David Mamet auf dem roten Teppich in Cannes. Foto: Giorgio Onorati/dpa
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Autor David Mamet zum 70. Dialog als Duell

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Sex, Gewalt und Machtspiele: Der Theater- und Filmautor David Mamet feiert mit seinen Stücken Erfolge in Hollywood wie auf dem Broadway. Heute wird er 70 Jahre alt. Eine Gratulation.

Das Stück ist ein Vierteljahrhundert alt, aber David Mamets Zweipersonendrama „Oleanna“ wäre jetzt, nach dem Weinstein-Skandal und in der Diskussion um sexuelle Belästigung durch Worte und Taten: das Stück der Stunde. „Oleanna“ wurde in den 1990er Jahren auch auf deutschen Bühnen viel gespielt, und in London hat es einmal Mamets Dramatiker-Kollege und späterer Nobelpreisträger Harold Pinter am Royal Court Theatre schier atemberaubend inszeniert. Eine Studentin besucht an einer amerikanischen Universität die Sprechstunde ihres Professors – worauf sich aus einer zunächst unverfänglichen Beratung ein Duell der Sonderklasse entwickelt. Ein freundlicher, liberal gebildeter Mann und eine intelligente, aufgeschlossene junge Frau geraten in den unheimlichen, weil unheimlich alltäglichen Sog von Missverständnissen und wechselseitigen Verletzungen. Gender und Sex, Machtspiele, Machotum und die Gegenmacht der Political Correctness schaffen ein Bestiarium erst unterschwelliger, dann explodierender Gewalt.

1984 erhielt er den Pulitzer Preis

Das ist das Lebensthema des 1947 in Chicago geborenen Autors und gelegentlichen Filmregisseurs David Mamet. Hinzu kommt in anderen Stücken noch die Macht des Geldes, die Gier nach Erfolg als Amerikas und speziell auch Hollywoods stärkste und letztlich universelle Triebkraft. Mamet fokussiert dies immer wieder in Dialogen, die eigentlich Fights sind: kurz und schnell wie Peitschenhiebe oder Pistolenschüsse, dazu oft gespickt mit scharfen Obszönitäten. Für sein superhartes Immobilienmakler-Drama „Glengarry Glen Ross“ erhielt er 1984 den Pulitzer Preis, später wurde der Plot dann verfilmt mit Jack Lemmon, Al Pacino und Ed Harris.

Sein erstes Drehbuch war die Romanadaption „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ (mit Jack Nicholson und Jessica Lange), danach folgten Oscar-Nominierungen für Mamets Originalscripts zur bösen Polit-Satire „Wag the Dog“ und für „The Verdict“ („Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“). Mamets jüngstes Stück über einen Wirtschaftstycoon, über Sex, Politik und Korruption heißt „China Doll“ und wurde im Dezember 2015 mit Al Pacino am Broadway uraufgeführt. Wer von David Mamet, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, als Autor lernen will, kann für 180 Dollar im Jahr auch seine Online-Masterclass für kreatives Schreiben besuchen. In 26 Video-Lektionen treten dabei auch Helen Mirren, Werner Herzog, Martin Scorsese oder Ex-Schachweltmeister Garry Kasparow auf. Und sie alle stoßen heute auf ihn an!

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