Das Herzstück des Stemos ist ein mobiler Computertomograf, der detaillierte Aufnahmen vom Hirn macht und so Blutungen und Gerinnsel offenbart. Per Telemedizin kann ein Neuroradiologe aus einer Klinik direkt in das Stemo zugeschaltet werden, um CT-Befunde zu besprechen. Natürlich darf auch die Standardausrüstung wie ein Beatmungsgerät nicht fehlen. Foto: Berliner Feuerwehr
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Interview Ein Krankenhaus auf vier Rädern

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Wie schafft man es, Schlaganfallpatienten noch schneller zu behandeln? Man bringt die Klinik zum Patienten! Über das Stroke-Einsatz-Mobil spricht der ärztliche Stützpunktleiter Martin Ebinger.

Herr Ebinger, Sie haben mit Ihren Kollegen ein kleines Krankenhaus auf Rädern für Schlaganfallpatienten entwickelt. Wie kamen Sie auf die Idee?
Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Durch die unterbrochene Blutzufuhr sterben pro Minute rund 1,9 Millionen Nervenzellen im Hirn ab. Je früher ein Schlaganfall diagnostiziert wird, desto eher kann mit der Therapie begonnen werden – und desto geringer sind die neurologischen Folgen. Deshalb haben Mediziner schon immer daran gearbeitet, die »door-to-needle-time« – also die Zeit vom Eintreffen des Patienten im Krankenhaus bis zur ersten Therapie – zu verkürzen. Da gab es in der Vergangenheit viele Fortschritte. Wichtig ist aber auch, vor den nicht nebenwirkungsfreien Therapien bei aller gebotenen Eile auch eine sorgfältige Diagnostik durchzuführen.

Weil man vor der Therapie quasi in den Kopf des Patienten blicken muss?
Genau. Und dafür brauchen sie einen Computertomografen (CT). Früher musste der Patient also erst mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht werden, um ihn dort in ein CT zu schieben. Bis die Diagnose Schlaganfall sicher gestellt werden konnte, verstrich viel wertvolle Zeit. Deshalb gab es schon immer die Idee, ein CT in einen Rettungswagen zu installieren, um ein Stück Krankenhaus zum Patienten zu bringen und so schneller mit der Therapie beginnen zu können. Die Idee wurde allerdings anfangs nur müde belächelt – die ersten CT-Generationen füllten ganze Räume und wogen Tonnen. Das konnte man nicht durch die Stadt chauffieren. Mit der Zeit wurden die Geräte allerdings kleiner. In den 1990ern begann die Entwicklung mobiler Geräte, die innerhalb des Krankenhauses transportiert werden konnten. Im November 2008 brachte dann Klaus Fassbender vom Universitätsklinikum des Saarlandes das erste CT in einem Rettungswagen auf die Straße.

"Das Stemo ist die Eierlegende Wollmilch-Sau". Martin Ebinger, Ärztlicher Stützpunkt-leiter des Stemos und Oberarzt der Neurologie am Charité Campus Mitte. Foto: Promo
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Was ist das Besondere am Stemo?
Das Stroke-Einsatz-Mobil, so der unabgekürzte Name, ist ein bisschen die eierlegende Wollmilchsau, von der alle Seiten profitieren, also die Patienten, die Ärzte und die Gesellschaft insgesamt. Neben dem CT ist der Wagen auch mit einem kleinen Labor ausgerüstet. So kann der Schlaganfall schnell diagnostiziert werden und mit der Thrombolysetherapie – kurz Lyse genannt – begonnen werden, also ein Medikament gespritzt werden, dass die Blutgerinnsel im Gehirn auflöst. Technik ist allerdings nicht alles, sie muss auch von qualifiziertem Personal bedient werden. Deshalb hat das Stemo neben einem Rettungsassistenten auch einen technischen Röntgenassistenten mit Sanitäterausbildung an Bord. Abgerundet wird das Konzept von einem in der Schlaganfallbehandlung erfahrenen Neurologen mit notfallmedizinischer Zusatzausbildung. Integriert wurde auch das telemedizinische Konzept der Brandenburger Firma Meytec – so kann sich ein Neuroradiologe aus einer Klinik per Videokonferenz direkt ins Stemo hinzuschalten.

Das vollständige Interview finden Sie im Magazin für Medizin und Gesundheit in Berlin: "Tagesspiegel Gesund - Berlins Ärzte für Gehirn und Nerven".

Weitere Themen der Ausgabe: Faktencheck. Spannende Infos über das Gehirn. Was ist Intelligenz? Über Alltagskompetenz, Situationsschläue und Persönlichkeitsmerkmale. Vernetzt. Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir etwas Neues lernen? Spielend schlau bleiben. Hellwach bis ins hohe Alter. Intelligenz lernen. 60 Prozent des menschlichen IQs bestimmen die Gene - den Rest müssen wir von Kind auf lernen. Stromlinien. Mit der Elektroenzephalografie machen Neurologen Hirnströme sichtbar - doch was bedeuten die Kurven? Arztbrief. Wie man Schlaganfälle erkennt und therapiert. Reha nach Schlaganfall. Nach einem Hirninfarkt muss sich das Denkorgan neu organisieren. Langzeit-Reha. Den Alltag wieder lernen. Signalstörung. Zittern, Krämpfe, Muskelstarre lindern - wie Hirnschrittmacher gegen Parkinson helfen. Vorbote Schlafstörung. Eine REM-Schlafverhaltensstörung deutet auf Parkinson hin - und eröffnet Medizinern neue Therapieansätze. Auf eigenen Beinen. Multiple Sklerose muss nicht im Rollstuhl enden. BSE Ade? Gefahr begannt? was ist eigentlich aus der Rinderwahn-Epidemie geworden? Gewitter im Gehirn. Was bei Epilepsie hilft. Rasende Schmerzen. Ein Clusterkopfschmerz-Patient berichtet über ratlose Ärzte und verständislose Mitmenschen. Kater - ohne Alkohol. Woher die Migräne-Attacken kommen und was gegen den Kopfschmerz hilft. Kleine Blutsauger. Zecken sind auf dem Vormarsch - und übertragen gefährliche Erreger. Borreliose und FSME. Wie man die Zeckenkrankheiten erkennt und therapiert. Außerdem: Kliniken und Rehazentren im Vergleich. "Tagesspiegel Gesund" - Jetzt bei uns im Shop

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