Ana-Cristina Grohnert ist Generalbevollmächtigte der Allianz Deutschland AG, Leitung Personal und Interne Dienste und Vorstand der Charta der Vielfalt. Foto: promo
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Ist Diversity in Gefahr? Bedrohte bunte Welt

Ana-Cristina Grohnert Michel Abdollahi Albert Kehrer Daniel Gyamerah
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Politische Parteien und andere Gruppen machen weltweit mobil gegen Minderheiten und Andersdenkende. Ist Diversity in Gefahr? Wie gehen wir damit um? Vier Experten berichten.

Diversity braucht Kultivierung

Aus der Studie „Diversity in Deutschland“ wissen wir: Das Konzept der Vielfalt steht in Deutschland noch am Anfang. Es ist gewissermaßen ein zartes Pflänzchen, das sich im Dickicht des Organisationsdschungels erst noch Bahn brechen muss. Eine Pflanze braucht Licht, Luft und Wärme, um zu wachsen. Vielfalt braucht Offenheit, Pflege, und Geduld. Geduld ist in Zeiten rasanter Veränderungen eine kostbare und knappe Ressource. Der Veränderungsdruck von Globalisierung und technologischem Fortschritt scheint unsere bisherigen Zeitmaße außer Kraft zu setzen. Wir spüren diesen Druck, wir sehen die Notwendigkeit, uns zu verändern. Und in der Tat gibt es Aufgaben, die man sofort anpacken kann. Doch gerade kulturelle Veränderungen geschehen nicht über Nacht. Diversity-Management ist eine solche Kultivierungsaufgabe. Wachstum ist kein sprunghafter, sondern ein kontinuierlicher Prozess, und aus einem kleinen Setzling wird nicht schon bis zum nächsten Morgen die stattliche Eiche. Ist Diversity in Deutschland in Gefahr? Haben sich die Umweltbedingungen, hat sich das Klima für das zarte Pflänzchen so sehr verändert, dass es nicht mehr wachsen kann? Gibt es gar „Feinde“, die es ausreißen oder zertreten wollen? Mag sein, dass der Boden für Diversity momentan etwas hart ist. Doch die größte Gefahr ist unsere eigene Ungeduld und zugleich unsere Nachlässigkeit als Gärtnerinnen und Gärtner, als Kultivierer. Wir müssen uns selbst gelegentlich in Erinnerung rufen, warum wir diese manchmal mühselige Gartenarbeit leisten: Weil wir später einmal davon profitieren. Weil wir unsere Unternehmen und unsere Organisationen als Ökosystem betrachten müssen, die auf Wachstum abzielen. Und weil wir in diesem Ökosystem regelmäßig die Früchte unserer Arbeit ernten wollen. Biologen würden uns auf den Umstand hinweisen, dass Vielfalt der natürliche Zustand eines Ökosystems ist. Und dass fehlende Vielfalt gleichbedeutend ist mit Instabilität, Krisenanfälligkeit und der Existenzfrage. Insofern können wir festhalten: In Gefahr ist letzten Endes nicht die Vielfalt. In Gefahr sind diejenigen, die ihre Bedeutung nicht rechtzeitig erkennen.

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