Warme Atmosphäre. Das Kreuzberger "Feedback". Foto: promo
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Von Tisch zu Tisch Feedback

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Im "Feedback" wird kantonesisch gekocht mit kleinen kreativen Einflüssen. Für manche ist es das beste chinesische Restaurant der Stadt - aber stimmt das auch?

Chinesisches Essen ist bei uns ein bisschen aus der Mode gekommen, weil die zuständigen Restaurants die Kurve nicht so richtig hinbekommen haben. Immer die Klischees, immer die endlosen Speisekarten, die den Baukastencharakter der Küche überdeutlich machen: Da werden die verschiedenen Grundprodukte mit abwechselnden Gemüsen in drei oder vier Grundsaucen geworfen, und schon ist die Pseudo-Vielfalt vorgetäuscht.
Ja, es gibt in Berlin ein paar Klassiker, die ein paar Sachen richtig gut machen, wenn der Gast auf die richtigen Knöpfe drückt. Aber selbst das von vielen guten Berliner Köchen hochgelobte „Hot Spot“ hat mich immer ein wenig enttäuscht. Dieses schlicht-moderne Restaurant hier mit dem seltsamen Namen, gleich neben dem „Horvath“ in Kreuzberg, kann mehr, wenn wir das Thema Wein mal ausklammern.

Kleine Karte

Die Karte ist relativ klein, es gibt sogar ein paar Tagesgerichte, aber am wichtigsten ist wohl, dass der Service, geführt von der sprachgewandten Chefin, sofort Kontakt aufnimmt und Vorschläge macht. So kamen wir ohne Umwege zu den richtigen Sachen und haben uns mit tollen Kleinigkeiten und größtem Vergnügen den Bauch vollgeschlagen, ohne die eigentlichen Hauptgerichte überhaupt zu erreichen - das halte ich für ein gutes Zeichen. Einfach was bestellen, essen, Appetit bekommen, wieder was bestellen, weiter essen...

Schon der Gurkensalat überzeugt

Was sie hier kochen, ist im Kern kantonesisch mit kleinen kreativen Einschüben. Mich hat schon der ganz einfache Gurkensalat mit Knoblauch und Chili für das „Feedback“ (4 Euro) eingenommen, der einzige, der neben dem nordischen mit Dill und Zucker bestehen kann. „Fallen Duck“ sind zwei nach Art der Peking-Ente in Reispapier gewickelte Rollen (5,50), ohne zusätzlichen Dip, aber der ist bei der runden Abstimmung entbehrlich. Die „Wasabi King Prawns“ mit Zitronen-Wasabi-Mayonnaise hat der Küchenchef aus dem „China Club“ mitgebracht – sie sind mild süßlich abgestimmt, schön saftig und zart, nicht so dick und knusprig wie bei Tim Raue, aber zwei Stück für 7,50? Super. Vier Wan Tan mit Huhn-Garnelenfüllung gibt es für 4,50, die unaufdringliche Pflaumensauce ist auch hausgemacht, und der aktuelle Kracher des Restaurants scheinen die Wasserkastanien zu sein, die in einer dünnen Schweinebauch-Hülle gebacken und mit ebenfalls hausgemachter süß-saurer Sauce serviert werden (12 Stück 14,90). Ach, könnten wir noch einen Teller...?

Das Geheimrezept

Auch die XO-Sauce, die so eine Art Geheimrezept guter chinesischer Küchen darstellt, ist hier der Stolz des Chefs, mild süß mit viel Fisch-Umami, und bemerkenswert unprätenziös mit kleinen gebackenen Tofu-Würfeln und gejhacktem Senfgemüse serviert (4,50). Sebastian Frank vom „Horvath“ lobt die gedämpfte Aubergine über alle Maßen, zu Recht, denn die Konsistenz ist makellos zart-fest ohne Matschigkeit, und die Pilzsoße drüber stützt, ohne zu überdecken (10,90). Kleine Süßigkeiten mit Raffinesse passen immer noch, hier gibt es kleine zuckrige Schneekugeln mit Mango, gut gemacht - manchmal ist das Gleiche auch mit Durian verfügbar, die mir mit ihrem käsigen Duft allerdings nicht behagt. Das Weinangebot ist klein, aber es gibt zum Beispiel Weißburgunder von Heinrich Gies für 24 und den „Blackprint“ von Markus Schneider für 42 Euro, das passt allemal.

Wenn jetzt also jemand sagt, das sei das beste chinesische Restaurant in Berlin, dann kann ich nicht widersprechen, würde mich aber darauf hinausreden, dass ich noch die Hauptgerichte probieren müsste. Aber die völlig unprätenziöse und genaue Vorstellung, die wir erlebt haben, reicht auf jeden Fall für eine dicke Empfehlung. Preiswert!

Feedback, Paul-Lincke-Ufer 45, Kreuzberg, Tel. 6165 4111, täglich 12 bis 23 Uhr, montags geschlossen

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