Strom für morgen. In Berlin-Schöneberg entsteht ein energetischer Modellkiez, der sich mit Ökostrom versorgen soll. Eine intelligente Schaltung des Netzes soll Angebot und Nachfrage austarieren. Foto: Kai Abresch
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Intelligente Energie für den Kiez

Paul Janositz
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Auf dem TU-Forschungscampus am Gasometer wird ein autarkes, klimaschonendes Netz aufgebaut.

„Dieser interaktive Tisch hat großen Zulauf. Besucher aus der ganzen Welt wollen sehen, wie das Smart Grid funktioniert“, sagt Dagmar Simon. Die zweite Geschäftsführerin der „TU-Campus Euref gGmbH“ drückt auf den Touchscreen. Vierecke, Dreiecke oder Kreise mit Symbolen von Sonne, Wind, Auto oder Haus werden sichtbar. Punkte und farbige Linien tauchen auf und verschwinden. Das Spiel demonstriert intelligente Stromnetze, die so geregelt werden, dass Angebot und Nachfrage ausgeglichen sind.

Natürlich geht es um klimafreundlich erzeugten Strom. Schließlich befindet sich die Simulation im Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ), auf dem Euref (Europäisches Energie Forum)-Gelände in Berlin-Schöneberg. Hier dreht sich alles um die Wende hin zu erneuerbaren Energiequellen. Aber auch darum, wie Vertrauen und gesellschaftliche Akzeptanz erreicht werden können.

So ist auf der ehemaligen Brache in den letzten Jahren eine muntere Szene entstanden mit einem attraktiven Mix an Gewerbe, Seminarräumen, Forschungsstätten und Gastronomie. Im sanierten Wasserturm bietet die „TU Campus Euref gGmbH“ seit dem Wintersemester das Masterprogramm „Stadt und Energie“ an. Darin fließen ständig neue wissenschaftliche Erkenntnisse ein. Gleich daneben befindet sich auch der „Euref-Forschungscampus Mobility2Grid“. Er wurde als einer von zehn bundesweiten Preisträgern beim Wettbewerb „Forschungscampus: öffentlich-private Partnerschaft für Innovationen“ des Bundesforschungsministeriums ausgewählt. Dafür stehen 3,6 Millionen Euro für die Erforschung von nachhaltiger Energie- und Mobilitätsentwicklung bereit.

In dem Projekt sollen Elektromobilität praxisnah erforscht und energietechnische Ansätze mit urbanen Konzepten gekoppelt werden. „In einzigartiger Weise verbindet der Forschungscampus die Themen Elektromobilität, Energie in der Stadt und intelligente Netze“, sagt Professor Frank Behrendt, Geschäftsführer des TU Campus Euref gGmbH und Leiter des Innovationszentrums Energie an der TU.

Im Zentrum steht das Forschungslabor „Micro Smart Grid“. Das Euref-Gelände bildet eine urbane Einheit, einen energetisch alternativen Kiez, der als Praxistest für die Energie- und Verkehrswende dienen soll. Flexible Solaranlagen, kleine, geräuscharme Windräder, schnell ladende Elektrotankstellen, Blockheizkraftwerke oder leistungsfähige Batterien sind Bausteine eines Netzes, das autark funktionieren soll. Solche Stromnetze können dazu beitragen, Energie zu sparen und das Klima zu schonen, etwa indem Angebot und Nachfrage austariert werden.

Die im Schöneberger Modellkiez gewonnenen Ergebnisse sollen später auf größere Regionen übertragen werden. Dazu arbeiten auf dem Forschungscampus Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Akademischer Hauptakteur ist die TU Berlin. Dazu gehört unter anderen das Fachgebiet „Sense“ (Sustainable Electric Networks and Sources of Energy), das sich mit der nachhaltigen Energieversorgung beschäftigt und von Professor Kai Strunz geleitet wird.

Die Idee ist, Elektroautos als Puffer zu verwenden, um die jeweilige Nachfrage ans wetterbedingt schwankende Angebot von Wind- und Sonnenstrom anzupassen. In Zeiten mit geringer regenerativer Einspeisung geben sie einen Teil der Batterieladung ab, um in Phasen mit viel Wind oder Sonnenschein wieder aufgeladen zu werden. Auf dem InnoZ-Touchscreen lässt sich heute schon nachvollziehen, wie das im Micro Smart Grid einmal funktionieren könnte. Paul Janositz

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