Langes Warten. In den Hangars des Flughafens Tempelhof wohnen immer noch 247 Flüchtlinge. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpap

Wohnraumknappheit in Berlin Tausende Flüchtlinge sitzen noch in Notunterkünften fest

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9500 Asylbewerber mit Aufenthaltsstatus finden keine eigene Wohnung. Berlin baut weiter mobile Unterkünfte und Containerdörfer.

Immer mehr Asylbewerber mit Aufenthaltsstatus konnten in diesem Jahr im Vergleich zu dem Vorjahreszeitraum in Wohnungen ziehen. 3082 Asylbewerber zogen zwischen Januar und August in eine eigene Unterkunft – eine Steigerung von 26 Prozent im Vergleich zu 2016. Zwischen Januar und August des Vorjahres konnte das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) lediglich 2445 Personen in Wohnungen vermitteln.

Nicht registriert sind beim LAF Asylbewerber, die selbst Wohnungen gesucht und gefunden hatten. Allerdings leben 9500 Asylbewerber, die bereits einen Aufenthaltsstatus haben, weiterhin in Unterkünften. Insgesamt sind in Berlin derzeit 26.237 Menschen in sieben Erstaufnahmeeinrichtungen, 61 Gemeinschaftsunterkünften und 32 Notunterkünften untergebracht.

Integrationssenatorin Elke Breitenbach (Linke) sagte dem Tagesspiegel Anfang August, wenn an einem Tag 500 Flüchtlinge in Berlin ankommen würden, könnten sie auch sofort untergebracht werden. Bis Ende des Jahres sollen rund 4000 Plätze in zehn Mobilen Unterkünften für Flüchtlinge, MUFs genannt, bereitstehen. Laut Auskunft des LAF-Sprechers wurden inzwischen sechs MUFs in Berlin errichtet. Noch in dieser Woche öffnet eine weitere von der AWO betriebene Unterkunft mit 400 Plätzen in der Freudstraße 4 in Spandau. Dort ist am heutigen Donnerstag ab 15 Uhr Tag der offenen Tür. Weitere 4500 Plätze sollen 2018 in den plattenbauartigen Wohnblöcken entstehen. Nach den Plänen des Senat sollen die MUFs langfristig als Studenten- oder Sozialhilfewohnungen oder integrative Wohnprojekte dienen.

Zehn Containerdörfer bis Ende des Jahres

Zehn Containerdörfer sollen bis Ende des Jahres aufgestellt werden. Zurzeit gibt es sechs Standorte mit 2000 Plätzen. Laut LAF-Sprecher sollen zeitnah weitere 750 Plätze hinzukommen: ein Doppelstandort in der Elisabeth-Aue in Pankow mit 500 Plätzen und ein Tempohome in der Lissabonallee in Steglitz-Zehlendorf mit 250 Plätzen. Und Ende Oktober, Anfang November soll das Containerdorf auf dem Tempelhofer Feld zwischen Flughafengebäude und Flugfeld bezogen werden. Dort soll es 1000 Plätze geben.

Bis Ende des Jahres dürfte der Bedarf wieder steigen

Zwar wurden alle Turnhallen und das ICC inzwischen freigeräumt, doch leben in Berlin weiterhin Menschen in Notunterkünften. In den ehemaligen Flughafenhangars in Tempelhof sind immer noch 247 Menschen untergebracht. In großen Notunterkünften in der Mertensstraße in Spandau leben ebenfalls 744 Flüchtlinge, in Teilen der ehemaligen Kaserne an der Schmidt-Knobelsdorf-Straße in Spandau 666 Flüchtlinge und im früheren Rathaus Wilmersdorf am Fehrbelliner Platz 603 Menschen.

Bis Ende des Jahres dürfte der Bedarf wieder ansteigen. Dieses Jahr kamen bisher 5332 Flüchtlinge nach Berlin, im August waren es 732 – ein leichter Anstieg zu Juli mit 670 schutzsuchenden Menschen. Im gesamten Jahr 2016 kamen 16 889, im Jahr 2015 dagegen 55 001 Flüchtlinge in die Stadt.

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