Der neue Präsident der American Academy Michael P. Steinberg. Foto: Jürgen Stumpe/American Academyp

American Academy Berlin Michael P. Steinberg, der neue Präsident, stellt sich vor

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Er hat schon mit Daniel Barenboim zusammengearbeitet und wohnte bereits als Fellow am Wannsee: Der Kulturwissenschaftler Michael P. Steinberg wird neuer Präsident der American Academy. Am Donnerstag stellte er sich vor.

Weißer Rauch über der American Academy am Wannsee: Der noch amtierende Präsident Gerhard Casper gibt sich am Donnerstag „außerordentlich glücklich“ darüber, dass die Trustees Michael P. Steinberg von der Brown University in Providence, Rhode Island, zum Präsidenten ernannt haben. Er soll seine Tätigkeit am 15. August aufnehmen. Gerhard Casper wird dann zurückkehren nach Stanford. Der 78-jährige Verfassungsrechtler hatte sein Amt von Anfang an als Übergang gesehen zwischen der Ära des langjährigen Gründungsdirektors Gary Smith und einer dauerhaften Zukunftslösung. Wie berichtet, war Michael Steinberg, der nun einen Vertrag über fünf Jahre unterschrieben hat, schon 2014  im Gespräch gewesen, allerdings standen da noch berufliche und private Gründe im Wege, so Casper. Nun, da auch die jüngsten Kinder auf dem College sind, ist der Weg frei. Wie Casper möchte auch der 59-jährige Steinberg die Academy mehr in die Mitte der Stadt holen und für jüngere Menschen noch interessanter machen. Auch soll das Thema Flüchtlinge und Integration eine größere Rolle am Wannsee spielen.

Michael Steinberg ist als Sohn deutsch-jüdischer Einwanderer in New York geboren und im deutschen Viertel Yorkville aufgewachsen. Der Vater kommt aus Pforzheim, die Mutter aus Düsseldorf. Deutsch hat Steinberg zuerst von den Großeltern gelernt, die Kenntnisse später auf dem College und an der Universität vertieft. Er wird zusammen mit seiner Frau Katharina Galor nach Berlin ziehen: Die gebürtige Düsseldorferin hat einen deutsch-israelischen Hintergrund und unterrichtet derzeit ebenfalls an der Brown Universität. Sieben Kinder haben sie, im Alter zwischen 18 und 30 Jahren, dazu einen Enkel - sie rechnen mit reichlich Besuch in Berlin.


Steinberg ist Experte für Musikgeschichte und die Kulturgeschichte Deutschlands

Die Brown University wurde im 18. Jahrhundert gegründet und zählt zu den amerikanischen Elite-Universitäten. Steinberg ist dort „Vice Provost for the Arts“ und lehrt Geschichte, Musik und German Studies. Studiert hat er in Princeton und Chicago, seine Forschungsschwerpunkte liegen auf  der Kulturgeschichte des modernen Deutschland und Österreichs, der Geschichte der deutsche jüdischen Intellektuellen und der Musikgeschichte. Gastprofessuren führten ihn nach Paris und Taiwan.

Die Liste von Steinbergs Veröffentlichungen verrät einen breiten Horizont, er publizierte ebenso über Walter Benjamin, Stefan Zweig, die Pueblo-Indianer wie über Mendelssohn oder die Salzburger Festspiele.


Beim Thema Flüchtlinge, sagt Steinberg, können Deutschland und die USA voneinander lernen

Der neue Präsident, Experte in der interdisziplinären Arbeit der Geistes- und Sozialwissenschaften, möchte mit den Stipendiaten darüber korrespondieren, was die Academy in Zukunft leisten kann. Er hat Erfahrung mit Denklaboratorien: Mit dem Cogut Center for the Humanities schuf Steinberg an der Brown University einen Think Tank der Geisteswissenschaften für die gesamte Uni. Dabei strebt er unter anderem eine Kooperation mit der renommierten Opernschule in Kapstadt an. Derzeit weilt er mit 60 Brown-Studenten in Berlin, darunter eine 18-köpfige Jazz-Band, die am Montag vor Flüchtlingen in Tempelhof aufgetreten ist. Was das Thema Flüchtlinge betrifft, sagte Steinberg am Donnerstag, könnten die USA und Deutschland  voneinander lernen. Der in Hamburg geborene US-Bürger Casper, der stets eine Verfassung in der Brusttasche trägt, ergänzte, dass die Amerikaner strenger darauf bestehen, dass Zuwanderer dieses gemeinsame Fundament auch akzeptieren.
Beim Fundraising will man künftig in den USA noch aktiver werden: Steinberg hat auch hier reichlich Erfahrung und zitiert einen an US-Universitäten verbreiteten Grundsatz: „Wenn du Geld willst, frag’ um Rat.“ Will heißen: Mit dem Geld kommen oft auch gute Ideen der Spender.

Die Villa der American Academy am Wannsee am amerikanischen Unabhängigkeitstag 2011. Foto: Imagop

Die American Academy und ihre Villa am Wannsee kennt er übrigens bereits, verbrachtet er hier doch schon 2003  viele Monate als Anna-Maria Kellen Fellow. „Eine glückliche Zeit", erinnert er sich, "hier habe ich viele Freundschaften geknüpft“. Und die Arnhold Villa, Anna-Maria Kellens  Elternhaus, ist ihm noch länger vertraut: Seine Eltern waren mit den Kellens befreundet, deren Spenden mit dazu führten, dass die Academy überhaupt ins Leben gerufen werden konnte. Bei der Vorstellung am Donnerstag erinnert sich Steinberg daran, wie Michael W. Blumenthal, der langjährige Gründungsdirektor des Jüdischen Museums Berlin, ihn damals unter seine Fittiche nahm und fragte, wen er gerne kennenlernen würde. Die Antwort, „Daniel Barenboim“, erwies sich als folgenreich: Steinberg arbeitete nicht nur als Dramaturg bei einer "Ring"-Koproduktion der Berliner Staatsoper und der Mailänder Scala. Er wirkte auch bei der Entwicklung der Barenboim-Said-Akademie mit, die demnächst ihre Arbeit aufnehmen wird.

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