassiktempel auf. Seitdem hat Barenboim mehr als 140 Abende dort gespielt, als Pianist wie als Dirigent. Auch das aktuelle Gastspiel bestreitet Barenboim in einer Doppelrolle: Bei sechs Konzerten des Zyklus wird er zusätzlich zu den Bruckner-Sinfonien noch Klavierkonzerte von Mozart dirigieren und spielen.

Das New Yorker Publikum bereitet dem Maestro und seinen Musikern einen hoch konzentrierten und begeisterungsfähigen Empfang in der Carnegie Hall. 200 Zuhörer haben den kompletten Zyklus gebucht, 250 haben sich vorab Tickets für mehr als fünf der Konzerte gesichert. Im quirligen New York gilt das als Sensation. Umso mehr, als Bruckner hier nicht den Status genießt wie Beethoven und Gustav Mahler.

Der Auftakt klingt vielversprechend

Doch das, so hofft der Intendant der Carnegie Hall, Clive Gillinson, soll der Barenboim-Zyklus nun ändern. Der Auftakt vor vollem Haus klingt vielversprechend: Die Staatskapelle verwendet viel Herzblut auf die selten gespielten ersten beiden Sinfonien Bruckners, erfüllt den 2800-Plätze-Saal mit Wärme und unerbittlicher motorischer Energie zugleich. Eine Leistung, für die die Musiker auch einzeln bejubelt werden.

Dem Kraftakt stellt Barenboim Klavierkonzerte von Mozart voran, bei denen er mit der Spannung zwischen fein ausbalanciertem Orchesterspiel und einem Solopart spielt, der eigenwillig und überraschend bleibt. Nach seinem Jubiläumskonzert am Tag der Amtseinführung von Donald Trump wendete sich Barenboim mit einer kämpferischen Ansprache an das Publikum. Er warnte davor, Kultur zu vernachlässigen und Klassik als elitäre Veranstaltung abzutun. Die Amerikaner erinnerte der Maestro an ihren kulturellen Reichtum und ihre Verantwortung für ein besseres Zusammenleben. „Make the world great“, rief Barenboim unter starkem Beifall. Den Namen Trump erwähnte er kein einziges Mal.

Das Abschlusskonzert des Bruckner-Zyklus mit der 9. Sinfonie wird am 29. Januar per Livestream aus der Carnegie Hall ab 20.45 Uhr (MEZ) online unter www.staatskapelle-berlin.de mitzuerleben sein.

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