Kurt Schwitters „Merzzeichnung“ (1919) Foto: Ketterer / VG Bildkunst, Bonn 2017
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Auktionsvorschau bei Ketterer Trotznagel

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Das Münchner Auktionshaus Ketterer zeigt die Highlights seiner Herbstversteigerungen in Berlin.

Tausend Mark wollte Kurt Schwitters für seine „Merzzeichnung“ von 1919 haben. Der Preis ist dokumentiert, der Künstler schrieb ihn selbst auf die Rückseite seines Kartons mit collagierten Elementen und einem Nagel, der ebenso rostig wie trotzig ins Motiv ragt.

Im Münchner Auktionshaus Ketterer führt Schwitters’ Arbeit die aktuellen Herbstauktionen an. Mit einer Schätzung von 400 000–600 000 Euro besetzt es den Spitzenplatz. Ein museales Werk. Gemeinsam mit anderen Highlights, die ab dem 7. Dezember in München drei Tage lang zum Aufruf kommen, ist die „Merzzeichnung“ nun in der Berliner Dependance von Ketterer zu Gast. Hier hängt sie neben anderen bedeutenden Losen wie Max Beckmanns „Stilleben mit Rosen“ von 1927 – einem eher untypischen Motiv, das bis ins vergangene Jahr Teil einer amerikanischen Privatsammlung war. Für das Gemälde gilt derselbe Preis wie im Fall von Schwitters.

Eine Liebeserklärung von Oskar Kokoschka an Hamburg

Man trifft auf alte Bekannte wie Emil Nolde, Gabriele Münter, Gerhard Richter, Georg Baselitz oder Günther Uecker, dessen Nagelbild „Weißes Feld“ (1965) auf 200 000 Euro geschätzt wird. Hinter anderen Namen verbergen sich ungewöhnliche Arbeiten, die aus dem Werk herausstechen. Wie bei Oskar Kokoschka, dessen Stadtansicht „Hamburg III“ von 1961 den gewohnt expressiven Duktus mit leuchtenden Farben und lichten Partien auf der Leinwand unterläuft. 200 000 Euro erwartet Ketterer mindestens dafür und stellt die moderne Vedute auf eine Ebene mit Franz Marcs Aquarell „Zwei Pferde, blaugrün“ von 1911, das zum selben Preis aufgerufen wird – ein wunderschönes, farbig akzentuiertes Blatt aus Marcs Skizzenbuch, das sich ohne diese Seite in der Sammlung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg entdecken lässt.

Ernst Barlachs "Frierendes Mädchen" als später Bronzeguss

Arbeiten von Yves Klein (Taxe: 150 000 Euro) oder Blinky Palermo (Taxe: 200 000 Euro) huldigen der sinnlichen Konzeptkunst, die Bronze „Two“ (1970) von Lynn Chatwick ergänzt das sehenswerte Angebot um eine Skulptur zum Schätzpreis von 60 000–80 000 Euro. Dreidimensionales ist sonst wenig vertreten, ergänzend tritt in der Vorschau Ernst Barlachs „Frierendes Mädchen“ (1916) auf, das als postumer Bronzeguss gefertigt wurde und 20000 Euro kosten soll.
Auktionshaus Ketterer Berlin, Fasanenstr. 70, Vorbesichtigung: 25.–29. 11. von 10–18 Uhr, 30. 11. von 10–20 Uhr

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