Junge Flüchtlinge waren zuletzt durch Gewalttaten sowie Diebstahl und Drogenhandel aufgefallen. dpap

Unbegleitete Minderjährige Berliner Senat besorgt über kriminelle Flüchtlinge

Hannes Heine
294 Kommentare

Vor allem unbegleitete Minderjährige fallen bei Gewalttaten auf. Für Präventionsmaßnahmen soll in diesem Jahr eine Million Euro extra ausgegeben werden.

Nach heftigen Debatten zwischen Sozialträgern, Anwohnern und Bezirksämtern will sich der Berliner Senat intensiver um minderjährige Asylbewerber kümmern, die ohne Eltern nach Berlin kamen. Zuletzt waren in Kreuzberg und Mitte jugendliche Flüchtlinge durch Gewalttaten, aber auch Diebstahl und Drogenhandel aufgefallen. Die für minderjährige Asylbewerber zuständige Verwaltung von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) arbeitet an einem Konzept, um das Abrutschen in die Alltagskriminalität zu bekämpfen.

In diesem Jahr soll dafür nach Tagesspiegel-Informationen eine Million Euro ausgegeben werden. Bislang kosten die mehr als 2700 unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin insgesamt 100 bis 200 Millionen Euro im Jahr – allerdings sind die meisten polizeilich nicht aufgefallen.

Bei einigen jungen Männern jedoch greift Scheeres zufolge die übliche Jugendhilfe nicht mehr – da wolle man gezielt ansetzen. Soziale und therapeutische Arbeit soll verstärkt und den Trägern geholfen werden, Problemfälle zu betreuen. „Wer mit Jugendlichen arbeitet, die in die Bandenkriminalität rutschen, braucht auch mehr Hilfe“, sagte Scheeres dem Tagesspiegel. Auf die Lage unbegleiteter Jugendlicher hatte zuletzt Monika Herrmann (Grüne), die Bezirksbürgermeisterin von Kreuzberg-Friedrichshain, aufmerksam gemacht.

Bezirksbürgermeisterin lädt am Freitag zu Krisentreffen ein

An diesem Freitag hat Hermann zu einem Krisentreffen mit örtlichen Trägern geladen. Dabei soll es darum gehen, was Sozialarbeiter und Betreuer brauchen – und ob die Instrumente der Jugendhilfe für diese Klientel noch ausreichen. In Kreuzberg ist inzwischen mehr Polizei präsent.

Die Lage sei angesichts von Raub, Nötigung und Missbrauch aber weiter gefährlich, erklärten Gewerbetreibende vom Kottbusser Tor in einem offenen Brief: In „guten Teilen“ der Stadt werde Rechtlosigkeit bekämpft, am Kottbusser Tor aber hingenommen. Weiter heißt es, bei einigen Politikern und Linksaktivisten gebe es „eine falsche Angst“, dass das Benennen der Lage zu mehr Rassismus führe: „Tatsächlich aber sorgen Verschleierung und Verschweigen für Verdächtigungen aller Art.“

An diesem Donnerstag ist Anklage gegen sechs junge Flüchtlinge erhoben worden, die aus Syrien und Libyen nach Berlin gekommen sein sollen. Die Asylsuchenden haben der Staatsanwaltschaft zufolge an Weihnachten im U-Bahnhof Schönleinstraße versucht, einen Obdachlosen anzuzünden. Ein weiterer Jugendlicher wird wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt. Die meisten der sieben jungen Männer kamen ohne Eltern nach Berlin.

In den ersten Monaten nach ihrer Ankunft leben jugendliche Flüchtlinge in Einrichtungen des Senats. Dort werden Daten zu Alter, Gesundheit, Familie und Bildung geprüft. Danach sollen sich die Jugendämter der Bezirke um Wohnungen, Schule und Betreuung kümmern. Weil in den vergangenen Jahren besonders viele Jugendliche ohne Eltern nach Berlin kamen, befinden sich Schätzungen zufolge immer noch Hunderte in diesem Verfahren. Die Berliner Caritas-Direktorin Ulrike Kostka hatte kürzlich im RBB eine stärkere Förderung ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer gefordert. Minderjährige Flüchtlinge bräuchten gute Vorbilder, sie dürften keine „verlorene Generation zwischen Kriminalität und Depression“ werden.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Textes war von "200 Millionen Euro" die Rede, nun steht dort "100 bis 200 Millionen Euro". Die Summe schwankt über die Jahre, je nach Zahl der Einreisenden. Zudem werden alle Kosten zusammengezählt - Miete, Sozialarbeiter, Grundversorgung, Bildungshilfen. Grundsätzlich stehen solche Mittel auch Kindern bedürftiger, deutscher Familien zur Verfügung. Der Tagesspiegel hat für eine aktuelle Reportage zudem Sozialarbeiter und Flüchtlinge getroffen: "Das Messer hat Rachid, 17, immer dabei"

Zur Startseite