Vorspiel. Zu den gezeigten Werken im Teheraner Museum für Zeitgenössische Kunst gehört auch Andy Warhols ""The American Indian Series" (Russel Means). Foto: dpa
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Berliner Konferenz über Kunst im Iran Streit um den Schatz

Bahareh Ebrahimi
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Nach der geplatzten Ausstellung des Teheraner Museums für Zeitgenössische Kunst: Austausch der Experten vor leeren Wänden.

Zwischen den Zeilen zu lesen, das ist das, was man am besten von der iranischen Kunst, Kultur und Philosophie lernen kann. Der Leitsatz fällt gleich mehrfach auf der Berliner Konferenz „Iran und die Kunst der Moderne“ am vergangenen Wochenende. Und er passt ja auch: Die Veranstaltung fand zwischen den leeren Wänden der Gemäldegalerie statt, dort, wo in der ursprünglich für den Winter geplanten Ausstellung Werke aus dem Teheraner Museum für Zeitgenössische Kunst hängen sollten. Die persischen Kunsthistoriker, Künstler und Kuratoren aus London, New York, Paris und Rom wurden im Rahmen des dreimonatigen Kulturprogramms „Die iranische Moderne“ eingeladen, für das das Goethe-Institut verantwortlich zeichnet.

Zu den Diskussionsteilnehmern zählt unter anderem Kamran Diba, der Architekt des Teheraner Museums, sowie Vaziri Moghaddam, einer der berühmtesten Maler Irans. Der Auftritt des 92-jährigen Künstlers wurde zu einem Höhepunkt der Konferenz, einige seiner Werke sollten bei der Teheran Ausstellung präsentiert werden. Für die vom Auswärtigen Amt mitorganisierte, in Berlin und einer weiteren Station in Rom geplante Schau hatte der Iran bis über den Eröffnungstermin Anfang Dezember 2016 hinaus keine Ausfuhrgenehmigung erteilt – woraufhin die federführende Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Reißleine zog und die Ausstellung komplett absagte. Mittlerweile findet sie dennoch statt – in Teheran. Unter dem Titel „Berlin-Rome Travellers“ sind jene 30 iranischen Werke und 30 westlichen Klassiker der Moderne von Picasso bis Warhol, die für die Reise nach Deutschland ausgewählt worden waren, noch bis 16. Juni im Museum für Zeitgenössische Kunst zu sehen. Anders als im Westen oft dargestellt, ist es übrigens nicht das erste Mal, dass Teile der kostbaren Kunstankäufe der Schah-Witwe aus dem Museumsdepot ans Tageslicht kommen und dem iranischen Publikum präsentiert werden.

Zur iranischen Moderne gehören außer den abstrakten Werken etwa von Vaziri Moghaddam auch Arbeiten der sogenannten Saqqakhaneh-Schule, die traditionelle iranische und religiöse Motive in die Kunst der Moderne integriert, wie die New Yorker Kuratorin und Kunsthistorikerin Feresteh Daftari in Berlin erläutert. Der Fokus der Diskussion bleibt auf die sechziger und siebziger Jahre gerichtet, die Zeit bis zur Revolution. Aber die Gegenwart wird dennoch nicht ausgespart.

Eigentlich sollte Kamran Diba gemeinsam mit dem Amerikaner David Galloway, dem Gründungskurator des Teheraner Museums, auf dem Podium sitzen, aber Galloway konnte krankheitsbedingt nicht dabei sein. Nun berichtet Kamran Diba von Geschichte und Selbstverständnis des 1977 eröffneten Museums, auch von dessen Finanzierung. Dass der Kunstschatz nicht nach Berlin reisen konnte, dafür macht er nicht nur politische Gründe geltend, sondern auch die Berichterstattung in den hiesigen Medien.

Es sei für ein Museum ungewöhnlich, einen Schatz diesen Ausmaßes ins Ausland zu schicken. Gleichzeitig habe die deutsche Presse die Kunstsammlung derart überdeutlich als persönliche Kollektion von Farah Pahlavi charakterisiert, dass man den Eindruck bekommen musste, „alle Anerkennung gebühre ihr und nicht denjenigen, die die Schau im Iran organisierten“, so Diba.

Auch die Vernissage für „Berlin-Rome Travellers“ letzte Woche in Teheran war von Fragen überschattet. Der Maler und Kunsthistoriker Mehdi Hosseini, der die iranischen Werke für die Schau zusammenstellte, wunderte sich bei der Eröffnung auch über die eigenen Medien. Es habe ihn sehr überrascht, zitiert ihn die iranische Nachrichtenagentur Isna, dass in den Zeitungen und sozialen Netzwerken darüber spekuliert wurde, ob der Schatz denn auch wieder nach Teheran zurückkehren werde. Oder ob es sein könnte, dass sich Fälschungen unter den Werken befinden. Hosseini, dessen Arbeiten ebenfalls für das Gastspiel in Berlin vorgesehen waren, sagte Isna zufolge: „Deutschland hat doch gute wirtschaftliche Beziehungen mit uns, es handelt sich um ein Volumen von jährlich mehr als zehn Millionen Dollar.“ Wie könne es da sein, dass man einander mit soviel Misstrauen begegne. Nebensachen seien derart aufgebauscht worden, dass die Ausstellung schließlich verschoben wurde, so Hosseini.

Bei der Ausstellungseröffnung in Teheran ist weniger von einer Absage der Berlin-Reise die Rede als von einer Verschiebung. So formuliert es etwa Gholamreza Nami vom Teheran-Museum. Und so lässt sich auch der Titel der Schau „Reisende nach Berlin und Rom“ zwischen den Zeilen lesen, auf doppelt diplomatische Weise. Zum einen ist Schluss mit der Intransparenz von iranischer Seite: Die besorgten Künstler und Kunstexperten, die stets nach Umfang und Zustand der Sammlung fragten, können sich jetzt selbst ein genaues Bild machen. Zum anderen vermittelt der Titel, dass die jetzt in Teheran ausgestellten Werke ja vielleicht doch noch auf Reisen gehen.

Infos zum dreimonatigen Programm des Goethe-Instituts und zahlreicher Partner: www.goethe.de/iranischemoderne

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