Die Vorstandsmitglieder von Berlin leuchtet: Carsten Kollmeier (links) und Uwe Timm (rechts) Foto: Berlin leuchtet e.V.p

Interview mit Carsten Kollmeier und Uwe Timm „Keine Wettbewerbsveranstaltung“

Deborah Schaper
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Der Verein „Berlin leuchtet" lässt in diesem Jahr gemeinsam mit dem „Festival of Lights" Berlin erstrahlen. Ein Gespräch mit den Vorstandsmitgliedern Uwe Timm und Carsten Kollmeier über die Lichterfeste Berlins.

Was waren ihre Motive den Verein "Berlin leuchtet" zu gründen?

U.Timm: Das was dahinter steht ist schon 10 Jahre alt. Die Agentur Zander hat in den letzten neun Jahren auch sicherlich das Lichterfest professionalisiert und weiterentwickelt. Nichts desto trotz haben sich einige Akteure im letzten Jahr zusammengesetzt und sich überlegt, dass nach zehn Jahren etwas Zukunftsweisendes passieren muss.

Wir hatten zwei Anliegen: Zunächst wollten wir das Lichterfest stärker in Gesellschaft und Unternehmen verankern. Inhaltlich soll das Ganze breiter gefasst werden als nur der Event im Oktober. Wir glauben, dass sich mit einer Vereinsstruktur, zumindest die Nähe zu den Unternehmen gut realisieren lässt. Mehr Inhalte abzudecken ist eine Aufgabe für die nächsten Jahre. Daran werden wir im nächsten Jahr mit unseren Partnern arbeiten.

Einige Stimmen behaupten, dass der Hauptgrund für ihre Entscheidung "Berlin leuchtet" zu gründen die Tatsache war, dass das "Festival of Lights" sich zu sehr in Richtung Kommerz entwickelt hat und zu wenig Fokus auf die Kunst an sich legt. Ist auch das ein Grund gewesen?

U.Timm: Bürgerschaftliches Engagement ist das was uns treibt. Wir haben den Antrag auf Gemeinnützigkeit gestellt. Es gibt allerdings noch keine Entscheidung. Wir wollen auch gar keine Gewinne machen. Das ist ein Unterschied zu einer Agentur, die an so etwas Geld verdienen. Das ist für uns aber nicht das entscheidende Kriterium. Diese Unterscheidung zwischen Kommerz und bürgerschaftlichem Engagement hat die Presse so aufgebracht.

Für uns ist das Licht ein Symbol für Dinge in denen Berlin an der Spitze liegt. Das kann Wissenschaft, Kultur oder Kunst sein, aber auch die Eigenschaft Berlins nie fertig zu sein.

Der Event im Oktober erzeugt natürlich die größte Aufmerksamkeit bei den Menschen. Darauf wollen wir nicht verzichten. Mit dem inhaltlichen Ansatz gehen wir über das hinaus, was das "Festival of Lights" war und sein kann.

Wie sieht ihre Kooperation mit den Veranstaltern des "Festival of Lights" aus?

U.Timm: Wir sind zwei verschiedene Initiatoren. Sowohl "Festival of Lights" als auch "Berlin leuchtet" sind eingetragene Marken, aber zwei getrennte Strukturen. Zwei Plattformen, wenn man so will. Wenn es um die Öffentlichkeitsarbeit geht, haben wir ganz klar vereinbart, dass wir eine gemeinsame Pressekonferenz machen und unsere Programme wechselseitig abzudrucken, um es den Besuchern zu vereinfachen. Es ist wirklich keine Wettbewerbsveranstaltung. Wir sind beide mit der Zentrale am Potsdamer Platz. Dort finden auch unsere Eröffnungsveranstaltungen statt, allerdings zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Gibt es denn einen Unterschied zwischen dem "Festival of Lights" und "Berlin leuchtet"?

U.Timm: Das kommt drauf an. Wenn man das Konzept und die Struktur betrachtet, dann gibt es Unterschiede. Für die Menschen, die durch die Straßen laufen nicht. Ich glaube auch, dass es niemanden interessiert, ob das Brandenburger Tor von dem einen oder von dem anderen beleuchtet wird.

C.Kollmeier: Die Form der Kommunikation und des Netzwerks ist ein Punkt in dem wir uns definitiv unterscheiden.Wir können miteinander sprechen. Die Vereinsmitglieder treffen sich regelmäßig und beauftragen nicht eine Agentur, sondern man redet miteinander. Da entstehen völlig neue Ideen.

Wer finanzieren Sie die Veranstaltung neben den großen Sponsoren und gibt es eine Entlohnung für die Künstler?

U.Timm: Im Großen und Ganzen wird der Event von den Mitgliedern gestemmt. Wir haben aber auch sogenannte Drittsponsoren. Ein Unternehmen stellt uns Werbeplätze zur Verfügung, zwei große Druckereien haben nicht nur das Programm und die Pressemappen, sondern auch 10.000 Plakate gedruckt. Unser Kurator Andreas Boehlke zieht mit seiner Elektrofirma Kabel, stellt Scheinwerfer und schafft so den Arbeitsraum für die Künstler. Die Künstler und Techniker, die anreisen können dann bei Mitgliedern von uns, die Hotels besitzen kostenlos unterkommen. Das eine oder andere Mitglied zahlt auch richtig Geld.

C.Kollmeier: Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Beleuchtung in der Vergangenheit wie heute vom Besitzer des Gebäudes getragen wird. Das war schon immer so und es wird weiter so sein. Dieses Geld bekommt nicht der Verein, um jemanden zu beauftragen, sondern das machen die Leute direkt.

U.Timm: Das ist in der Regel identisch zum „Festival of Lights“. Bis auf solche Objekte wo der Verfügungsberechtigte ungleich dem Besitzer ist. Zum Beispiel der Gendarmenmarkt gehört dem Bund und dem Land Berlin. Da gibt es dann die BIN, das ist eine Gesellschaft in der alle Immobilien drin sind, die gestatten uns das, den zu beleuchten, zahlen dafür aber leider nichts. Dafür haben wir dann Sponsoren.

Gibt es besondere Highlights, die sie gerne herausstellen würden?

C.Kollmeier: Die ganze Stadt ist ein Highlight! Der Gendarmenmarkt, die Siegessäule und für jeden der mitmachen will die Caramboulage am Europa Center oder die größte Leinwand der Stadt am Dom Aquarée mit 150 laufenden Metern. Letzten Endes kann man nichts Einzelnes hervorheben.

Wir werden versuchen auch den Menschen, die nicht vor Ort dabei sein können zu erreichen. Mit unseren Fotografen, über Social Media und virales Marketing, soll ganz viel Werbung für die Stadt gemacht werden. Darum geht es letztendlich. 

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