Tuschel, tuschel. Freundschaften unter Kindern werden schnell geschlossen - dabei geht es oftmals aber auch ganz schön zickig zu. Doch wie heißt es in dem Song von Queen? - "Friends will be friends". Foto: imago/MITOp

Was macht die Familie? Freundschaften schließen

Tanja Buntrock
0 Kommentare

Poesiealben, Freundebücher, Zickenkrieg: Die Tochter unserer Redakteurin ist mit Freundschaftsgeschichten beschäftigt.

Als Mutter mache ich mir über verschiedene Dinge Sorgen. Um eines nicht: Dass meine Tochter vereinsamen könnte. Egal, wo wir sind, ob auf dem Spielplatz, im Urlaub, in der Kinderbetreuung des Fitnesscenters oder im Sportverein – meine Siebenjährige hat sofort „beste Freundinnen“ kennengelernt. Sie wechseln nahezu täglich.

Als wir vor zwei Jahren von der Kita mit dem Rad nach Hause fuhren, instruierte ich sie erneut, dass sie doch bitte rechts von mir fahren solle, damit ich als Schutz vor ihr bin – falls ein Auto rasant um die Ecke biegt. Einen kurzen Moment stellte sie sich das Szenario vor, wie mich ein Fahrzeug erfasst. Dann sagte sie: „Das wäre traurig. Aber vielleicht kann ich dann bei Leyla wohnen?“ Als wir kürzlich ein Mädchen zum Eisessen trafen, das nach den Sommerferien in ihre Klasse gehen wird, textete sie das noch etwas schüchterne Kind eineinhalb Stunden zu. Als deren Mutter und ich am Ende des Treffens zum Aufbruch ansetzten und uns alle verabschiedeten, fragte mein Kind: „Wann kann ich bei euch schlafen?“ Und wenn sie ihre alte Krippen- und Kindergartenfreundin Fritzi aus Kreuzberger Zeiten trifft, ist es nach wenigen Minuten so, als hätten die beiden sich täglich gesehen. Alte Freundschaft rostet nicht.

Ich dachte, die Ära der "Freundebücher" hätte ich vor 30 Jahren hinter mir gelassen

Seit meine Kleine in der Schule ist, hat auch wieder die Ära der „Freundebücher“ begonnen, von der ich dachte, dass ich sie vor mehr als 30 Jahren hinter mir gelassen hätte. Bei uns kursierten damals noch Poesiealben, in die man sinnstiftende Sätze kaligrafierte wie „Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken. Nur die eine nicht – denn sie heißt Vergissmeinnicht“. Die meisten Freundebücher heute sind einfallslose Abfragebögen. Neben die Zeile „Lieblingsgetränk“ schreibt mein Kind grundsätzlich „Cola“. Lieblingsbeschäftigung: Fernsehen. Beides ist weit entfernt von der Realität.

Diesen Zettel hat die Tochter unserer Redakteurin mit ihrer Freundin verfasst, um Freundschaftsregeln festzuhalten. Foto: privat/tabup

In jüngster Zeit hat es ein paar Unstimmigkeiten, ja, Zickereien, zwischen den Mädchen in ihrer Klasse gegeben – den bekannten Machtkampf unter dem Motto „Das ist meine beste Freundin, und du darfst nicht mitspielen“. Das Kind weinte. Das Ganze führte dazu, dass bereits am Tag vorher panische Absprachen gehalten wurden, wer mit wem wann am nächsten Tag spielen darf. Zeit für uns Mütter, sich kurz einzuschalten. Doch die Kinder waren auch nicht untätig. Meine Tochter hat mit einer ihrer Freundinnen einen Sechs-Punkte-Plan in Erstklässler-Lautschrift auf einem Zettel verfasst: „Wir einigen uns zuerst. Wir streiten uns nicht. Es gipt keinen Schef. Wir halten zusamen. Wir sint immer Freunde. Wir könen uns Auf uns farlassen.“ Diese Geschäftsordnung der Mädchen hat geholfen.

Wer nachlesen möchte, was Erziehungswissenschaftler zum Thema meinen: www.erziehungswissenschaften.hu-berlin.de/de/grundschulpaed/abteilung-grundschulpaedagogik/informationen/downloads/dateien-fuer-webseite/und-ploetzlich-waren-wir-freunde

Zur Startseite