Fröhlichkeit hält jung: Lachfalten stehen uns in jedem Alter. Foto: Mauritius Imagep

Gesund leben Warum uns die Zeit verändert

Leonard Hillmann
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Jeder weiß, dass alle Menschen älter werden. Aber was steckt eigentlich biologisch dahinter?

Mit der Geburt beginnt das Altern. Streng genommen auch schon davor, aber da würde man eher von der „Embryonalentwicklung“ sprechen. Und später dann, im Kindes- und Jugendalter, da wächst man, da reift man, da sammelt man Erfahrung ... Gefühlt klingt das jedenfalls besser, als dass man „altert“. Genauso, wie man als Erwachsener welterfahrener und als Senior weiser wird. Haben Sie es gemerkt? Allein schon das Verb „altern“ wird oft vehement vermieden, assoziiert man damit doch häufig eher Negatives. Aber warum eigentlich? Schließlich ist der Umgang mit dem „Altern“ ganz natürlich, unvermeidlich und betrifft uns alle. Eitelkeiten sind da fehl am Platze.

Warum altern wir?

Die großen Barocklyriker des 17. Jahrhunderts sähen das allerdings anders - für Andreas Gryphius etwa war alles eitel. Im damaligen Sprachgebrauch meinte „eitel“ allerdings so viel wie „vergänglich“. Und mit der eigenen Vergänglichkeit haben sich die Menschen schon immer beschäftigt: So hat man sich bereits seit Anbeginn der Menschheit in allen Kulturen, in allen Religionen und an allen Orten dieser Welt mit dem potentiellen Sinn des eigenen Todes auseinandergesetzt. Aber die eigentliche Grundsatzfrage dabei lautet, warum Lebewesen überhaupt altern beziehungsweise warum sie nicht ewig jung bleiben. „Das ist bis heute auch in wissenschaftlichen Fachkreisen nicht detailliert geklärt“, sagt Stefan Schreiber, Alterungsforscher am Universitätklinikum Schleswig-Holstein. Im Gegenteil, heute existieren weit über 300 Theorien zum Altern mit unterschiedlichen Erklärungsansätzen - die sich teilweise ergänzen, mitunter aber auch widersprechen: Eine Theorie nimmt beispielsweise an, dass mit zunehmender Lebensdauer die Zelle immer fehleranfälliger für Störprozesse wird, ein anderer Ansatz vermutet Zufallsschäden an der DNA als Ursache für den Alterungsprozess. Auch hormonelle Veränderungen im Körper, Einschränkungen des Immunsystems oder zerstörerisch wirkende Moleküle wie freie Sauerstoffradikale werden mit körperlichen Verschleißprozessen und einem biologischen Verfall im Alter in Verbindung gebracht.

Einig sind sich die meisten Forscher allerdings in der Annahme, dass die grundsätzliche Ursache für das Altern und Sterben die Entwicklung des Lebens auf der Erde ist. „Die Evolution hat dafür gesorgt, dass sich verschiedene Spezies bestimmten Umweltverhältnissen anpassen müssen und dabei unterschiedlich schnell neue Generationen zum Arterhalt hervorbringen“, sagt Schreiber. Im Kampf ums Überleben könnten dann die fittesten - also die am besten angepassten - Individuen einer Population den Genbestand zukünftiger Generationen auch am positivsten beeinflussen. „Damit für diese neue, anpassungsfähigere Generation aber auch ausreichend Platz zur Verbreitung ihrer Gene zur Verfügung steht, müssen die älteren Generationen irgendwann weichen.“ Und das könne in der Evolution manchmal auch plötzlich mit einem verheerenden Sterben einsetzen, etwa wenn prägende Umwelteinflüsse selektiv wirkten. Mit anderen Worten: Die Natur beseitigt die Alten, damit die Jungen leben können - so drastisch formuliert klingt die Antwort auf eine der Grundfragen der Menschheit.

Das vollständigen Text finden Sie im Magazin für Medizin und Gesundheit in Berlin: "Tagesspiegel Gesund - Fit und gelassen älter werden".

Weitere Themen der Ausgabe: Was die Biologie sagt. Ein Altersforscher erklärt, warum und wie sich der Körper im Laufe des Lebens verändert. Jungbrunnen. Welche Lebensmittel lange fit halten. Fit für die Enkel. Sport im Verein macht Spaß und stärkt das Familienleben. Sex im Alter. Auch mit 70 oder 80 wollen Menschen nicht auf die Lust verzichten. Die Kraft der Pflanzen. Helfen Gingko, grüner Tee oder Ginseng gegen Altersbeschwerden? Kaufberatung. Welche Sehhilfen und Hörgeräte sich wann wirklich lohnen. Den Notruf wählen. Trotz Gebrechen sicher zu Hause. Helfer ja, Pfleger nein! Wie nützlich können Roboter sein. Heilkunde für das Altern. Geriater - die Spezialisten für Senioren. Immer schlau bleiben. Wirkungsvolles Training für das Gehirn. Grauer Star. Wie die trübe Linse wieder klar wird. Schwache Knochen. Osteoporose ist behandelbar. Diabetes. Was gegen den Zucker hilft. Gefährlicher Cocktail. Zu viele Arzneien schaden. Raus aus dem Dunkel. Wie man der Depression entkommt. Außerdem: Kliniken und Arztpraxen im Vergleich.

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