Verblasste Erinnerungen. Michael Dowd wurde zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. Foto: The Seven Five/Netflixp

Koks, Knast und Netflix-DokuMichael Dowd, der schlimmste Bulle New Yorks

von Lukas Hermsmeier0 Kommentare

„Ich hab’ die Straße geliebt, den ganzen Scheiß.“ Vor 25 Jahren schrieb Michael Dowd Justizgeschichte – als korruptester Cop des NYPD. Ein Blendle-Tipp.

Den Streifenblick hat er nie abgelegt. Wenn Michael Dowd mit seinem weißen Hyundai Santa Fe durch den 75. Polizeibezirk von New York fährt, dann scannt er immer noch die Bürgersteige, so wie früher: rechts, links, rechts, „looking for perps“, nennt Dowd das, nach Verdächtigen schauen. Dabei liegt sein letzter Einsatz 25 Jahre zurück, ein Arbeitstag im Mai 1992, der mit seiner eigenen Verhaftung endete. „Ich war nicht nur bad cop, ich war auch good cop“, sagt Dowd.

Es ist das einzige Mal an diesem Tag, dass der Mann hinter dem Lenkrad untertreibt. Michael Dowd war der böse Bulle schlechthin. Als „dreckigster Polizist von New York“ und „American Gangster“ ist er in die Geschichte New Yorks eingegangen. Damals trug Dowd noch Schnauzer, und Fremde wagten sich selten in seinen Bezirk. In den Straßen von Brooklyn häufte Dowd als Drogenhändler in Uniform Macht und ein kleines Vermögen an – bis alles aufflog und Dowd in einem spektakulären Prozess zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

„Hey, wie geht’s?“, ruft der Ex-Polizist einer Frau durch das geöffnete Fenster zu, als er in seinem SUV durch seinen einstigen Bezirk rollt. Dowd trägt ein blaues, enges T-Shirt, die Arme braungebrannt, am Handgelenk eine golden-schwarz-blaue Uhr. Er flucht gerne, immer zwei Level zu laut, jedes vierte Wort ist „fuck“. Dowd, 56 Jahre alt, ist wieder mal am Boden. Er hat keinen Job, ist bei seinen Eltern eingezogen und muss sich jetzt auch noch mit der Justiz rumschlagen. Aber wenn sich jemand für seine Vergangenheit interessiert, Benzin- und Burgerrechnung übernimmt, ist der Ex-Cop dabei. Vermisst er es, Staatsgewalt zu sein? „Oh ja, ich hab es geliebt. Ich hab die Straße geliebt, den ganzen Scheiß."

Er verkauft Drogen, manchmal 35 Kilogramm Kokain pro Woche

Im Viertel East New York, ganz im Osten Brooklyns, lebt mehr als die Hälfte der überwiegend afroamerikanischen und hispanischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze, es gibt überdurchschnittlich viele Morde und Drogentote. An den Schulen müssen die Kinder Metalldetektoren passieren. Manhattan fühlt sich weit weg an, auch wenn es nur 30 Minuten Subwayfahrt entfernt liegt.

An dem Tag, als alles beginnt, erwischt Dowd, gerade zwei Jahre im Dienst, einen 18-jährigen Autofahrer ohne Papiere und Kennzeichen. Er stellt ihn vor die Wahl: „Du kannst mir ein Hummerlunch spendieren, oder ich schreib dir jede Menge Tickets.“ Der junge Mann steckt Dowd 200 Dollar zu und darf weiterfahren. Der Cop hat nun Geld für zehn Hummer zum Lunch. Und ist auf den Geschmack gekommen.

Am Anfang sind es nur kleine Schmiergelder, die der junge Beamte kassiert, bald räumt er Wohnungen aus, in denen er eigentlich Spuren sichern soll. Später verkauft er Drogen, manchmal 35 Kilogramm Kokain pro Woche, und schützt die berüchtigten Mafiosi der Stadt. Morgens zieht Dowd im Keller der Polizeiwache an der Sutter Avenue Kokain-Linien in die Nase, mittags verteilt er Bußgelder und abends transportiert er Pakete mit weißem Pulver von A nach B.

Ob er jemals ein schlechtes Gewissen hatte? „Das waren die 80er, kommt drüber hinweg, ich habe dafür bezahlt“, sagt Dowd, und korrupt seien damals die meisten Beamten gewesen, nicht nur er.

Dowd ist tief gefallen, Macht, Geld, Frauen, nichts davon ist ihm geblieben – außer ...

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