Neslihan Atagül spielt Zehra. Foto: One Filmverleih
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"Araf" im Kino Zwischen Himmel und Hölle

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In ihrem Film „Araf“ erzählt die türkische Yeşim Ustaoğlu von Fernweh und Hoffnunglosigkeit der Gezi-Park-Generation

Eine Autobahnraststätte irgendwo im winterlichen Anatolien. Vor den großen Fenstern sind verschwommen die Lichter vorbeifahrender Wagen zu sehen, beinahe verzaubert im Schneeregen, der alle Konturen verwischt. Drinnen ist es warm und hell. Hinter dem Tresen verteilt die junge Zehra (Neslihan Atagül) Essen auf Teller und reicht sie den müden Fahrern hinüber. Sie ist auch müde, schaut ihre Kunden nicht an, und ihr Guten-Appetit-Wunsch kommt automatisch über ihre Lippen.

Olgun (Barış Hacıhan) fährt auf einem Servierwagen Tee an die Tische; er steckt trotz des anspruchslosen Jobs voller Energie, und in Zehra hat er sich ein bisschen verguckt. Wenn der Morgen graut, kippt der Kleinbus das Personal für die nächste Schicht vor die Raststätte, und Zehra und Olgun fahren nach Hause, schlafen. Beide träumen von einem anderen Leben: Olgun will heiraten, Haus und Auto anschaffen und seine Mutter zu sich nehmen. Zehra will hinaus in eine unbestimmte Ferne. Mahur (Özcan Deniz) fährt in seinem roten Lkw immer wieder am Horizont vorbei, ein stiller, dunkler Mann, der von Zehras Fernweh ein bisschen profitiert. Und eines Tages nimmt er sie mit in ein Hotel. Und das hat fatale Auswirkungen auf Zehras und Olguns Leben.

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Araf heißt im Islam der Ort, dessen christliches Äquivalent die Vorhölle ist – eigentlich ein Unort zwischen Himmel und Hölle, von dem aus es in keine Richtung weitergeht, vorgesehen für die Gleichgültigen. Regisseurin von „Araf“, Yeşim Ustaoğlu, nebenbei eine sensible Dokumentaristin, hat nicht nur Bilder für die Tristesse des Ephemeren, sondern auch für die unaussprechlichen Sehnsüchte der Protagonisten gefunden; Andeutungen wie ein roter Farbklecks im Schneeregen, eine Hand an einer Fensterscheibe, ein verlorener Ohrring. Die beiden wortkargen jugendlichen Helden stehen für die Hoffnungslosigkeit der Gezi-Park-Generation, an der auch die Liebe nichts ändern kann: Zu reden gibt es nichts mehr, gesellschaftlicher Wandel findet nicht statt. Die aktuelle politische Lage ist unerschütterlich, selbst an Unorten wie dem Araf.

In Berlin im fsk Kino (OmU).

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