Der Macher. Joshua Kriesmann rief mit einer Gruppe von Freunden eine Spendenaktion für Geflüchtete ins Leben. Foto: Privat
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Schüler Treffen Flüchtlinge „Wir wollten etwas tun!“

Jonas Huggins
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Der Student Joshua Kriesmann engagiert sich für Flüchtlinge. Noch in der Schule gründete er ein Verein, der Schüler und Geflüchtete zusammenbringt.

Manchmal muss erst einmal etwas schiefgehen: Rund 25 junge Menschen waren zum ersten Treffen gekommen, das Joshua Kriesmann im September 2015 organisiert hatte: zur Hälfte Schülerinnen und Schüler, zur Hälfte junge Geflüchtete. Es wurde gemeinsam gekocht, bei den Vorbereitungen in der Küche hatte sich die Gruppe schnell kennengelernt. Doch plötzlich brannte der Ofen, erzählt Joshua Kriesmann. „Das war so natürlich nicht geplant“, erzählt der 20-Jährige. Doch gemeinsam das Feuer zu löschen, habe die Gruppe zusammengeschweißt.

Das ist zwei Jahre her, seitdem hat jeden Monat ein Treffen stattgefunden – organisiert vom gemeinnützigen Verein „Schüler Treffen Flüchtlinge e.V.“ (STF), den Joshua Kriesmann – damals noch Oberstufenschüler – mit Mitschülern gegründet hat. Bis heute hat der Verein Hunderte Berliner Schülerinnen und Schüler und Geflüchtete in Kontakt miteinander gebracht. Gerade ist der Jurastudent der Freien Universität im Rahmen des bundesweiten Start-Social-Wettbewerbs unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel für sein „vorbildliches Engagement“ geehrt worden.

"Man ist uns Schülern mit viel Skepsis begegnet"

Auf die Idee war Joshua Kriesmann über sein Hobby gekommen: Anfang 2015 hatte er an seiner Reinickendorfer Schule eine Model-United-Nations-Konferenz mitorganisiert. Bei diesen Planspielen schlüpfen die Teilnehmer in die Rolle von Delegierten bei den Vereinten Nationen. Das Thema der simulierten Konferenz war die globale Flüchtlingskrise. „Das hat meine Mitschüler und mich sensibilisiert“, sagt Joshua Kriesmann. „Wir wollten etwas tun!“ Deshalb rief er mit einer Gruppe von Freunden eine Spendenaktion ins Leben, um den Flüchtlingsunterkünften zu helfen.

Nur ein Prozent aller, die sich ehrenamtlich in diesem Bereich engagierten, seien Schüler, betont Joshua Kriesmann, der mittlerweile im dritten Semester an der Freien Universität Jura studiert. Er glaubt, dass hier ein großes Potenzial besteht, es aber gerade für diese Gruppe besondere Hürden gebe: Als Joshua Kriesmann nach einem Abnehmer für Sachspenden gesucht habe, hätten ihm die meisten Flüchtlingsunterkünften gar nicht geantwortet. „Man ist uns Schülern mit viel Skepsis begegnet“, sagt der Student heute.

Die Vereinsgründung war eine bürokratische Mammutaufgabe

Darum habe er den Verein „Schüler Treffen Flüchtlinge“ gegründet: „Das war zwar ein bürokratischer Aufwand, aber so konnten wir Fördergelder von Stiftungen und politischen Einrichtungen beantragen." „Schüler Treffen Flüchtlinge e. V.“ organisiert regelmäßig zwei unterschiedliche Arten von Begegnungen: Unter dem Motto „STF-Entdeckt!“ unternehmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Ausflüge in Berlin, zum Beispiel eine Führung durch den Bundestag. Bei „STF-Kocht!“ werden gemeinsam Gerichte aus Deutschland und den Herkunftsländern der Flüchtlinge zubereitet, also etwa aus Syrien und Afghanistan. Joshua Kriesmann hofft, dass das Interesse weiter wächst.

Geflüchtete und Schüler können sich online für die Treffen anmelden. Informationen zu „Schüler Treffen Flüchtlinge e.V.“ finden sich unter www.stfberlin.de.

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