Das Interieur ist hübsch puristisch: das "Hallmann & Klee" in Neukölln. Foto: Hallmann & Klee / promop

Von TISCH zu TISCH Hallmann & Klee

Bernd Matthies
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Dieses Neuköllner Restaurant will erstklassig sein - vom Frühstück bis zum Abendessen. Ein hoher Anspruch...

Der Normalfall in der Berliner Gastronomie sieht ja so aus, dass jemand was eröffnet, den Sturm der Berichte, Kritiken, Blognotizen abwartet und sofort von den nächsten Eröffnungen überrollt wird. Dann beginnen die Mühen der Ebene, die darin bestehen, die neuen Gäste zum Wiederkommen zu bewegen und möglichst noch viele neue dazu. Das läuft derzeit in Berlin so lala, denn Schließungen im gehobenen Sektor sind nicht die Regel, aber gute Läden wie „Lansk“, „Marthas“ und „Filetstück“ hat es doch erwischt, das "Schwein" zieht von Mitte in die City West.

Von früh bis spät

Dafür haben wir mehr Neueröffnungen als auch der gewissenhafteste Kritiker abarbeiten kann. Alles wird alsbald bejubelt, notfalls in gekauften Blogbeiträgen; wer es mit einem neuen hippen Laden nicht innerhalb von drei Monaten zu einem Lob in der „New York Times“ bringt, der hat wirklich was falsch gemacht. Wohin mit dieser Vorrede? Zu einem Neuköllner Restaurant, das schon anderthalb Jahre existiert und viel gelobt wird. Ich bin nie hingekommen, weil ich den Böhmischen Platz in Neukölln nur vom Hörensagen kannte und Bedenken wegen des Konzepts hatte: Vom Frühstück bis zum Abendessen gut sein, das ist sehr schwer. Nun war ich da, am Abend, und kann die zahlreichen Elogen in Print und Web tatsächlich nicht bestätigen. Das ist alles ganz okay, aber auch nicht mehr, ein nettes Nachbarschaftsrestaurant ohne höhere Weihen.

Frisch und gesund

Möglicherweise hat mich auch die sensationell muffige Begrüßung irritiert oder die supertrübe Beleuchtung, das mag sein. Aber in der Küche werden die Zutaten nur routiniert aus einem gemüsebetonten Fundus guter Qualität zusammengesetzt, das hat mit aktivem Kochen nicht allzu viel zu tun, geht dafür allemal als frisch und gesund durch, das ist wichtig in einer Gegend, wo der Grat zwischen Döner und Veganismus schmaler ist als sonstwo auf der Welt. Typisch: Das saftig gebratene Hühnerbrustfilet, das separat zu einem Teller mit dichter Jus, sehr schönen kleinen Zucchini, Perlzwiebeln und einer Rispe roter Johannisbeeren serviert wird – lauter feine Einzelteile ohne Bindung (25,50 Euro). Sogar eine grobschlächtige Ceviche aus unbekanntem Fisch mit Avocado, Melone und Pimpernelle (22,50) geht hier als Hauptgang an den Start – als knapper proportionierte Vorspeise wäre das völlig ausreichend gewesen. Zum gleichen stattlichen Preis gab es auch das gut balancierte Tatar vom Färsenfilet mit Wachtelspiegeleiern, Zwiebeln, Roten Beten und einem separaten Schluck Ayran.

Besser nur Vorspeisen

Ich habe nicht verstanden, weshalb die Küche hier abends überhaupt dezidierte Hauptgerichte auftischt. Denn das Angebot von Vorspeisen (um 10 Euro) fällt stilistisch nicht anders aus, es gibt Burrata mit Pfirsich und Basilikum im Salat, Calamaretti mit Himbeerpüree, Schnittlauch und Sauerrahm oder Rote Bete mit karamellisierten Walnüssen, Himbeeren, Bronzefenchel und Schafskäse. Das schmeckt alles gut und ist aus feinen Zutaten, wirkt aber durchweg wie betreutes Salatbuffet. Was sicher auch mit der knapp besetzten Küche zu tun hat und deren anstrengendem Ganztagsprogramm.

Realistische Erwartungen

Ansprechend die Desserts: Creme brulée mit Vanille und Tonkabohne oder karamellisierter Joghurt mit Brombeeren und Kräutern schmecken gut. Die passenden Weine werden gleich in die Speisekarte eingeblendet, aber es gibt auch sonst ein gutes, nicht zu teures Sortiment, der gute 2016er Weißburgunder von Knewitz kostet 32 Euro.
Also, wenn Sie mal in der Nähe sind: Man kann mit realistischen Erwartungen durchaus hingehen.

- Hallmann & Klee, Böhmische Str. 13, Neukölln, Tel. 23 93 81 86, Mi-Sa 9.30 bis 22, So 9.30 bis 18 Uhr

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