Bedroht werden die Bienenvölker von Varroa-Milben. Foto: Fotolia/Benshotp

Medikamente gegen Parasiten Heilsamer Dampf im Bienenstock

Nora Lessing
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Varroa-Milben vernichten ganze Bienenvölker und richten so auch beträchtlichen ökologischen Schaden an – Wissenschaftlerinnen der Freien Universität erforschen Medikamente gegen die Parasiten.

Sie bestäuben rund 80 Prozent der wildblühenden Pflanzen, sind wichtige Nutztiere und faszinieren durch ihr komplexes Sozialverhalten: Honigbienen. Seit den 1950er Jahren jedoch sind die europäischen Bienenvölker massiv bedroht. Ursache ist der Befall mit einer parasitären Milbe, die durch Seefahrer aus Asien nach Europa eingeschleppt wurde. Varroa destructor heißt die Spinnentierart, die der europäischen Honigbiene bis heute schwer zu schaffen macht.

„Varroa-Milben heften sich an den Körper der Bienen und ernähren sich von ihrem Blut, der sogenannten Hämolymphe“, sagt Marika Harz, Diplombiologin und Promovendin an der Freien Universität. Gemeinsam mit Professorin Eva Rademacher, die ihre Doktorarbeit betreut, und ihrer Kollegin Saskia Schneider erforscht sie die Wirkung von Medikamenten, die der europäischen Honigbiene im Kampf gegen den Parasiten helfen sollen.

„In Asien hat sich im Laufe eines jahrhundertelangen Prozesses ein Gleichgewicht zwischen Bienen und Milben entwickelt“, erklärt Marika Harz. Die europäischen Bienen hingegen seien nicht auf die Parasiten eingestellt. „Die Bienen hier haben einen anderen Körperbau und sind stark beborstet, sodass sich Varroa-Milben sehr gut an ihnen festhalten können“, sagt die Promovendin. Während asiatische Bienen die Brutkammern säuberten und die Parasiten totbissen, hätten europäische Bienen bislang keine adäquaten Verteidigungsstrategien gegen die schädlichen Blutsauger entwickelt.

„Viele Individuen sind bereits stark geschädigt, wenn sie schlüpfen, weil sich der Parasit in der Brut vermehrt und zusätzlich andere Krankheitserreger überträgt – unter anderem ein Virus, das die Flügel der Bienen deformiert“, sagt Marika Harz. Unbehandelt breche eine infizierte Population daher nach zwei bis drei Jahren zusammen.

Die ökologischen Folgen des massenhaften Bienensterbens seien beträchtlich, ganze Ökosysteme durch den Vormarsch der Milbe gefährdet, erklärt die Biologin. „Als das Problem erstmals auftrat, musste schnell eine Lösung gefunden werden. Man hat die Bienen mit Tierarzneimitteln gegen Zecken und Milben behandelt. Diese wirken allerdings sehr spezifisch, sodass sich schnell Resistenzen herausbilden.“ Zusätzlich problematisch sei, dass die Medikamente über den Honig in den menschlichen Körper gelangten. „Es finden sich stets Rückstände in Honig und Wachs. Jedes Medikament, mit dem Bienen behandelt werden, fällt darum unter das Arzneimittelgesetz.“ Auch die schiere Zahl der zu behandelnden Individuen erweist sich für die Forscher als Herausforderung. „Im Sommer besteht ein Volk aus bis zu 80 000 Bienen. Die kann man natürlich nicht alle einzeln therapieren“, sagt Harz.

Eine neue Behandlungsidee entstand schließlich aus dem Blick in die Natur. „Man hat beobachtet, dass sich Hühner gegen Parasiten zur Wehr setzen, indem sie Ameisen aufpicken und sich in der freiwerdenden Säure wälzen“, sagt Harz. In der Folge hätten Forscher mit verschiedenen organischen Säuren experimentiert und damit deutliche Erfolge im Kampf gegen die Varroa-Milbe erzielt, berichtet die Wissenschaftlerin. „Oxalsäure im Bienenstock zu verdampfen, ist im Moment eine sehr gängige Behandlungsmethode. An der Entwicklung und Etablierung dieser Therapieform war Professorin Eva Rademacher maßgeblich beteiligt.“

Wie genau sich die Behandlung auf Bienenvölker auswirkt, untersuchen Marika Harz und ihre Kollegin Saskia Schneider nun in ihren Dissertationsprojekten. „Das rasante Bienensterben hat Imker und Wissenschaftler unter Zugzwang gesetzt. Es war wichtig, schnell ein Gegenmittel zu finden, sodass etwaige Nebenwirkungen zunächst eine untergeordnete Rolle spielten.“ Die Forschung der Biologinnen zeige nun, dass die Behandlung mit Oxalsäure nicht spurlos an den Bienen vorbeigehe und sich auf deren Flug-, Lern- und Sozialverhalten auswirke. „Festhalten lässt sich, dass die gute Wirksamkeit des Präparates die Nebenwirkungen aufwiegt. Es ist jedoch wichtig, diese Effekte zu kennen – unter anderem, um die Behandlung der Bienen anpassen zu können.“

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