Haufenweise Pannen. Die Wahl zum Bundestag und der Volksentscheid über die Zukunft von Tegel am selben Tag hat Berlin überfordert. Foto: dpa
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TXL-Volksentscheid Auffällig wenige Stimmen für die Offenhaltung Tegels in Süd-Neukölln

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In Buckow sollen nur 6,4 Prozent für die Offenhaltung Tegels gestimmt haben – das wirkt nicht plausibel. Die Landeswahlleitung sucht nach der Ursache für den Fehler.

Noch eine Panne bei der Abwicklung der Wahlen: Im Wahlbezirk 511, einem Teil von Buckow, meldet die Landeswahlleiterin gerade mal 48 Stimmen für die Offenhaltung von Tegel – 48 von 750 gültigen Stimmen, das entspräche einem Anteil von 6,4 Prozent. Das fand die Abteilung „Data Science & Stories“ vom Tagesspiegel heraus. Schlechterdings unmöglich bei dem vorläufigen Endergebnis von 56,1 zu 41,7 Prozent – erst recht nicht im Süden von Neukölln.

Denn die Bewohner des Bezirks leiden unter dem Fluglärm des alten DDR-Airports Schönefeld und müssen sich im Falle einer Öffnung des Großflughafens BER auf noch mehr Lärm gefasst machen. In Buckow allemal. Deshalb haben eine Ecke hinter der Marienfelder Chaussee mit ihrem kuriosen Wahlverhalten, also im unmittelbar benachbarten Wahlbezirk, satte 67 Prozent für den Volksentscheid und für Tegel votiert.

Das passt. So ähnlich haben auch fast alle anderen südlich gelegenen Bezirke ihr Kreuzchen gemacht. Weil „viele die Hoffnung haben, dass durch das Tegel-Votum der BER ganz fällt und nicht eröffnet“, sagt der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick Oliver Igel (SPD).

Was ist falsch gelaufen?

„Das wird ein Fehler sein“, sagt auch Gert Baasen, Geschäftsstellenleiter der Landeswahlleiterin, über die Zahlen im Wahlbezirk 511. Darauf deute jedenfalls alles hin. Was genau schiefgegangen sei, könne er sich nicht erklären. Aber die Überprüfungen des vorläufigen amtlichen Endergebnisses liefen ja gerade, auch im Bezirk Neukölln. Dass einfach ein Komma verrutscht ist – also 64 Prozent statt 6,4 Prozent für Tegel gestimmt hatten –, würde zwar passen, ist aber unwahrscheinlich: weil der prozentuale Anteil abgeleitet ist von der absoluten Zahl der abgegebenen Stimmen – und diese hatte die Wahlleitung ja mit 48 Stück zugunsten von Tegel beziffert.

Am besten also noch mal direkt in Neukölln nachfragen. Auch dort gibt es ein Wahlamt, und nach vielen vergeblichen Anrufen geht eine Mitarbeiterin an den Apparat, die aber nicht genannt werden will: „Es ist ein vorläufiges Ergebnis, wir sind mit der Nachprüfung noch nicht fertig.“ Am 2. Oktober werde das Endergebnis feststehen. Den Hinweis auf das kuriose Votum in Wahlkreis 511 nehme sie auf. „Aber wir gucken eh alle noch mal durch“, sagt sie. „Und notfalls zählen wir auch noch mal nach.“

Hoher Aufwand

Bei der Menge an Stimmzetteln sei es gar nicht so einfach, diese am Abend der Wahl vernünftig durchzuzählen. Und sie rät Verständnis heischend dazu, sich selbst mal als Wahlhelfer zu verdingen. Verständnis hat jedenfalls der Sprecher des Bundeswahlleiters, obwohl Berlin als letztes Bundesland die Ergebnisse lieferte: aus Pankow um 3 Uhr 40 nachts. „Das ist eigentlich immer so, wenn in einem Bundesland gleichzeitig noch eine andere Wahl läuft“, sagt Klaus Pötzsch.

Vor vier Jahren meldete Hessen als letztes, weil dort zugleich auch Landtagswahlen liefen. Ärgerlicher sei es da schon, dass Berlin unvollständige Zwischenergebnisse für zwei Wahlkreise an den Bundeswahlleiter schickte. „Dadurch standen 20 Minuten lang falsche Ergebnisse im Internet“, sagt Pötzsch.

Dass das vorläufige Ergebnis trotz allem erst um 5 Uhr 25 veröffentlicht wurde, war dann aber doch nicht allein die Schuld von Berlin. Wegen der ungewöhnlich hohen Zahl von Überhangsmandaten rechnete der Bundeswahlleiter lieber noch einmal nach. Gründlichkeit gehe eben doch vor Schnelligkeit.

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