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Neuer Audi RS 5 Sechs ist mehr als Acht

Gerd Nowakowski
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Weg mit dem Sauger: Der neue Audi RS 5 hat nun Turbo und sechs Zylinder – und bringt damit enorme Power auf die Straße. Und viel Stil.

Mit Vollgas aus der Spitzkehre beschleunigen – ja, da spürt man die Kraft. Das G-Meter, der Gravitationsmesser auf der Instrumententafel, zeigt die Schwerkraft an, die den Fahrer sekundenlang ganz schön tief in den Sitz drückt. Das Fahrwerk des RS 5 aber kann das nicht beeindrucken.

Der serienmäßige Allradantrieb verteilt zusammen mit dem neu entwickelten Mittendifferential die Kräfte variabel auf die Räder und zieht den Wagen wie auf Schienen durch die Kurve. Als säße man in der Eisenbahn. Erste Klasse, sozusagen. Gut, man hat nicht unbedingt auf ein G-Meter gewartet; aber ein nettes Gimmick ist es allemal, was Audi da nun zum ersten Mal im neuen RS 5 Coupé eingebaut hat.

Das neue Coupé, von dessen Vorgänger immerhin 13 000 Exemplare verkauft wurden, ist ein Auto mit zwei Gesichtern. Da ist der Audi mit der Komfort-Leichtigkeit, mit dem man über den Dingen schwebt – und allen Fährnissen und Widrigkeiten der Strecke. Der Komfort-Modus bügelt alle Straßendellen weg, dass es eine rechte Freude ist. Cruisen at its best.

Und da ist harte Hund, der auf den Serpentinen der Pyrenäen zeigt, was in ihm steckt, der brüllend in die Kurven geht, der eine Fahrmaschine mit Anspruch ist. Der will sich messen will mit den direkten Konkurrenten, dem BMW M4 oder dem Mercedes AMG C 63. Audi Sport, vor einem Jahr gegründet, um die Marke noch stärker am Rennsport zu positionieren, unterstreicht dieses Ziel mit dem RS 5 Coupé eindrucksvoll.

Es gibt die großen und kleinen Dinge, die ein Auto besonders machen. Das Herz des neuen Modells, das ab sofort bestellt werden kann, ist der komplett neu entwickelte Motor. Statt des großen Saugers mit acht Zylindern gibt es nun einen Sechszylinder mit 2,9 Liter Hubraum, der aufgepowert wird durch einen Bi-Turbo. Der Motor bringt wie der Vorgänger 450 PS, ist aber erheblich leichter.

Entscheidend verbessert hat sich die Motor-Kennlinie: Über den Drehzahlbereich von 1900 bis 5000 Umdrehungen bringt der Sechszylinder ein fast gleichmäßiges, bärenstarkes Drehmoment von 600 Newtonmeter, deutlich mehr als bislang. Egal in welchem Geschwindigkeitsbereich, es liegt sofort eine Power an, die jede Situation total beherrschbar macht, ob im Stadtverkehr oder auf der Landstraße. Nichts da mit Turbo-Loch!

Wer wird da dem Acht-Zylinder-Saugmotor nachweinen. Und da sind die kleinen Dinge, die wichtig sind, etwa die Höflichkeit. Mühsam weit nach hinten greifen und nach dem Gurt fischen, das ist vorbei. Nun wird den Passagieren beim Einsteigen mit einem kleinen Metallarm automatisch der Gurt nach vorne gereicht.

Die Front ist markanter geworden durch die tiefgelegenen, massiven Lufteinlässe, den breiten Scheinwerfern mit den integrierten Luftschlitzen und den gegenüber dem normalen Audi A5 verbreiterten Kotflügeln. Serienmäßig gibt es LED-Scheinwerfer, optional sind auch Matrix-LED-Scheinwerfer erhältlich. Hinten wird der RS 5 erkennbar an den ovalen Endrohren und den Luftauslässen neben den LED-Rückleuchten.

60 Kilo leichter als der Vorgänger

Ein Coupé fürs Auge. Der Käufer hat die Qual der Wahl: Soll es der neu erhältliche Farbton Sonomagrün sein, das je nach Sonneneinstrahlung von dunkelgrün bis ins gelbliche spielt, oder das berückend schöne Audi-Rot? Mit dem RS-Designpaket kann man sich dazu auch im Innenraum grüne Doppelnähte und rautenmäßig grün gesteppte Sitzpolster gönnen. Entsprechend gilt das auch für die rote Variante – dann haben selbst die Sicherheitsgurte rote Kanten.

Der permanente Allradantrieb macht den 1655 Kilogramm wiegenden RS 5 ungemein griffig bei jeder Straßenlage. Die achtstufige Schaltautomatik zieht seidenweich die Gänge hoch. Wählen kann man unter vier Einstellungen. Der Fahrer kann mit zahlreichen individuellen Einstellmöglichkeiten sein ganz spezielles Fahrdynamikprofil kreieren, bei der die Schaltkennlinie, die Fahrgestellcharakteristik, die Lenkung und Abgasklappensteuerung beeinflusst werden können.

Entscheidet man sich fürs manuelle Schalten mit den Tasten am Lenkrad, dann fordern farbige Lichtimpulse zum Hochschalten auf, wenn die jeweilige Drehzahlgrenze erreicht ist. Audi gibt den kombinierten Verbrauch mit 8,7 Litern je 100 Kilometer an; mit dem realen Verbrauch hat das freilich wenig gemein.

Innenansicht des neuen Audi RS 5. Foto: promop

Man spürt, dass die Audi-Sport-Entwickler ziemlich viel getüftelt haben. Der Wagen ist gegenüber dem Vorgänger rund 60 Kilo leichter geworden; was nicht nur auf den kleineren Motor zurückzuführen ist. Weitere Gewichtseinsparungen sind möglich – gegen Aufpreis. Ein Carbon-Dach, das drei Kilo Gewicht einspart und den Schwerpunkt noch weiter nach unten bringt, soll 3000 Euro extra kosten. Ganze acht Kilo Gewicht sparen kann man dazu mit den optionalen Keramik-Bremsen.

30 Fahrer-Assistenzsysteme

Reinsetzen und sich wohlfühlen. Im schwarz gehaltenen Innenraum herrscht wie gewohnt beste Verarbeitungsqualität. Das unten abgeflachte Lenkrad liegt prima in der Hand, alle wichtigen Funktionen sind mit dem Daumen erreichbar. Ansichtssache ist, ob man sich mit dem Analoginstrument der Grundausstattung zufrieden gibt. Das optional erhältliche große volldigitale Anzeigeninstrument gehört nämlich zum Besten, was derzeit zu finden ist.

Dessen Variabilität lässt keine Wünsche offen – je nach Wunsch kann man sich in die Mitte ein großes Rundinstrument mit Drehzahl und Geschwindigkeit platzieren oder aber die Navigationsinfos. Das nützliche Head-up-Display gibt es freilich nur gegen Aufpreis.

Nichts zu wünschen übrig lassen die Entertainment-Anlage und das Connectivitäts-Paket, das die Online-Welt ganz komfortabel ins Auto holt. Zur Sicherheit tragen die bis zu 30 Fahrer-Assistenzsyteme bei – vom Abbiegeassistent über die Verkehrszeichenerkennung bis zur Notbremsfunktion.

Der Kofferraum unter dem Heck-Bürzel fasst immerhin 465 Liter, was durchaus akzeptabel ist. Denn eine Familienkutsche ist der RS 5 nicht wirklich, auch wenn nicht nur Kinder durchaus Platz finden auf der Rückbank. Trotz sieben Zentimeter länger gewordenem Wagen haben aber Erwachsene ein wenig Mühe, sich in die hintere Reihe zu falten.

Den RS 5 gibt es in der Grundausstattung ab 80 900 Euro. Erfüllen aber kann man sich noch jede Menge Extrawünsche, die dann mächtig ins Geld gehen. Audi hat die Geschwindigkeit auf 250 Km/h abgeregelt. Die Lizenz zum noch schneller fahren, kostet 1500 Euro Aufpreis. Dann geht die virtuelle Tachonadel bis Tempo 280 hoch. Man darf darauf wetten, dass dieses Plus an Speed den meisten RS 5-Käufern der Aufpreis wert sein dürfte.

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