Zur arabischen Gastlichkeit gehört üppiges Ornament und viel Goldglanz - auch im "Arabesque". Foto: promo
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Von Tisch zu Tisch Arabesque

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Wo früher das italienische Kult-Restaurant "Bacco" die Prominenz versorgte, werden jetzt arabische Spezialitäten serviert - und nebenan können die Gäste Wasserpfeife rauchen.

Die Grandezza des Ortes, der Beichtstuhl für Diven und Tanzclub für Rockstars war, ist geblieben. Aber der Charakter des Lokals, das einst das legendäre italienische Restaurant "Bacco" beherbergte, hat sich grundlegend geändert. Dort wird jetzt arabisch gekocht. Arabisch sind auch die leuchtenden Farben, die Bilder an den Wänden, die schweren, dunklen Holzmöbel. Aus den Lautsprechern erklingt traditionelle arabische Musik. Man sitzt nicht über die Maßen bequem an den hohen Tischen, die mit gestärkter weißer Tischwäsche und Windlichtern betont festlich eingedeckt sind. Nur ein Teil ist Restaurant geblieben. Steckt man die Nase in den anderen, taucht sie ein in süßliche Düfte. Hier widmen sich die Gäste den Wasserpfeifen. Eine Glaswand schafft eine optische Brücke zwischen Rauchern und Speisenden.

An unserem Abend war es im Restaurantbereich nicht übermäßig voll. Nur zwei weitere Tische waren besetzt. Die Auswahl an Aperitifs ist erfreulich groß zwischen Prosecco, Crémant, Champagner und gängigen Cocktails. Der Prosecco kam offensichtlich aus einer frisch geöffneten Flasche und hatte exakt die richtige Temperatur (6,50 Euro). Auf der Weinkarte entdeckten wir vor allem libanesische Weine. Der von dem netten albanischen Kellner als „trocken und fruchtig“ gelobte „Passion“ erwies sich als schwerer tiefroter Wein, Jahrgang 2011, der vielleicht auch deshalb so vergleichsweise günstig war, weil er wirklich langsam ausgetrunken werden muss (24 Euro).

Schon die Vorspeisenplatte für zwei bietet reichlich

Natürlich lag es nahe, die Vorspeisenplatte für zwei Personen zu probieren. Sie allein wäre schon ein gutes Mahl für nach dem Theater oder vor dem Kino. Mit großer Geste wurden in der Mitte des Tisches fünf Teller und eine Schüssel aufgebaut. „Fattoush“, das sind mit Zitrone und Olivenöl sehr frisch angemachte Salate der Saison, wozu auch im Spätherbst noch Radieschen gezählt werden, dazu Tomaten, Minze und reichlich knusprige Stückchen von geröstetem Fladenbrot. Baba Ghanoush ist ein sehr sanftes Püree aus gegrillter Aubergine, die mit Zwiebeln, Paprika, Minze, Knoblauch und Olivenöl vermischt wird. Ein ähnlich weiches Geschmackserlebnis bot „Hommus“, ein glattes Kichererbsenpüree mit Sesamsauce. Sehr gut schmeckte ein dunkelrotes schärferes Püree aus Tomaten, Paprika, Walnüssen und Peperoni. Außerdem gehörten noch auf Blattsalate gebettete dreierlei Sorten Hefeteigtaschen dazu, gefüllt mit Blattspinat und Zwiebeln, mit Schafskäse oder mit Rinderhackfleisch und Pinienkernen. Sie hinterließen einen eher etwas trockenen Eindruck (18 Euro). Köstlich waren die weißen, weichen arabischen Brote dazu.

Dem fürsorglichen Rat des Kellners, nach dieser Opulenz ein Hauptgericht zu teilen, folgten wir nicht. Der Vorschlag war aber in jedem Fall eine nette Geste.
Das geschmorte, nicht ganz unfettige Lammfleisch klebte mit reichlich, teils angeschwärzten Cashewkernen wie ein zusammengepresster Fladen auf einem Küchlein Reis und bot keinerlei Gefahr, sich daran den Mund zu verbrennen. Dazu passten die eiskalte dicke Tomatensauce, die sehr frisch und ein bisschen scharf schmeckte, und viel frische Petersilie (19 Euro). Besser gefiel mir das vegetarische Gericht, Aubergine und Zucchini gefüllt mit fein gewürfeltem Gemüse in einer aromareichen, dünnen, aber dafür warmen Tomatensauce (14 Euro).

Das Dessert, knusprige, mit süßer Käsecreme gefüllte Teigtaschen, wirkte danach etwas blass, vielleicht hatten wir aber auch nur das falsche ausgesucht, denn es gibt eine erfreuliche Auswahl, darunter auch frisches Obst (6,50 Euro).

Die Grandezza ist geblieben, aber auf eine ganz andere Art. Nicht ganz leicht, warm zu werden damit. Aber dafür kann man hier bis nach Mitternacht essen.

Arabesque, Marburger Str. 5, Charlottenburg, Tel. 2694 7411, geöffnet Mo-Do, So 17-0.30 Uhr, Fr-Sa 17-1 Uhr

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